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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Eine Gruppe der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Bremen besuchte am 14. März 2018 das Buddenbrookhaus in Lübeck, das Café Niederegger und machte anschließend eine Stadtführung „Auf den Spuren von Thomas Mann“

Um 7:30 Uhr fuhr der Bus vom Bremer Cinemaxx ab in Richtung Lübeck. Ralf Altenhof, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen, begrüßte die Teilnehmenden und bereitete sie thematisch auf die Exkursion „Auf den Spuren von Thomas Mann“ vor. So kennen viele den ersten großen Roman von Thomas Mann „Buddenbrooks: Verfall ein Familie“, welchen er bereits in jungen Jahren schrieb. Für seine „Buddenbrooks“ erhielt Mann 1929 den Literaturnobelpreis. Was für jeden Anderen ein reiner Anlass zur Freude gewesen wäre, war für Mann mit einer Enttäuschung verbunden. Viel lieber wäre er für seine gesammelten Werke oder mindestens doch für den „Zauberberg“ ausgezeichnet worden, den er als literarisch höhere Leistung betrachtete als die „Buddenbrooks“.

Nach zweieinhalb Stunden kam die Reisegruppe am Buddenbrookhaus in Lübeck an. Schon von außen ließ sich erahnen, was für einen Stand die Kaufmannsfamilie Mann in früheren Zeiten hatte. Hinter der beeindruckenden Fassade befindet sich, wo einst das Herrenhaus der Manns stand, heute ein Museum. Während einer 90 minütigen Führung erfuhren die Teilnehmenden viel über die Familie Mann und deren Eigenheiten, bevor sie sich im ersten Obergeschoss rekonstruierte Zimmer des alten Kaufmannshauses ansehen konnten. Einigen fielen sofort die Räumlichkeiten auf, die Thomas Mann in den „Buddenbrooks“ zum Leben erweckt hatte.

Sehr interessant war ebenfalls die Geschichte der Brüder Heinrich und Thomas Mann, die, so schien es, nicht ohne einander aber auch nicht mit einander konnten. Beiden war die Schule zuwider und so schaffte Thomas Mann, nach mehrmaligem Wiederholen, mit Ach und Krach sein Abitur, während sein Bruder Heinrich die Schule vollständig abbrach. Die Entwicklung der Brüder hin zu Schriftstellern, ist wohl auf ihre Mutter zurückzuführen, welche erstmals eine künstlerische Note in die Kaufmannsfamilie brachte.

Auf einen Besuch mit Kaffee und Kuchen im Café Niederegger und der optionalen Besichtigung des Marzipansalons folgte die auf Thomas Mann spezifizierte Stadtführung. Hier wurden die Geschehnisse aus den „Buddenbrooks“ und anderen Romanen von Thomas und Heinrich Mann in den historischen Kontext der Stadt eingeordnet. Thomas Mann sagte selbst, dass man Lübeck in den meisten seiner Werke wiederfinden wird. Davon konnten sich die Teilnehmer selbst überzeugen. Nicht so erfreut über den Wiedererkennungswert waren die Familie und die damaligen Lübecker selbst, die sich oft in den Romanen und Erzählungen karikiert wiederfanden. So ist zum Beispiel der Gymnasiallehrer Raat aus „Professor Unrat“ von Heinrich Mann an einen seiner ehemaligen Lehrer angelehnt und Stephan Kistenmaker aus den „Buddenbrooks“ orientiert sich am Testamentsvollstrecker des Vaters der Geschwister Mann. Auch Drehorte des 2008 erschienenen Kinofilms von Heinrich Breloer „Buddenbrooks“, wie beispielsweise der Hellgrüne Gang, konnten besichtigt werden.

Thomas Mann blieb zu Lebzeiten stets mit seiner Heimatstadt verbunden, auch wenn die Beziehung zu ihr nicht dauerhaft unter einem guten Stern stand. Beeindruckend war die Reaktion Manns auf die Zerstörung der historischen Altstadt von Lübeck durch die Briten im Zweiten Weltkrieg. Aus seinem Kalifornischen Exil heraus ließ er in einer Radioansprache verlauten, dass er Verständnis für das Verhalten der Briten habe. Anderthalb Jahre vor dem desaströsen Angriff, bei dem auch das Buddenbrookhaus bis auf die Fassade und den Keller vollständig vernichtet wurde, hatte die deutsche Luftwaffe die historisch bedeutsame Stadt Coventry in Schutt und Asche gelegt. Insgesamt wurden etwa 1200 Menschen getötet. Mann bezeichnete den Gegenschlag auf Lübeck als eine Art natürliche Reaktion. „Lieb“ sei es ihm nicht daran zu denken, dass seine Heimatstadt angegriffen wurde, „aber ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Als Mann Lübeck nach dem Krieg besuchte, schien es so, als habe die Stadt ihm und er der Stadt verziehen. Er wurde, wenn auch nur mit denkbar knapper Mehrheit, zum Ehrenbürger ernannt. Bei der Besichtigung „seiner“ Marienkirche erstarrte Mann beim Anblick der herabgestürzten Glocke im Südturm des Gotteshauses. Diese Glocke liegt dort bis heute.

Kontakt

AbbildungDr. Ralf Altenhof ›
Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen
Tel. +49 421 163009-0
ralf.altenhof(akas.de


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