Veranstaltungsberichte

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Russland auf die armenische Volkswirtschaft

Pressekonferenzserie "Wirtschaftspolitische Herausforderungen Armeniens

Im Rahmen der diesjährigen Pressekonferenzserie „Wirtschaftspolitische Herausforderungen Armeniens” führte die KAS in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsjournalistenverband die Auftaktpressekonferenz zum Thema „Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Russland auf die armenische Volkswirtschaft” durch. Zwei prominente und kompetente Redner stellten dabei ausführlich die Situation der Wirtschaftskrise in Russland dar, erläuterten deren negative Auswirkungen auf die armenische Volkswirtschaft und gaben einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im kommenden Jahr.

Der Gaspreis, den Russland Armenien derzeit zum Kauf bietet, sei nach Meinung der Experten unangemessen hoch. Der Vertrag über die Modalitäten der Gaslieferungen, den Armenien bereits im Jahre 2013 mit der Russischen Föderation geschlossen hat, lässt der armenischen Regierung jedoch derzeit kaum Spielraum. Darin ist außerdem die Monopolstellung Russland als einziger Gaslieferant für Armenien festgelegt. Alternative Wege, wie z. B. Gaslieferungen aus dem Iran, wären dennoch äußerst profitabel für Armenien. Aufgrund des internationalen Wettbewerbs würde heute deutlich weniger für das iranische Gas bezahlt.

Im Vorfeld der Wirtschaftskrise hatte Russland noch versprochen, viele Investitionen in verschiedenen Bereichen zu tätigen, insbesondere beim Aufbau eines zweiten Atomkraftwerks. Auf diese Weise sollte sich langfristig der Strompreis verringern. Aufgrund der wirtschaftlichen Rezession in Russland konnten diese Versprechungen jedoch nicht eingehalten werden.

Des Weiteren waren die Öl- und Benzinpreise Teil der Diskussion. Sie haben sich in letzter Zeit in Armenien nicht verändert, obwohl im Nachbarland Georgien sowie in Russland, der Hauptlieferant für Armenien ist, die Preise fast um ein Drittel gesunken sind.

Von den Vorzügen der Mitgliedschaft in der russisch dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion hatte Armenien im Vorfeld völlig andere Erwartungen und Hoffnungen. Seit dem offiziellen Beitritt am 1. Januar 2015 haben sich diese jedoch nicht bestätigt: Während viele armenische Firmen auf den vorteilhaften Zugang zu neuen Märkten hofften, wurden es ihnen stattdessen vielmehr verboten, viele der armenischen Güter nach Russland zu exportieren (z. B. Rindfleisch) – so der Redner Vilen Khachatryan. Nichtsdestoweniger sind russische Güter heute weitgehend auf dem armenischen Markt präsent, mit denen die nationalen armenischen Güter jedoch nicht konkurrieren könnten, so dass es zu einem Verdrängungsprozess kommt.

An der Pressekonferenz nahmen viele Journalisten aus dem TV-, Radio-, Presse- und Internetbereich sowie Vertreter verschiedener NGOs teil. Im Anschluss wurde neben der Veröffentlichung einer Vielzahl an Artikeln und Berichten zur Konferenz eine Reportage vorbereitet. Die Veranstaltungsreihe „Wirtschaftspolitische Herausforderungen Armeniens“ beabsichtigt, den faktenbasierten Informationsaustausches über die wirtschaftspolitischen Herausforderungen in Armenien zu fördern sowie die armenische Bevölkerung über die aktuellen Entwicklungen im Land in Kenntnis zu setzen.