Veranstaltungsberichte

Diskussionsrunde zur studentischen Selbstverwaltung in Ungarn und Deutschland

von Friedrich Mark
Die Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte am 4. Februar 2013 in Zusammenarbeit mit der FIDESZ Jugend eine Diskussionsveranstaltung über studentische Selbstverwaltung in Deutschland und Ungarn. Es war die zweite Veranstaltung in den neuen Räumlichkeiten der KAS in Budapest.

Die Diskussion wurde eingeleitet durch Impulsreferate von Eva Majewski, Mitglied im Bundesausschuss des Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und stellvertretende Vorsitzende der Studentenvereinigung der Europäischen Volkspartei (EDS), sowie Dr. Zoltán Maruzsa, stellvertretender Staatssekretär für Hochschulwesen und Wissenschaftspolitik im Ministerium für Humanressourcen. Moderiert wurde die Diskussion von Áron Veress, Vorsitzender der FIDESZ Jugend.

Die Referate verglichen die Strukturen sowie Vor- und Nachteile des deutschen und des ungarischen Modells studentischer Vertretung. Sie konnten dabei die Schwierigkeiten, die bei der Wahl einer adäquaten Interessenvertretung der Studentenschaft auftreten, deutlich machen.

Eva Majewski betonte vor allem den Unterschied zwischen klassischen Studentenvertretungen, wie dem Studierendenparlament, und parteinahen Vertretungen, wie dem RCDS. Hierbei übte sie Kritik an den ihrer Meinung nach teilweise veralteten Strukturen sowie dem verschwenderischen Umgang von Mitteln in vielen Allgemeinen Studierendenausschüssen. Sie warb für eine Parteinähe von Studentenvertretern. Dies wäre eine gute Entscheidungshilfe für die Kandidaten zur Wahl des Studierendenparlaments.

Dr. Zoltán Maruzsa erklärte ausführlich die Strukturen der Studentenvertretungen an ungarischen Universitäten (HÖK). Besonders hob er hervor, dass die Rechte dieser Vertretungen an die Höhe der Wahlbeteiligung gebunden seien. Des Weiteren ging er auf die aktuellen Verhandlungen der Regierungen mit der Nationalen Studentenvertretung (HÖOK) und auf die vorangegangenen Proteste im Dezember 2012 ein. In seinem Beitrag hinterfragte Dr. Maruzsa die Notwendigkeit von parteipolitisch orientierten Wahlen der Studentenvertretungen in Ungarn. Schließlich würden die Interessen der Studentenschaft schon jetzt vertreten und politische Eliten auch im aktuellen System hervorgebracht.

In der darauf folgenden Diskussion mit den Zuhörern wurde gefragt, ob bei der derzeitigen Polarisierung Ungarns parteinahe Vertretungen das Engagement der Studenten nicht sogar schwächen könnten. Für ein solches System bedürfe es einer entwickelten politischer Kultur, wie ein Teilnehmer hervorhob. Im weiteren Verlauf befasste sich die Debatte verstärkt mit aktuellen Fragen ungarischer Bildungspolitik, speziell mit den aktuellen Verhandlungen zwischen Regierung und Studentenvertretern.

Ziel der Veranstaltung war es, die Unterschiede zwischen dem ungarischen und deutschen Modell der Studentenvertretung aufzuzeigen und die Frage zu beantworten, ob das deutsche Modell als Vorbild für Ungarn dienen könne. Obwohl die Diskussion auch aktuelle politische Fragen in Ungarn zum Inhalt hatte, gelang es den Referenten die Unterschiede zwischen den beiden Ländern aufzuzeigen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass das deutsche System nicht ohne weiteres auf Ungarn übertragen werden kann.

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