Veranstaltungsberichte

Koreanische Nachhaltigkeitskonferenz 2015

Das Auslandsbüro Korea der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützte die Korean Standards Association (KSA) bei ihrer jährlichen Konferenz zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR) am 15. September 2015 in Seoul. Ausgezeichnet wurden koreanische Unternehmen, die CSR modellhaft praktizieren und so zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Der Preisverleihung folgten Beiträge koreanischer und deutscher Experten zu unternehmerischer Nachhaltigkeit und deren erfolgreiche Beispiele in Korea, Klimawandel und CSR in Deutschland sowie moderner Compliance eines multinationalen Unternehmens.

In seinem Grußwort betonte Dr. Norbert Eschborn, Leiter des Auslandsbüros Korea der KAS. Corporate Social Responsibility sei die Verantwortung eines Unternehmens gegenüber sich selbst, seinen Mitarbeitern sowie der Gesellschaft und der Umwelt. Er unterstrich, dass CSR nicht mit Wohltätigkeit zu verwechseln sei. Zu nachhaltiger Unternehmungsführung gehöre mehr als Spenden und Freiwilligenarbeit, es müsse eine Balance zwischen Profit, Mensch und Planet geschaffen werden. Des Weiteren erwähnte Dr. Eschborn die ökonomischen Vorteile, die CSR mit sich bringe. Diese seien u.a. Profitsteigerung durch nachhaltige Innovationen sowie gesteigertes Prestige, welches Attraktivität für qualifizierte Mitarbeiter und Kunden berge. Abschließend wies er darauf hin, dass Regierung, Unternehmen und Verbraucher gemeinsam dafür verantwortlich seien, bewusst und ethisch zu handeln und sich damit gegenseitig zu mehr Nachhaltigkeit zu beeinflussen.

Auch KSA-Präsident Soo-Hyun Baek erklärte, dass CSR koreanischen Unternehmen neue Möglichkeiten biete. Gerade in einer Zeit, in der das Land stark von der internationalen Wirtschaftslage abhängig sei, müssten neue Lösungsansätze für globale Herausforderungen geschaffen werden. Baek beschrieb CSR metaphorisch als „Double-Wings“, da es sowohl unternehmerische als auch soziale Werte verfolge. Allerdings merkte er an, dass koreanische Unternehmen noch mehr Bewusstsein für soziale Probleme entwickeln müssten. Aktuelle Herausforderungen Koreas seien bspw. die niedrige Geburtenrate und die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Zu viele Unternehmen seien noch nicht auf dem richtigen Kurs und müssten mehr tun, um das Vertrauen ihrer Stakeholder zu gewinnen.

Erfolgreiche Beispiele von CSR-Management

Die erste Präsentation der koreanischen Nachhaltigkeitskonferenz gab Heerak Kim vom DGB Financial Group Economic Research Institute, in der er erfolgreiche Beispiele von CSR-Management vorstellte. Die DGB Financial Group habe ein zukunftsorientiertes Management und versuche schon seit etwa einem Jahrzehnt, die Idee der CSR zu verbreiten, so Kim. Damals hätten sich nur wenige Unternehmen an nachhaltiger Unternehmensführung beteiligt, vor allem Koreas Banken hätten noch eine Menge aufzuholen. Kim bezeichnete die Kommunikation mit den Stakeholdern als zentrales Element erfolgreicher CSR; seit 2006 biete die DGB Finanzgruppe deshalb einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht, auch in englischer Sprache, an. Richtungweisend sei vor allem der Grad des Engagements auf Führungsebene. Der CEO des Unternehmens bspw. partizipiere aktiv im UN Global Compact.

