Unternehmer, Manager

Der Unternehmerbegriff konzentriert sich ursprünglich auf den Eigentümer- oder Inhaberunternehmer. Er leitet sein Unternehmen selbständig und trägt das unternehmerische Risiko durch die Haftung mit dem eingesetzten Kapital oder dem gesamten persönlichen Vermögen. Kapitalgeber- und Unternehmerfunktion fallen grundsätzlich zusammen.

Nach der Entstehung der Aktiengesellschaften im 19. Jahrhundert entwickelte sich zusätzlich die Form des angestellten Unternehmers oder Managers. Auch er besitzt weitgehendeste unternehmerische Entscheindungsbefugnis, doch handelt er auf fremde Rechnung und fremdes Risiko. Durch Aktienoptionen (Gehaltszahlung in Form von Wahlmöglichkeiten zwischen Geld oder Aktien des Unternehmens) kann auch der Manager zum Miteigentümer oder Beteiligten des Unternehmens werden. Die Kontrolle des Unternehmensvorstandes obliegt dem Aufsichtsrat. Wechsel im Unternehmensmanagement gehören zur Normalität.

Die etwa 3,68 Millionen selbständigen Unternehmen in Deutschland – einschließlich der Freiberufler – werden zu 95,3 v.H. von Familienunternehmern und zu knapp 4,7 v.H. von angestellten Managern geleitet. Unternehmer sind flexibel: Sie können entscheiden, wann, was, wo, mit welchen Mitteln produziert wird. Deshalb sind die Standortfaktoren so wichtig: Dazu gehören das Rechts-, Steuer-, Finanz- und Sozialsystem ebenso wie die Ausbildungsqualität, die Nähe zu Universitäten sowie die Verkehrs- und Dienstleistungsinfrastruktur (Systemwettbewerb).

Unternehmer sind vor allem als Innovatoren gefordert, die in der Marktwirtschaft durch gewinnorientierte Eigeninitiative, Leistungs- und Risikobereitschaft das wirtschaftliche Ergebnis ihres Unternehmens verbessern. Die Umsetzung von Erfindungen, die ständige Erneuerung von Produkten und Produktionsprozessen sowie die Erschließung neuer Märkte gehören zu den originären Unternehmeraufgaben. Der österreichische Ökonom Joseph Alois Schumpeter hat in diesem Sinne den Begriff des „schöpferischen Unternehmers“ oder „Pionierunternehmers“ geprägt. Durchsetzungskraft, Kreativität, organisatorisches Können und Menschenführung gehören zu den unternehmerischen Kernkompetenzen.

Über Markt und Wettbewerb führt die zunächst vom unternehmerischen Eigeninteresse geleitete Dynamik zur bestmöglichen Erfüllung von Konsumentenwünschen (Absatzpotenzial) und zur Anhebung des allgemeinen Wohlstandsniveaus. Wirtschaftliche Erneuerung und Strukturwandel schließen dabei den vorübergehenden Verlust unrentabel gewordener Arbeitsplätze keineswegs aus. Unternehmerischer Wettbewerb und Marktauslese bieten jedoch die besten Chancen, durch hohes Innovationstempo, neu gewonnene Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliches Wachstum zu einem hohen Beschäftigungsstand zurückzukehren und konkurrenzfähig zu bleiben.

Die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Mitverantwortung des Unternehmers entwickelt sich im Zeitalter von Globalisierung und Internetwirtschaft in einem neuen Spannungsfeld. Neue internationale Produktionsformen und Geschäftsmodelle, weltweite Konkurrenz selbst für bislang vorwiegend regional tätige Anbieter tragen zu einer drastischen Verschärfung des internationalen Standortwettbewerbs bei. Das beschleunigte Entscheidungstempo muss durch flachere Unternehmenshierarchien unterstützt werden. Der gegenüber Unternehmern und Managern erhobene Vorwurf einer übertriebenen Orientierung am Shareholder-Value geht dagegen ins Leere. Nachhaltiger Unternehmenserfolg ist gerade unter schwierigsten Wettbewerbsbedingungen nicht gegen die Mitarbeiter zu erreichen. Die Interessen der Unternehmenseigentümer und der Mitarbeiter stehen deshalb nur in einem scheinbaren Widerspruch zueinander.

