Keine Frage des Wollens, sondern des Könnens

Deutschland kann keinen ungebremsten Einwanderungsstrom aus Afrika verkraften. Dass in diesen Tagen Heerscharen von Weltverbesserern ihre Arme für Afrika öffnen und idealistische Rockstars mit ihrem Gesang die Mauern der Festung Europas zum Einsturz bringen wollen ist löblich, aber realitätsfern. Denn es geht nicht um eine Frage des Wollens, sondern des Könnens.

Natürlich dürfen Menschen, die Not und Elend des schwarzen Kontinents zu entfliehen versuchen und bei uns eine bessere Zukunft suchen, nicht alleine gelassen werden. Die Bilder von Flüchtlingen, die an die Mittelmeerküste gespült werden, lassen niemanden kalt. Dennoch kann nicht jedem der Wunsch nach einer neuen Heimat erfüllt werden, denn der Migrationsdruck wird in den nächsten Jahren immer weiter steigen. Wohin grenzenlose Einwanderung führen kann, lässt sich schon jetzt bei unserem größten Nachbarn beobachten. In Frankreich leben Tausende Immigranten isoliert in den Außenbezirken der Metropolen. Sie suchten das Schlaraffenland und landeten im Niemandsland. Die brennenden Autos in den Vorstädten wurden zum Symbol ihrer enttäuschten Hoffnungen. Dass die Franzosen den für seine Politik der harten Hand bekannten Nicolas Sarkozy zum Präsidenten wählten, macht ihre Sorge um Sicherheit und nationale Identität deutlich. Ausländerpolitik drehe sich auch hierzulande viel zu sehr um innere Sicherheit, meint der Journalist Heribert Prantl und inszeniert sich als Chefankläger der Politik von Innenminister Wolfgang Schäuble. Doch Schäuble ist kein Unmensch. Er hat lediglich die tiefe Verunsicherung von vielen Deutschen erkannt und will das Aufkommen nationalistischer Tendenzen wie etwa in den Niederlanden um jeden Preis verhindern. Bereits heute haben 20 Prozent der deutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Doch Multi-Kulti funktioniert leider nur auf kulinarischer Ebene reibungslos. Das zeigt die Schärfe, mit der die längst überfällige Einwanderungsdebatte geführt wird. Dass Schäuble selbst ein Punktesystem ablehnt, das jungen und gut ausgebildeten Zuwanderungswillige bevorzugt, ist konsequent und vernünftig. Nur die besten Köpfe zu werben würde nicht helfen, sondern besonders Afrika schaden. Nicht Flucht ist die Lösung, sondern Solidarität. Das beim G8-Gipfel beschlossene Hilfsprogramm ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Jan Philipp Burgard

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