Ein weiteres wichtiges Element sei ein gutes Verhältnis von beiderseitigem Nutzen mit den Zulieferern. Hier würden sich Transparenz, faire Preise und umweltfreundliche Unternehmensführung bezahlt machen. Außerdem solle der Fokus auf den Mitarbeitern liegen. DGB habe u.a. einen „Familien-Tag“ eingeführt, an dem Mitarbeiter pünktlich um 18 Uhr Feierabend machen könnten, um mehr Qualitätszeit mit der Familie zu verbringen. Kim führte weitere Beispiele von CSR an; dazu zählen die Kooperation mit Kleinunternehmern, das Empowerment von Frauen, die Unterstützung multikultureller Familien und behindertengerechte Arbeitsplätze. Des Weiteren engagiere sich die DGB Finanzgruppe in finanzieller Bildung, der Forschung zu erneuerbaren Energien, Wasserprojekten, Partnerschaften mit Schulen, der Arbeitsplatzbeschaffung für Senioren und sozialen Fürsorgediensten. Wichtig sei, so Kim, die Vermittlung eines Bewusstseins für Umweltschutz, aber auch für das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeiter.

Klimawandel und CSR in Deutschland

Prof. Dr. Andreas Oberheitmann, der als Gastwissenschaftler Gastwissenschaftler des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung auftrat, hielt einen Vortrag über Klimawandel und CSR am Beispiel Deutschlands. Zunächst zeigte er die Herausforderungen des globalen Klimawandels auf. In den letzten 200 Jahren habe es einen signifikanten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und des Meeresspiegels sowie ein Abschmelzen der Schneedecke auf der Nordhalbkugel gegeben. Laut Oberheitmann habe die globale Erwärmung schwerwiegende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion, die Wasserversorgung und ganze Ökosysteme, was Extremwetterereignisse und einen abrupten, dauerhaften Wandel unseres Klimas zur Folge haben könnte. Auch Unternehmen blieben vor diesen Auswirkungen nicht verschont und müssten sich den neuen Anforderungen durch technische Innovationen anpassen.

Darauffolgend präsentierte Oberheitmann eine Definition von CSR und grenzte den Begriff dabei von dem der Corporate Citizenship (CC) ab. CC habe Wohltätigkeitscharakter und stelle damit nur einen Teil von CSR dar. Unternehmen würden CSR grundsätzlich aus zwei verschiedenen Motiven implementieren: Normative Motivation entstehe dadurch, dass sich das Unternehmen als Teil der Gesellschaft sehe, von welcher es profitiere und deshalb im Gegenzug soziale Verantwortung zeige. Ökonomische Motivation hingegen verfolge CSR, um Ansehen und Vertrauen zu gewinnen und somit seinen Marktwert zu steigern.

Weiterhin gab Prof. Oberheitmann einen Einblick, wie CSR entstand und sich weiterentwickelte. Schon im Mittelalter habe es in Europa das Leitbild des ehrenhaften Kaufmannes, der bestimmte Verhaltensregeln bezüglich sozialen Ausgleichs verfolgte, gegeben. Im 19. Jahrhundert hätten sich daraus dann Konzerne entwickelt, die soziales Engagement als selbstverständlich empfanden und ihre Mitarbeiter unterstützten. Als Beispiel nannte Oberheitmann die Stahlkonzerne Thyssen und Krupp in Deutschland, die u.a. Wohnanlagen und Krankenhäuser für ihre Mitarbeiter bauten. Wissenschaftlich habe der Begriff CSR seinen Ursprung aber Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA gefunden. Seitdem habe man von Unternehmen aktive soziale Verantwortungsübernahme gefordert.

Anschließend fuhr Prof. Oberheitmann mit den Leitlinien von CSR fort. Auf europäischer Ebene seien diese im „EU Greenpaper on CSR“ festgehalten, international in der ISO 26000 mit dem Titel „Guidance on Social Responsibility“. Die sieben Grundprinzipien der ISO 26000 seien Verantwortlichkeit, Transparenz, ethisches Handeln sowie Respekt vor den Interessen der Stakeholder, der Rechtsstaatlichkeit, internationalen Normen und Menschenrechten.

