Veranstaltungsberichte

Rolle und Perspektiven der Corporate Social Responsibility unter der Park Geun hye-Administration

Am 28. Mai 2013 veranstaltete die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) in Zusammenarbeit mit dem Korea Sustainability Investing Forum (KOSIF) einen Workshop zum Thema "Rolle und Perspektiven der Corporate Social Responsibility (CSR) unter der Park Geun-hye-Administration". Im Mittelpunkt der Debatte standen die Fragen, inwiefern CSR und Wirtschaftsdemokratie in der Republik Korea bereits verankert sind und welche Entwicklungen hinsichtlich dieser Thematik nach dem Regierungswechsel erwartet werden können.

Darüber hinaus wurde das deutsche Modell der Wirtschaftsdemokratie vorgestellt und in Bezug zu Südkorea gesetzt, um eventuelle Anknüpfungspunkte für Korea zu identifizieren und zu diskutieren.

Kim Young Ho, Vorsitzender von KOSIF, konstatierte zunächst, dass CSR in Korea noch nicht in ausreichendem Maß etabliert sei. Die vorige Regierung unter Präsident Lee Myung-bak habe sich nicht an der internationalen Nachhaltigkeitsrichtlinie ISO 26000 orientiert und es versäumt, notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Im vergangenen Wahlkampf dagegen sei CSR verstärkt in das Zentrum der politischen Diskussion und der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt, was er als positives Zeichen werte. Die aktuelle Regierung unter Park Geun-hye habe es zu ihrem offiziellen Ziel erklärt, CSR in Korea zu verankern. Dieses Ziel könne die Regierung allerdings nicht allein erreichen, vielmehr sei auch ein aktives Engagement vonseiten der Wirtschaft gefordert. Er sei schließlich überzeugt davon, dass CSR der koreanischen Wirtschaft neuen Antrieb verschaffen werde.

Dr. Norbert Eschborn, Leiter des KAS-Auslandsbüros in Südkorea, ging zunächst auf den Begriff der Wirtschaftsdemokratie ein. In Deutschland verstehe man darunter insbesondere Mitbestimmung in Unternehmen, in Südkorea dagegen impliziere dieser Begriff eher die Einhegung der Großkonzerne oder chaebol, wie sie in Korea genannt werden. Dieses unterschiedliche Verständnis sei wichtig für die kommende Diskussion. Wie Kim Young Ho habe auch er empfunden, dass diese Thematik im Wahlkampf sehr präsent gewesen sei. Allerdings habe er das Gefühl, die Politiker seien bereits wieder auf dem Rückzug, was ihre Versprechen bezüglich der Etablierung der Wirtschaftsdemokratie anbelange.

Dr. Lee Hye Hoon, Abgeordnete der Saenuri-Partei, hob im Folgenden besonders hervor, dass es wichtig sei zu thematisieren, ob und inwiefern CSR der Wirtschaftsdemokratie förderlich sei. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Veranstaltung eine Diskussion diesbezüglich anrege.

Lee Jong Geol, Abgeordneter der parlamentarischen Opposition, erläuterte schließlich, dass CSR heutzutage seiner Ansicht nach eine Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens sei. CSR bedeute lediglich kurzfristig Mehrausgaben für ein Unternehmen, langfristig gesehen allerdings einen Mehrgewinn. In der koreanischen Gesellschaft habe sich inzwischen die Meinung verankert, dass erfolgreiche Unternehmen eine gewisse Verantwortung trügen und einen Teil des Profits, den sie erwirtschafteten, für CSR verwenden sollten. Park Geun- hyes Wahlversprechen, CSR zu etablieren, habe damit den Kern der gesellschaftlichen Forderungen getroffen. Abzuwarten bleibe jedoch, was davon eingehalten werde.

