Veranstaltungsberichte

Heute schon an morgen denken

Städte stehen durch den demographischen Wandel vor enormen Herausforderungen

Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Barbara Richstein hat sich auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Alt werden in Falkensee“ für eine intensivere Debatte über die Folgen des demographischen Wandels auf kommunaler Ebene ausgesprochen. Angesichts einer Verschiebung der Altersstruktur in den kommenden 15 Jahren kämen gerade auf Mittelstädte wie Falkensee enorme Herausforderungen zu, auf die die Politik reagieren müsse. Studien gehen davon aus, dass ein Drittel der dann 48.000-Einwohner- Stadt im Westen Berlins im Jahr 2030 über 65 Jahre alt sein wird.

Zu den Herausforderungen zählt Richstein vor allem das Herstellen von Barrierefreiheit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, den Ausbau von Pflegeeinrichtungen sowie das Thema Wohnen. Nicht nur sei es hierbei wichtig, dass es ausreichend bezahlbare kleinen Einheiten gebe, sondern dass auch die Altersdurchmischung in den Stadtteilen gegeben sei. Sonst könne es beispielsweise passieren, dass KITAS, die heute noch begehrt sind, zukünftig leer stehen.

Richstein betonte neben den Herausforderungen auch das Potenzial der „jungen Alten“. Zukünftige Rentner stünden beim Austritt aus der Erwerbstätigkeit „mitten im Leben“ und wollen Beteiligungsmöglichkeiten und Mitsprache. Auf den Wunsch, sich bürgerschaftlich zu engagieren, müsse die Politik sich einstellen. Konkret nannte Richstein die Bereiche Lesepatenschaften und Nachbarschaftshilfe.

Wolfgang Quante, stellvertretender Vorsitzender im Seniorenbeirat Falkensees, schilderte das Engagement beim Einsatz für einsame Senioren. Besonders Alleinstehende – und nicht nur Senioren - seien oft einsam und suchten Kontakte. Er sei durch ein Projekt in Hildesheim auf die Idee gekommen, auch in Falkensee ein ähnliches Programm, einen häuslichen Besuchsdienst, ins Leben zu rufen. Dabei besuchen freiwillige Betreuer Betroffene, allerdings sei es nicht leicht, die unter Einsamkeit leidenden Menschen zu finden. Deshalb ist mehr Werbung für den Dienst, etwa durch Hausärzte, sehr willkommen.

Ingo Hansen, Vorsitzender der Seniorenunion Brandenburg, stellte das Projekt Seniorengenossenschaft vor, das in Falkensee ins Leben gerufen wird. Hier kam die Anregung aus Baden-Württemberg. In der Genossenschaft werden jung und alt gemeinsam arbeiten und sich füreinander engagieren. Für diese Arbeit wird ein Konto angelegt, und den Betrag kann man selbst später für entsprechende Dienste nutzen oder sich auszahlen lassen. Dieses Modell sei überaus erfolgreich, in Bayern gebe es bereits über siebzig derartiger Genossenschaften. Voraussetzung für eine Mitarbeit ist die Mitgliedschaft. Hansen erläuterte zudem die Gründung eines Landesfachausschusses für Demographie durch die CDU Brandenburg, der aus der Notwendigkeit erfolgte, den demographischen Wandel aktiv zu gestalten.

Dagmar von Kleist erläuterte die Arbeit der AG „Wohnen im Alter“. Dabei drehe es sich nicht nur um Barrierefreiheit und das Leben erleichternde Einbauten, die übrigens auch für junge Menschen wichtiger werden, sondern auch um die Gestaltung des sozialen Umfeldes. Nachbarschaftshilfe sei ein wesentlicher Aspekt, aber auch Einkaufsmöglichkeiten usw. Kritisch diskutiert wurde über die Kosten für altersgerechtes Wohnen, nicht alle Rentner könnten sich einen entsprechenden Bungalow in einer Spezialanlage leisten. Für Falkensee wurde das Problem angesprochen, daß es Einzelhandel kaum noch gebe und weite Wege in Kauf genommen werden müssen, die besonders für ältere Bürger schwierig zu bewältigen seien.

Hans-Peter Pohl, Vorsitzender im Ausschuss für Stadtentwicklung, kündigte die Gründung einer Bürgerstiftung für Januar 2016 an. Ziel dieser Stiftung werde es sein, daß Füreinander und Miteinander in Falkensee voranzubringen und den Austausch zwischen den Generationen in einer intakten Umwelt zu fördern. Die Gründung einer solchen Stiftung sei immer sein Traum gewesen, und in Anknüpfung an Antoine de Saint-Exupéry gelte es, die „Sehnsucht nach dem Meer“ zu wecken. Ein Boot werde dann ganz von allein gebaut.