Veranstaltungsberichte

30 Jahre Paneuropäisches Picknick

Aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums des Paneuropäischen Picknicks richteten die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Stiftung für ein Bürgerliches Ungarn, die Stadt Sopron, das Deutsch-Ungarische Jugendwerk, die Stiftung Paneuropäisches Picknick´89 und das Antall József Wissenszentrum zwei Symposien im Gedenken an die Ereignisse vom 19. August 1989 aus. Damals gelang über 600 Ostdeutschen bei Sopron/Ödenburg die Flucht in die Freiheit als im Rahmen des Paneuropäischen Picknicks die ungarisch-österreichische Grenze für einige Stunden symbolisch geöffnet wurde.
Picknick in der Diskussion
Picknick in der Diskussion

Die zweitägige Veranstaltungsreihe fand am 17. und 18. August im Franz Liszt Konferenz-und Kulturzentrum der Stadt Sopron statt und war mit weit über 350 Personen, darunter Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik, ausgesprochen gut besucht.

Am ersten Veranstaltungstag wurde beim Symposium „Picknick, Flucht und Wende – 1989 in der Diskussion“ vor allem an die geschichtlichen Ereignisse erinnert. In verschiedenen Panels informierten Zeitzeugen wie Innenminister a. D. Imre Kónya und Botschafter a. D. József Czukor zum einen über die politische Ausgangssituation, welche das Paneuropäische Picknick überhaupt ermöglichte. Zum anderen gaben Mitorganisatoren der Veranstaltung wie Dr. László Magas, László Nagy und Mária Filep einen differenzierten Einblick dazu, wie sich das Picknick von der Ideenfindung in Debrecen bis zur Umsetzung in Sopron gestaltete. Ergänzt wurde dies durch die Erfahrungsberichte von Teilnehmern wie dem DDR-Flüchtling Hermann Pfitzenreiter und dem Grenzoffizier a. D. Árpád Bella, dessen besonnenes Handeln damals einen gewaltsamen Ausgang des Grenzdurchbruchs verhinderte. Auch Pater Imre Kozma, Präsident des Ungarischen Malteser Hilfsdienstes teilte seine persönlichen Eindrücke aus dem Sommer und Herbst 1989 in Ungarn. Gemeinsam mit Csilla von Boeselager kümmerte er sich in beispielsloser Weise um die Versorgung der vielen DDR-Flüchtlingen, die damals in Ungarn auf eine Ausreise warteten.

Unter anderem Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf sowie der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Gedenkausschusses in Ungarn, Áron Máthé, klärten darüber auf, wie die Erinnerung an 1989 heute auf ungarischer und deutscher Seite gepflegt wird.

Beim Symposium „Das Paneuropäische Picknick als Tor nach Europa“ beleuchteten am zweiten Veranstaltungstag Persönlichkeiten aus Politik, Zivilsphäre und Wissenschaft, darunter Zoltán Balog, Minister a. D. und Präsident der Stiftung für ein Bürgerliches Ungarn und Prof. Dr. Horst Teltschik, stellvertretender Leiter des Bundeskanzleramtes a.D., die Auswirkungen und die besondere Bedeutung des Schicksalsjahres 1989 für die gemeinsame Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte in Europa.

Im Lichte dessen debattierten der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Christian Hirte, der Minister im ungarischen Ministerpräsidentenamt, Gergely Gulyás, László Trócsányi, ehemaliger Justizminister und Kandidat für das Amt des ungarischen EU-Kommissars sowie der österreichische Nationalratsabgeordnete Nikolaus Berlakovich über neue europäische Herausforderungen. Staatssekretärin für Familien- und Jugendangelegenheiten, Katalin Novák, die das Diskussionspanel moderierte ging dabei auf Themen wie das weitere Zusammenwachsen innerhalb der EU, Rechtsstaatlichkeit, Migration, EU-Erweiterung und Klimawandel ein.

Seinen Abschluss fand der zweite Veranstaltungstag am historischen Schauplatz des Paneuropäischen Picknicks in Sopronpuszta. Anlässlich des runden Jubiläums weihten Christian Hirte, die ungarische Justizministerin Judit Varga und Dr. Tamás Fodor, Bürgermeister der Stadt Sopron ein Fragment der Berliner Mauer ein, als Erinnerung daran, „dass der Fall der Berliner Mauer ein Stück weit hier seinen Ausgang gefunden hat“, so Hirte.

Anlässlich des 30. Jahrestags des Paneuropäischen Picknicks besuchte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Stadt Sopron. Gemeinsam mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán erinnerte sie bei einem ökumenischen Festgottesdienst an die Errungenschaften von 1989. Den Organisatoren des Picknicks sowie den vielen Helfern „von der DDR über Ungarn bis nach Österreich“ sprach die Kanzlerin ihren Dank aus und betonte: „Sopron ist ein Beispiel dafür, wie viel wir Europäer erreichen können, wenn wir für unsere unteilbaren Werte mutig einstehen“.