Wirtschaftsdemokratie und CSR in Südkorea und Deutschland im Kontrast

Der Moderator Dr. Kim Ho Gyun, Professor an der Myongji Universität, eröffnete daraufhin den ersten Teil der Veranstaltung. Dieser begann mit dem Vortrag Lee Won Jaes, des ehemaligen Präsident des Hankyoreh Economic Research Institute, der über die Themen CSR und Wirtschaftsdemokratie im koreanischen Kontext referierte. Er machte das Publikum zunächst auf eine koreanische Besonderheit aufmerksam: Wirtschaftsdemokratie sei in der koreanischen Verfassung festgeschrieben. Artikel 119 schreibe in diesem Zusammenhang vor, dass der Staat Harmonie zwischen den wirtschaftlichen Akteuren sicherzustellen und den Missbrauch wirtschaftlicher Macht zu verhindern habe. Er bestätigte Herr Dr. Eschborns Ansicht, dass unter Wirtschaftsdemokratie in Südkorea hauptsächlich die Einhegung der Chaebol verstanden werde. Im Mittelpunkt dessen stehe es, faire Handelsbedingungen zwischen den Großkonzernen und kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) herzustellen. Die Regierung sei diesbezüglich auf dem richtigen Weg. Er kritisierte jedoch, dass in Korea „CSR washing“ verbreitet sei, was bedeute, dass Unternehmen sich als nachhaltige Betriebe vermarkteten, in der Realität allerdings keine CSR-Aktivitäten betrieben.

Professor Dr. Hans-Rimbert Hemmer, ehemals an der Universität Gießen tätig, erläuterte die Themen Wirtschaftsdemokratie und CSR anschließend mit Blick auf Deutschland. Wirtschaftliche Demokratisierung bedeute zunächst einmal Abbau hierarchischer Herrschaft im Wirtschaftsbereich. In Deutschland gebe es sowohl direkte als auch indirekte Ansätze, die nebeneinander praktiziert würden, um Wirtschaftsdemokratie zu gewährleisten. Direkte Wirtschaftsdemokratie meine hauptsächlich Mitbestimmung. Das bedeute, dass alle in einem Unternehemen vertretenen Gruppen in die betrieblichen Entscheidungsprozesse involviert würden. Realisiert werde dies in der Regel durch Betriebs- und Aufsichtsräte.

Indirekte Ansätze der Wirtschaftsdemokratie dagegen zielten auf die Beeinflussung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Dies geschehe auf vier Wegen: Über die Wettbewerbs-, Arbeitsmarkt-, Finanzierungs- und Sozialpolitik. Die Rolle des Staates sei es in diesem Fall, entsprechende Rahmenbedingungen zu etablieren und deren Einhaltung sicherzustellen. Auf diese Weise erfolge eine indirekte Machtbeschneidung der Unternehmen.

Unter dem Begriff CSR verstehe man darüber hinaus die freiwillige Tätigkeit eines Unternehmens, die, über gesetzlichen Forderungen hinausgehend, eine nachhaltige Entwicklung fördern solle. In Deutschland existiere eine Vielfalt solcher CSR-Initiativen, die sowohl staatlich initiiert als auch in weiten Teilen von der Wirtschaft oder der Zivilgesellschaft selbst ins Leben gerufen worden wären.

Abschließend betonte Professor Hemmer, dass man diese Thematik allerdings nie losgelöst von dem spezifischen sozikulturellen Kontext eines Landes betrachten dürfe. Das deutsche Modell der Wirtschaftsdemokratie ließe sich folglich nicht 1:1 auf Südkorea übertragen. Vielmehr müsse das Land ein eigenes Modell basierend auf den eigenen Erfahrungen entwickeln.

Dr. Lee Hye Hoon ging im Folgenden auf die Vorträge der beiden Referenten ein. Sie sei eine starke Befürworterin der Wirtschaftsdemokratie und könne die unfairen Praktiken der Großkonzerne in Südkorea nicht akzeptieren. Insbesondere kritisierte sie, dass viele Großunternehmer für Vergehen wie beispielsweise Steuerhinterziehung nicht belangt würden. Verbrechen dieser Art gelangten allerdings zunehmend an die Öffentlichkeit, weshalb die Gesellschaft verstärkt Druck ausübe. Korea befinde sich im Gegensatz zu Deutschland noch in der Anfangsphase, was die Wirtschaftsdemokratie angehe. Daher seien dringend Maßnahmen vonseiten der Regierung notwendig.

