Veranstaltungsberichte

Deutsch-Ungarische Beziehungen 28 Jahre nach der Wiedervereinigung

von Bence Bauer, LL.M
Symposium mit Volkmar Klein MdB und Csaba Hende MdNV
Am Tag der Deutschen Einheit organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Abendsymposium mit Abgeordneten aus beiden Ländern, um den aktuellen Stand der bilateralen Beziehungen zu erörtern. Die Veranstaltung besuchten ca. 80 Gäste aus Politik, Verwaltung, Bildung, Kultur und Bürgergesellschaft der Stadt Szombathely.

Eröffnet wurde die Abendveranstaltung im Kulturhaus ÖrvidékHáz durch Károly Illés, Vizebürgermeister der Komitatsstadt Szombathely, und Bence Bauer, Projektkoordinator der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ungarn. Der Vizebürgermeister bezeichnete die Wiedervereinigung vor 28 Jahren als ein freudiges Ereignis, „es wuchs zusammen, was zusammengehört“, so Illés. Der Projektkoordinator der Konrad-Adenauer-Stiftung verwies auf die historische Bedeutung der Stadt Szombathely, auf Deutsch Steinamanger, und erinnerte an den Heiligen Martin von Tours. Er gab sich erfreut, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung mit einem starken lokalen Partner, den Abgeordneten Csaba Hende, zusammenarbeiten und so auch in Szombathely Präsenz zeigen könne. Auch unterstrich er die Bedeutung Ungarns beim Zustandekommen der deutschen Einheit und würdigte in diesem Kontext das Paneuropäische Picknick, eine Initiative der Bürgergesellschaft.

In der Podiumsdiskussion debattierten mit Csaba Hende MdNV, Vizepräsident der Ungarischen Nationalversammlung und Vorsitzender des Gesetzgebungsausschusses, und Volkmar Klein MdB, Obmann im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zwei ausgewiesene Kenner Deutschlands bzw. Ungarns. Volkmar Klein ist bereits innerhalb eines Jahres dreimal in Ungarn gewesen und debattierte in öffentlichen Diskussionsforen der Konrad-Adenauer-Stiftung mit ungarischen Politikern und dem Publikum. Csaba Hende ist des Öfteren in Deutschland und gilt als anerkannter Gesprächspartner in Kreisen der CDU/CSU.

Die von Bence Bauer moderierte Diskussion behandelte Fragen wie inneres Zusammenwachsen von Ost und West, Erinnerungskultur in Deutschland und Ungarn, Folgewirkungen des Kommunismus, Bildung der jungen Generation sowie das Deutschlandbild in Ungarn und umgekehrt. Volkmar Klein gab sich überzeugt, dass sich Deutschland auch international als ein einheitliches Land darstelle und hielt fest, dass die regionalen Disparitäten keine Frage mehr eines vermeintlichen Ost-West-Gegensatzes seien. Vielmehr gäbe es in Deutschland viele Regionen mit großer Wirtschaftskraft, aber leider auch benachteiligte Gebiete. Er gab sich zuversichtlich, dass beide Länder, Deutschland und Ungarn, in ihren bilateralen Beziehungen weiter gefestigt werden könnten. Auch stellte er fest, dass die unzähligen Kontakte der Bürger untereinander, Städtepartnerschaften, Bildungsfahrten und dergleichen eine große Rolle im Prozess einer gegenseitigen Verständigung hätten. Diese gelte es weiter auszubauen, so Klein. Csaba Hende berichtete eingangs von den beachtlichen und überaus guten Wirtschaftsbeziehungen und der großen Zahl der Touristen in beiden Ländern. Überraschenderweise würden mit etwa 1,2 Millionen ca. doppelt so viele Ungarn in Deutschland Urlaub machen, als umgekehrt, obwohl in vielen Köpfen noch die romantische Vorstellung der Reisen an den Balaton weiter lebten, so seine Feststellung. Auch damit zeige sich, dass sich Ungarn zusehends zu einem veritablen und festen Partner Deutschlands verwandle. Diese Partnerschaft und Freundschaft müsse für eine gemeinsame europäische Zukunft urbar gemacht werden, so Hende. Anschließend dankte der Parlamentsvizepräsident der Stiftung für ihre Arbeit insbesondere zur Verständigung von Ungarn und Deutschen.

Nach der Podiumsdiskussion und vielen Fragen aus dem Publikum luden die Veranstalter zu einem Empfang zur Fortsetzung der Diskussion. Im Rahmen seines Besuches in der Stadt Szombathely besuchte der deutsche Bundestagsabgeordnete auf Einladung der ungarischen Gastgeber die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit an der deutschsprachigen Reguly Antal Grund- und weiterführenden Schule und traf sich mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirchen.