Sozialpartnerschaft

Die Kennzeichnung der Arbeitsbeziehungen als ein Verhältnis „sozialer Partnerschaft“ wird erstmals 1947 im Zusammenhang mit den gemeinsamen Wiederaufbauanstrengungen von Gewerkschaftern und Arbeitgebern gebraucht. Dieser sozialpartnerschaftliche Interessenausgleich hat seitdem nicht nur dazu geführt, dass in Deutschland Arbeitskämpfe vergleichsweise selten geblieben sind, sondern ebenso in erheblichem Maße dazu beigetragen, dass der wirtschaftliche und soziale Fortschritt für breite Bevölkerungsschichten spürbar geworden ist.

Sozialpartnerschaft ist damit ein konstitutiver Eckpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft, die nach den Absichten ihrer geistigen Väter eine „Friedenslehre“ sein soll, um die wesentlichen gesellschaftlichen Gestaltungskräfte dazu zu bringen, ihre Interessenkonflikte in allgemein konsensfähiger Weise zu lösen. Allerdings besteht dabei durchaus die Gefahr, dass einzelne Interessengruppen, wie zum Beispiel die Tarifvertragsparteien, ihre Konflikte dadurch zu entschärfen versuchen, dass sie sich zu Lasten Dritter einigen. Eine richtig verstandene Sozialpartnerschaft will deshalb nicht nur hervorheben, dass es neben divergierenden auch gemeinsame Interessen gibt, sondern ebenso an die gesellschaftliche Verantwortung erinnern. Diese Rückbindung an das Gemeinwohl ist notwendig, damit die Befriedung der Arbeitsbeziehungen ökonomische mit sozialer Effizienz verbindet und so ein insgesamt höherer Grad an gesellschaftlicher Wohlfahrt erreicht wird. Sozialpartnerschaft stellt den Versuch dar, die Forderungen christlicher Sozialethik mit wirtschaftsliberalen Ordnungsvorstellungen in Einklang zu bringen.

Literaturhinweise

  • Müller-Armack, A. (1962), Das gesellschaftspolitische Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft, Neuabdruck in: Ders., Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik. Studien und Konzepte zur Sozialen Marktwirtschaft und zur Europäischen Integration, Bern, Stuttgart;
  • Sanmann, H. (1988), Artikel Sozialpartner, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), ungekürzte Studienausgabe, Bd. 7, Stuttgart, Tübingen, Göttingen;
  • Rösner, H. J. (1990), Grundlagen der marktwirtschaftlichen Orientierung in der Bundesrepublik Deutschland und ihre Bedeutung für Sozialpartnerschaft und Gemeinwohlbindung, Berlin.
  • Turner, L. (2000), Sozialpartnerschaft in der Krise: Arbeitskonflikte und Tarifpolitik in Deutschland, Frankfurt/Main, New York.
Hans Jürgen Rösner