Der zweite Diskutant war Choi Gwang Lim von der koreanischen Industrie- und Handelskammer. Er betonte, dass es in Korea bereits zahlreiche Unternehmen gebe, die verschiedene CSR-Initiativen verfolgten. Dieses freiwillige Engagement entscheide seiner Meinung nach über die Zukunft der CSR in Korea, Zwangsmassnahmen von Seiten des Staates sehe er dagegen sehr kritisch. Gesetzliche Vorgaben, die eine prozentuale Abgabe der Unternehmen für CSR-Aktivitäten festlegten, seien seiner Meinung nach eher kontraproduktiv. Die Unternehmen sollten vielmehr selbst entscheiden können ob und wie viel sie in CSR investieren.

Dr. Wi Pyoung Ryang, Senior Researcher am Economic Reform Research Institut, kommentierte, dass es interessant sei, wie unterschiedlich sich deutsche und koreanische Großunternehmen verhielten. Die Ausführungen Professor Hemmers hätten ihm eine Erklärung für diese Beobachtung geliefert. Die Wirtschaftsdemokratie sei in Südkorea noch ein sehr junges Thema. Eine ernsthafte Diskussion und die Implementierung erster Maßnahmen hätten erst vor einigen Jahren begonnen. Die Realisierung der Richtlinie ISO 26000 sei eines der wichtigsten Wahlversprechen Park Geun-hyes gewesen. Die Gesellschaft solle daher nach Druck ausüben, um die Realisierung dieses Versprechens zu erreichen.

Professor Hemmer ging auf die Kommentare ein und pflichtete Choi Kwang Lim u.a. bei, dass es nicht zielführend sei, CSR-Maßnahmen staatlich zu erzwingen. Die Initiative müsse vielmehr von den Unternehmen selbst ausgehen, der Staat solle lediglich die entsprechenden Rahmenbedingungen garantieren.

Gemeinsames Wachstum: Eine "Win Win"-Strategie

Der zweite Teil der Veranstaltung wurde von Kim Kyeong Moo eingeleitet, der Vorsitzender der National Commission for Corporate Partnership ist und sich in seinem Vortrag auf die Themen gemeinsames Wachstum und Kreativwirtschaft konzentrierte. Das enorme Wirtschaftswachstum Koreas habe 2008 einen starken Dämpfer erhalten, was er als Zeichen dafür werte, dass Wachstum nur durch Produktivität seine Grenzen erreicht habe. Ein neuer Antriebsmotor für die Wirtschaft sei daher gefragt. Die Park Geun-hye-Administration sehe diesen in der Kreativwirtschaft und plane dementsprechend, verstärkt Existenzgründungen und innovative Unternehmen zu fördern.

Der Begriff gemeinsames Wachstum verkörpere darüber hinaus eine Strategie, bei der Großkonzerne und KMU's zum gegenseitigen Vorteil miteinander kooperierten. Samsung gehe hier mit gutem Beispiel voran, indem es KMU, die über spezifische Expertise verfügten, finanziell unterstütze. Diese könnten dadurch bessere Produkte entwickeln, was schließlich wiederum zum Vorteil des Konzerns Samsung sei, der diese Produkte beziehe. Gemeinsames Wachstum stelle folglich eine Win-Win Strategie für KMU und Großunternehmen dar. KMU würden in Korea zudem dadurch geschützt, dass der Staat bestimmte Nischenbereiche etabliert habe, in denen die Produktion ausschließlich KMU's vorbehalten sei. Das Augenmerk der aktuellen Regierung liege neben der Installierung einer Kreativwirtschaft insbesondere darauf, das gemeinsame Wachstum und bis 2017 300 KMU gezielt zu fördern.