Deutschland braucht einen Wandel zu neuer Unternehmermentalität: Internationale Untersuchungen belegen, dass Regionen mit hohen Unternehmenszuwachsraten, z.B. in den USA, Australien oder Südkorea, auf mittlere und längere Sicht häufig auch ein relativ hohes Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum aufweisen. Die Zahl der Unternehmensgründungen hat in Deutschland seit den 90er Jahren auf jährlich gut 200.000 abgenommen. Besonders drastisch ist davon der Handel betroffen. Per Saldo ging die Selbständigenquote bezogen auf die Gesamtheit der Erwerbstätigen seit Anfang der 60er Jahre von knapp 17 v.H. auf nur noch knapp 11 v.H. zurück, womit Deutschland in der EU 27 einen abgeschlagenen Platz im hinteren Viertel belegt. Damit besteht die Unternehmerlücke in Deutschland weiter fort und droht durch den demografischen Wandel noch weiter anzuwachsen.

Die neue Wirklichkeit der Unternehmensgründungen erfordert eine stärkere Einbindung der internationalen Kapitalmärkte. Während das deutsche Finanzsystem häufig auf langfristigen, persönlichen und wenig transparenten Beziehungen zwischen Unternehmen und Finanzinstituten basiert, ist das angelsächsische System eher als distanziert, kurzfristig und weitgehend transparent zu beschreiben. Die Unterschiede beider Kulturen treten immer deutlicher hervor. Vor diesem Hintergrund ist es interessant zu beobachten, dass – abgesehen von der besonderen Situation im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 – seit vielen Jahren Innovation und Wachstum insbesondere der neuen Technologien in den Vereinigten Staaten deutlich höher waren als in den weniger reformbereiten, durch starre Sozialsysteme und den Mangel an Risikokapital gebremsten Wirtschaftssystemen Europas. Gleichzeitig deuten die Wachstumsaussichten der sog. internet economy darauf hin, dass sich künftig in den Schwellenländern Ostasiens (v.a. China, Indonesien oder Vietnam) sowie Indien weitere Unternehmer-Modelle bilden und in Konkurrenz zu den Systemen der westlichen Wirtschaft treten werden.

Die Bereitschaft zu privater unternehmerischer Tätigkeit ist entscheidend durch die Rücknahme staatlicher Regulierung in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, die Senkung der Steuer- und Abgabenlast, die Fortsetzung einer mutigen Privatisierungspolitik, Deregulierung, die Weiterentwicklung der Venture Capital Märkte (Märkte für Risikokapital) und eine wettbewerbsorientierte Erneuerung des Bildungssystems zu erreichen. Kreativität, Eigenverantwortung, Risikobereitschaft und Führungsfähigkeit müssen zu vorrangigen Zielen der Aus- und Weiterbildung werden. Daneben gilt es, in Deutschland und Europa die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung anzupassen, um – gerade im Hinblick auf die fortschreitende Entwicklung der asiatischen Märkte – die starke Position der EU zu sichern. Ebenso wichtig ist, dass die Schlüsselrolle des Unternehmers für die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft im Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt wird.

Literaturhinweise

  • Hamer, E. (2001), Was ist ein Unternehmer? Was verdanken ihm Betrieb und Gesellschaft?, München;
  • Rodenstock, R. (2001), Chancen für Alle: Die Neue Soziale Marktwirtschaft, Köln;
  • Schumpeter, J. A. (1942), Capitalism, Socialism and Democracy, New York;
  • Sinn, H.-W. (1999), Die Rolle des Unternehmers in der Marktwirtschaft, in: Eliten und Demokratie, Berlin, S. 111-124;
  • World Economic Forum (2011), The Global Information Technology Report 2010-2011, Geneva.
Kurt J. Lauk

Rainer Gerding