Des Weiteren sprach Professor Oberheitmann über die CSR Strategie der deutschen Bundesregierung, die CSR fester in deutsche Unternehmen, vor allem kleinere und mittelgroße Betriebe, integrieren wolle. Dabei sei es Aufgabe der Politik, optimierte Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein Beitrag zur Gestaltung der Globalisierung und ihrer sozialen und ökologischen Auswirkungen geleistet werden könne. Dies sei auch wichtig für Deutschlands Exporte, betonte Oberheitmann. Abschließend stellte er das Klimacheck-Tool des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vor, mit dem Unternehmen anhand vier aufeinanderfolgender Module Klimarisiken identifizieren und damit besser steuern könnten.

Analyse koreanischen Nachhaltigkeitsmanagements

In einem weiteren Konferenzteil wurden die Grundlagen des Korean Sustainability Index (KSI) und des Korea Readers Choice Award (KRCA) von einem Senior Researcher der KSA erklärt. Der Korea Sustainability Index richte sich nach den Grundprinzipien der ISO 26000, die zuvor vorgestellt wurden. Es sei eine Befragung von etwa 27.000 Stakeholdern und 500 Experten durchgeführt worden, die sich auf Trends und Einfluss koreanischer Unternehmen beziehe. Dies habe unter anderem ergeben, dass der Grad an CSR in der Automobilbranche seit letztem Jahr gesunken sei. Des Weiteren sei sie zu dem Ergebnis gekommen, dass Stakeholder sensibler als früher auf Medienberichte über Unternehmen reagieren und sich allgemein bessere Kommunikation mit diesen wünschten. Der Grad der Kooperation mit Stakeholder-Gruppen sei laut KSI nämlich abnehmend; Unternehmen müssten deshalb mehr Transparenz zeigen. Kritisch sei außerdem die Kundenzufriedenheit in Korea mit abnehmendem Trend. Als Beispiel wurde Korean Air genannt, deren Gesamtbewertung im Vergleich zu letztem Jahr schlechter ausfiel.

Der Korea Readers Choice Award basiere auf Befragungen von Stakeholdern und Experten zu gleichem Anteil. Dieser habe ergeben, dass die koreanischen Unternehmen im Durchschnitt am wenigsten Punkte in „labor practices“ und „quality jobs“ erhalten hätten. Es mangele außerdem an der Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten. Während in den USA, Großbritannien und Japan die Zahl der Unternehmen, die einen solchen Bericht veröffentlichen, ansteige, entwickle sich in Korea seit 2013 ein Abwärtstrend.

Anschließend wurden von dem Unternehmen Yuhan Kimberly Beispiele erfolgreichen CSR-Managements in Korea vorgestellt. Yuhan Kimberly zeige ernsthafte Bemühungen im Nachhaltigkeitsmanagement und sei in dieser Hinsicht seit mehr als zwölf Jahren eines der meist respektierten Unternehmen Koreas. Für Yuhan Kimberly seien Herausforderungen der Nachhaltigkeit automatisch auch Herausforderungen des Unternehmens. Seit fast zehn Jahren formuliere es zudem einen Nachhaltigkeitsbericht, der den Mitarbeitern, Zulieferern, NGOs und der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung stehe. In den Bericht integriert sei außerdem das Feedback der Stakeholder.

Weiterhin wurden diverse Kampagnen Yuhan Kimberlys genannt. Darunter zähle die „Keep Korea Green“ Kampagne, bei der u.a. Bäume gepflanzt würden und die „Flexible Space Smart Office“ Kampagne, bei der Mitarbeiter räumlich nicht mehr an einen Arbeitsplatz gebunden seien. Betont wurden außerdem Maßnahmen zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen und Recyclingprojekte wie bspw. die Verwertung gebrauchter Windeln.

