Expertengespräch

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung Türkei

Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung Türkei war Annette Widmann-Mauz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, auf einer Delegationsreise in Ankara vom 17.-18.12.2018.

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Die KAS Türkei organisierte am 17. Dezember 2018 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Frauen und Flucht“ mit der Staatsministerin Annette Widmann-Mauz und der türkischen Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales Zehra Zümrüt Selçuk. Sven-Joachim Irmer, Direktor der KAS Türkei, leitete die Veranstaltung mit einer Willkommensrede und einer kurzen Einführung in das Veranstaltungsthema ein.

In ihrer Rede hob die Staatsministerin hervor, wie sehr ihr die guten Beziehungen beider Staaten am Herzen liegen und das es unverzichtbar ist, in herausfordernden Zeiten, wie diesen, kontinuierlich im Dialog zu bleiben. Deutschland und die Türkei haben den Globalen Migrationspakt der Vereinten Nationen angenommen, um weiterhin internationale Herausforderungen wie Migration und Flucht gemeinsam zu lösen. Seit dem EU-Türkei-Abkommen 2016 unterstützt die EU die Türkei bei der Migrationsherausforderung. In diesem Zusammenhang bedankte sich Frau Widmann-Mauz für die beeindruckende Leistung der Türkei bei der türkischen Ministerin.

Anhand der Geschichte von Nagila, einer jungen Afghanin, veranschaulichte die Staatsministerin alle Phasen der Flucht bis zur erfolgreichen Integration in Deutschland. Der größte Wunsch der Flüchtlingsfrauen ist ein Leben in Stabilität und Sicherheit, gute Perspektiven für ihre Kinder, aber auch Zugang zu Bildung und Arbeit. Frauen nehmen eine wichtige Rolle in ihren Familien ein und prägen die nächste Generation. Damit kann eine Integration nicht ohne Frauen gelingen. Deutschland will durch Förderung von Sprache, Bildung, Frauen-Empowerment und Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge eine Integration erleichtern. Abschließend wies sie darauf hin, dass der heutige Austausch Chancen eröffnet, voneinander zu lernen.

Zehra Zümrüt Selçuk, die türkische Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales, betonte ebenso die starken deutsch-türkischen Verbindungen und die Wichtigkeit globaler Zusammenarbeit. Die Türkei beherbergt 3,5 Millionen Syrier. 71% davon sind Frauen und Kinder. Ministerin Selçuk führte Hilfsmaßnahmen seitens der Türkei für Flüchtlinge auf, wie Unterkunft, Verpflegung, Medizinische Versorgung, Bildung und vieles mehr. Sie fügte hinzu, der Wunsch der Türkei sei, alle Länder würden Flüchtlinge in gleicher Weise unterstützen. Helfen, ist für die Türkei eine Frage der Moral und tief verwurzelt im Glauben als auch in der türkischen Geschichte. Dabei stehen Frauen und Kinder immer an erster Stelle.

Der nächste Tag begann mit einem Gesprächstermin mit Vertreterinnen der TED Universität, METU Universität, GIZ Ankara und IOM Türkei, bei dem die aktuelle Lage der Flüchtlinge und die damit verbundenen Herausforderungen in der Türkei diskutiert wurden. Die Migrationsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei wurden beim folgenden Treffen mit Herrn Abdullah Eren, dem Vorsitzenden des Amtes für Auslandstürken (YTB) erörtert. Herr Eren klärte über Projekte und Tätigkeiten seiner Institution, sowie ihre länderübergreifenden Partnerschaften mit türkischen NGOs in Deutschland auf. Seiner Meinung nach sei die türkische Bevölkerung in Deutschland, die zugleich europäisch als auch türkisch ist, eine Bereicherung für beide Länder. Dabei setzt er gute Deutsch-Kenntnisse sowie zweisprachige schulische Bildung für ein Integrationsgelingen voraus. Die Staatsministerin betonte, dass Akzeptanz kultureller Hintergründe, Gesetze und Regeln für ein Miteinander entscheidend sind. Sie verwies auf das Integrationsparadox und der erschwerten Identitätsbildung der 2. und 3. Generation der türkischen Einwanderer mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen. Außerdem stellte sie ihr neues Projekt vor, das Migranten in Positionen bei Behörden unterzubringen versucht. Dabei hob sie die berufliche Förderung von Frauen besonders hervor.

Der Termin mit İbrahim Kalın, dem türkischen Präsidentschaftssprecher, hatte den Themenschwerpunkt „Flüchtlingspolitik der Türkei“. Staatsministerin Widmann-Mauz äußerte ihren großen Respekt vor den Leistungen der Türkei und bekundete ihr Interesse an der türkischen Flüchtlingspolitik. Herr Kalın veranschaulichte die Flüchtlingslage in der Türkei, sowie die globalen Auswirkungen der knapp 70 Millionen Flüchtlinge weltweit. Er wünschte die deutsche und türkische Politik der „offenen Tür“ auch bei anderen europäischen Ländern zu sehen. Der türkische Präsidentschaftssprecher zeigte seine Hochschätzung für die wegweisende Rolle, die die Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Hinsicht übernommen hat und damit Geschichte schrieb.

Der letzte Gesprächstermin mit Yavuz Selim Kıran, dem Stellvertretenden türkischen Außenminister behandelte die Bedeutung der deutsch-türkische Zusammenarbeit auf dem Gebiet „Flucht, Migration und Integration“ als auch verschiedene außenpolitische Themen in Bereichen der Wirtschaft, Kultur, Religion, EU-Abkommen sowie Terrorismus.

Diese Delegationsreise hat bewiesen, dass anhaltender Gesprächsbedarf weiterhin besteht und die Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Türkei ausgebaut und gefestigt werden müssen. Der Wissensaustausch in den intensiven und nachhaltigen Gesprächen soll zur zukünftigen gemeinsamen Erarbeitung politischer Lösungswege beitragen. Darüber hinaus bot sich die Gelegenheit neue Netzwerke zu schaffen und damit die deutsch-türkische Freundschaft zu stärken.

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Ankara

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