Unternehmen, Betrieb

Die Kernkompetenz eines Unternehmens besteht in der Fähigkeit, Produkte und Dienstleistungen im Wettbewerb auf den nationalen und internationalen Märkten durchzusetzen. Dazu sind Wettbewerbsvorteile notwendig, die in unterschiedlichen Bereichen liegen können:

  • dem Produkt, der Herstellungstechnik, den Herstellungskosten sowie der Dienstleistungsqualität,
  • dem Vertriebsnetz, dem Markennamen und dem Produktimage,
  • der dauerhaften Innovationsfähigkeit und Innovationsqualität.
Während im privaten Eigentum stehende Unternehmen in der Regel ein Gewinnziel verfolgen und die Anteilseigner unternehmerisches Risiko und Verantwortung tragen, orientieren sich die öffentlich-rechtlichen Unternehmen an der Erfüllung eines öffentlichen Versorgungsauftrages (öffentliche Unternehmen). Bund, Länder oder Gemeinden und damit letztlich der Steuerzahler übernehmen Risiko und Haftung.

Unternehmens- und Betriebsbegriff werden im Sprachgebrauch häufig als Synonyme benutzt. Betriebswirtschaftlich wird beim Unternehmensbegriff die finanzwirtschaftliche und rechtliche Einheit betont (Außensicht). Der Betrieb gilt dagegen als örtliche oder technisch-organisatorische Wirtschaftseinheit (Innensicht).

Mit der Entwicklung von Internetwirtschaft und New Economy erweisen sich solche tradierten Begriffsabgrenzungen allerdings zunehmend als fließend: So existieren heute „virtuelle Unternehmen“ als Netzwerke unabhängiger Firmen, die sich nur auf kurze Zeit z.B. zur Bündelung von Kernkompetenzen oder zur Erstellung bestimmter Leistungen verbinden.

Zur Erreichung der internationalen Märkte werden außerdem neue Organisationsformen wie z.B. Joint Ventures (mehrere Unternehmen gründen ein gemeinsames Unternehmen) oder strategische Allianzen entwickelt, bei denen oftmals nicht mehr von der wirtschaftlichen oder rechtlichen Einheit des Betriebes ausgegangen werden kann.

Märkte werden internationaler (Globalisierung). Unternehmen müssen diesem Trend folgen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zur Bedienung der internationalen Märkte orientieren sich die Unternehmen an Standortfaktoren. Trotz vielfacher Standortvorteile in Deutschland, wie dem dualen Ausbildungssystem und der guten Infrastruktur, reagieren internationale Investoren zurückhaltend bezogen auf die Überregulierung insbesondere des Arbeitsmarktes sowie das in der Welt einzigartig hohe Niveau betrieblicher bzw. unternehmensbezogener Mitbestimmung (Corporate Governance). Daraus ergibt sich das langfristige Defizit Deutschlands bei den Investitionen des Auslands im Inland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern.

Das Thema Corporate Governance hat bereits in den Jahren vor der Wirtschafts- und Finanzkrise (2008-2010) an Bedeutung gewonnen. Rechtlich und formal obliegt die Kontrolle des Unternehmens und seiner Vorstände dem Aufsichtsrat, dem eigentlichen Kontrollorgan einer Gesellschaft. Der Aufsichtsrat selbst wird in der Regel jährlich durch die Hauptversammlung der Aktionäre bestellt. Im Zuge der Offenheit der internationalen Finanzmärkte wird de facto die Unternehmenskontrolle auch sehr stark über die Finanzberichterstattung und eine transparente Berichterstattung gegenüber den Kapitalmärkten ausgeübt. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise haben sich die Kontrolldichte und Verantwortung der Aufsichtsräte massiv erhöht.

Hinsichtlich der möglichen Rechtsformen wird vor allem zwischen Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften unterschieden:

Nach der Umsatzsteuerstatistik werden die meisten Unternehmen in Deutschland als Einzelunternehmen (2008: 2.233.767) geführt. Charakteristisch ist das alleinige Entscheidungs- und Dispositionsrecht des Einzelunternehmers, der mit seinem persönlichen Gesamtvermögen (Betriebs- und Privatvermögen) für die Verbindlichkeiten der Firma haftet. Eigentum ist jedoch auch mit einer sozialen Verpflichtung verknüpft. Unternehmerische Entscheidungen sind nicht willkürlich. Zur unternehmerischen Praxis gehört die Einbeziehung der Belegschaft in unternehmensbezogene und betriebliche Belange.

Personengesellschaften erfordern mindestens zwei Gesellschafter. Auch hier sind Kapitaleigentum und Unternehmensleitung meist in Personalunion vereint. Mit Ausnahme der Kommanditisten in einer Kommanditgesellschaft (Haftung nur bis zur Höhe der Einlage) haften die Gesellschafter ebenfalls mit ihrem Gesamtvermögen. Die häufigsten Rechtsformen sind die offene Handelsgesellschaft – oHG (2008: 265.868 Unternehmen, einschließlich der Gesellschaften des bürgerlichen Rechts – GbR – und ähnliche Gesellschaften) – und die Kommanditgesellschaft – KG (2008: 137.153 Unternehmen).

Bei den Kapitalgesellschaften wird die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft als einer juristischen Person beschränkt. Kapitalbeteiligung und unternehmerische Leitung sind häufig getrennt. Während nur 7.862 Unternehmen die Rechtsform der Aktiengesellschaft besitzen, ist die am weitesten verbreitete Kapitalgesellschaft die Gesellschaft mit beschränkter Haftung – GmbH (2008: 465.694). Daneben gewinnen die europäischen Gesellschaftsformen der Societas Europaea – SE – und der insbesondere für mittelständische Unternehmen geeigneten Societas Privata Europaea – SPE – zunehmend an Bedeutung.

Auffällig ist die in Deutschland stark mittelständisch geprägte Unternehmensgrößenstruktur. 91,5 v.H. der Unternehmen haben unter 10 Mitarbeiter und 99,6 v.H. weniger als 500 Mitarbeiter. Lediglich 0,4 v.H. der Unternehmen werden also, bezogen auf die Beschäftigtenzahl, zu den Großunternehmen gezählt. Ähnliches gilt – je nach Branche – für die Rangfolge nach der Höhe des Umsatzes.

Mittelständische Unternehmen beschäftigen nahezu zwei Drittel aller in der Privatwirtschaft Tätigen und sind für 42 v.H. der jährlichen Bruttoinvestitionen in Sachanlagen verantwortlich. Auf das knappe halbe Prozent der Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten entfallen allerdings etwa zwei Drittel des gesamten Umsatzvolumens.

Die 25 größten Unternehmen in Deutschland gehörten auch schon 1960 zu den Großen. In den Vereinigten Staaten zählen dagegen ein Drittel der Top-25-Unternehmen zu den „Newcomern“, die erst in den letzten Jahren – vor allem im Bereich der Informationstechnologie – gegründet wurden.

Literaturhinweise

  • Jeske, J./ Barbier, H. D. (2000), Handbuch Wirtschaft: So nutzt man den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung, Frankfurt/ Main;
  • Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre Band 1, 5. Auflage (2005), München;
  • Wolter, H.-J./ Wolff, K./ Freund, W. (1998), Das virtuelle Unternehmen: Eine Organisationsform für den Mittelstand, Wiesbaden.
Kurt J. Lauk

Rainer Gerding