Das Siemens Compliance System

Einen wichtigen Aspekt nachhaltiger Unternehmensführung stellt außerdem Compliance, die Einhaltung von Gesetzen und allgemeinen Richtlinien, dar. Aus diesem Grund folgte Jörn Elbracht, General Counsel und Regional Compliance Officer von Siemens Ltd. Seoul, der Einladung der KAS, um von den Erfahrungen Siemens bezüglich Compliance zu berichten. Aufgrund der bekannten Korruptionsaffäre im Jahr 2006 sei das Unternehmen in eine Compliance-Krise geraten und habe das Vertrauen seiner Kunden verloren, erklärte Elbracht. Siemens habe daraufhin schnell reagiert und eine klare Message senden wollen: Es seien unabhängige Untersuchungen veranlasst, Führungskräfte ausgetauscht und Konten zentralisiert worden. Siemens habe mehrere Vereinbarungen mit den deutschen und amerikanischen Behörden sowie der Weltbank getroffen und im Jahr 2011 alle Empfehlungen vollständig umgesetzt. Danach, so Elbracht, folgten Siemens erfolgreichste Jahre. Letztes Jahr hätte das Unternehmen zum vierten Mal in Folge die höchste Bewertung des Dow Jones Sustainability Index in der Kategorie Compliance erhalten.

Um zu zeigen weshalb, Compliance so wichtig ist, bediente sich Elbracht eines Zitats von Joe Kaeser, Präsident und CEO der Siemens AG: „The culture of a company and its values make the difference. People rightly associate Siemens with reliability, fairness and integrity“. Elbracht bestätigte, dass es auch für ihn persönlich von großer Bedeutung sei, welche Unternehmenskultur ein Arbeitgeber biete. Der Frage, wie genau das Compliance System von Siemens aussieht, widmete er sich anschließend: Es sei in drei Stufen unterteilt - Vorbeugung, Erkennung, Reaktion. Durch Risikomanagement, Training und Kommunikation solle Fehlverhalten vorgebeugt werden. Um eventuelles Fehlverhalten aufzudecken, gebe es lokale Untersuchungen und eine „whistle blower-line“, um Probleme und Mängel direkt zu melden. Sollte es zu Fehlverhalten kommen, müssten klare Konsequenzen folgen. Eine „zero tolerance policy“ soll deutlich machen, dass dies nicht akzeptiert werde. Der Chief Compliance Officer stehe dafür in direkter Verbindung mit dem CEO.

Da Siemens ein globales Unternehmen sei, müsse auch Compliance in einem globalen Kontext betrachtet werden, fuhr Elbracht fort. Der Fokus liege einerseits auf den Mitarbeitern, die durch Integritätsdialoge geschult werden sollten, andererseits auf Geschäftspartnern, die sich einer Risikoanalyse unterziehen müssten, sowie der Umwelt, welche sich in ihrem Korruptionsrisiko je nach Land unterscheide.

Heute sei Siemens bezüglich Compliance längst wieder „back on track“, wie Elbracht es ausdrückte. Er betonte aber, dass ein hoher Standard nur dann gehalten werden könne, wenn sich das Compliance-System stetig weiterentwickeln und den sich verändernden Anforderungen an ein multinationales Unternehmen anpassen würde. So könne ein Compliance-System schließlich zum nachhaltigen Wachstum und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens beitragen.

Zum Ende seines Vortrags wurde Elbracht gefragt, wie er, basierend auf seiner Erfahrung, die Korruptionslage in Korea einschätze. Er gab an, dass er in den letzten dreieinhalb Jahren eine Entwicklung beobachtet habe. Das Bewusstsein und die Offenheit gegenüber Compliance seien angestiegen, und man habe dessen Notwendigkeit erkannt. Allerdings müsse neben dem reinen Bewusstsein noch mehr für die eigentliche Umsetzung eines Compliance Systems getan werden. Dies betreffe vor allem die großen Chaebols Koreas

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Stefan Samse

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Corporate Social Responsibility in Korea: State and Perspectives KAS Korea