Dr. Lee Young Myon, Professor der Dongguk-Universität, legte den Fokus seines Vortrags auf die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, der Park Geun-hye-Regierung. Bezüglich der Arbeitsmarktpolitik habe sie insbesondere die Etablierung einer Beschäftigungsquote von 70%, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie die Einführung eines Mindestlohns in Höhe von 50% des Durchschnittseinkommens versprochen. Im Kontext der Wirtschaftspolitik habe die Regierung folgende Ziele angepeilt: Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Wissenschaft, Schutz der Konsumentenrechte und die verstärkte Thematisierung sozialer und ökonomischer Ungleichgewichte. Kurz gesagt, sie wolle aus einem ungezügelten einen disziplinierten Kapitalismus machen. Die Wirtschaft habe überwiegend negativ auf die Kampagne Park Geun-hyes reagiert, da sie sie lediglich für Populismus halte und die Maßnahmen übereilt finde.

Staatliche Intervention: Fluch oder Segen?

Jeon Ik Ju, Leiter des Center for Large and Small Business Corporation, ging in der anschließenden Diskussion zunächst auf den Vortrag Kim Kyeong Moos ein. Das Thema gemeinsames Wachstum sei in Korea sehr wichtig geworden. Diese Entwicklung führe er u.a. auf die Globalisierung zurück. Kein Unternehmen, inklusive den Großkonzernen, könne gänzlich auf sich allein gestellt auf dem Weltmarkt erfolgreich sein. Der technische Fortschritt sei viel zu schnell, weshalb Großkonzerne auf die Kooperation mit kleinen spezialisierten Unternehmen angewiesen seien. Im selben Maße sei aber auch der Druck der Gesellschaft verantwortlich für die Thematisierung gemeinsamen Wachstums. Die Koreaner seien zunehmend verärgert über die Praktiken der Großunternehmen und forderten ein Umdenken. Kritisch sehe er allerdings die zunehmenden Ausweitung von Sanktionen. Die Regierung solle seiner Meinung sicherstellen, dass bestehende Regeln von den Unternehmen eingehalten würden statt weitere Beschränkungen zu erlassen.

Der zweite Diskutant war Dr. Kim Seung Il, Senior Research Fellow am Korea Small Business Institut. Er hob besonders hervor, dass die Standards, die in Bezug auf die Wirtschaftsdemokratie momentan in Korea diskutiert würden, im Ausland meist selbstverständlich seien. Er halte es daher für dringend notwendig, dass das Ausmaß des gemeinsamen Wachstums ausgeweitet würde. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse ein Großteil der Initiative von den Unternehmen selbst ausgehen. Allerdings sei an der Regierung, einen verlässlichen Rahmen für eine entsprechende Entwicklung zu setzen.

Dr. Lee Jang Won vom Korea Labour Institut gab sich im Folgenden recht kritisch. Die Kluft zwischen den Chaebol und den KMU sei in Korea viel zu groß, eine faire und transparente Marktordnung sei nicht vorhanden. Viele Großkonzerne kontrollierten die KMU, die in der Regel als deren Zulieferer fungierten und hinderten diese daran zu wachsen. Gemeinsames Wachstum und CSR seien daher eng miteinander verbunden.

Professor Hemmer, der vierte Diskutant, merkte darüber hinaus an, dass ihm eine große Diskrepanz aufgefallen sei zwischen dem deutschen Verständnis von CSR und dem der koreanischen Experten. Anders als deren Verständnis entsprechend gehörten für ihn beispielsweise Arbeitsmarktreformen nicht zum Thema CSR. Man müsse daher seiner Meinung nach in Korea zunächst einen Konsens finden, wie CSR genau zu definieren sei.

Kim Young Ho schloss die Veranstaltung schließlich mit einer kurzen Zusammenfassung. Der Begriff CSR werde in der Gesellschaft momentan stark diskutiert, ein allgemeiner Konsens bezüglich der Definition des Begriffs müsse allerdings erst gefunden werden. Er hoffe, die Veranstaltung habe einen Denkprozess in dieser Hinsicht angeregt. Wichtig sei ihm jedoch, dass CSR nicht als Wohltätigkeit, sondern vielmehr als nachhaltige Unternehmensstrategie verstanden und kommuniziert werde. Hinsichtlich der Etablierung von CSR teile auch er die Meinung, dass staatliche Intervention durchaus positive Anreize setzen könne, allerdings nie die einzige Alternative sein dürfe.

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Stefan Samse

Stefan Samse bild

Leiter des Rechtsstaatsprogramms Asien

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