Veranstaltungsberichte

Zuwanderung und Integration in den Arbeitsmarkt

von Stephan Georg Raabe

Politisches Wirtschaftsfrühstück

Integration funktioniert, wenn sie schnell beginnt, wenn Zuwanderer rasch passende Bildungsangebote bekommen, beginnend mit Sprachkursen, und wenn sie Gelegenheit zum Arbeiten erhalten. Wie dies am besten praktisch umgesetzt werden kann, darüber diskutierten 30 Unternehmer, Bildungsexperten und Behördenvertreter mit Politikern beim Politischen Wirtschaftsfrühstück auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung Brandenburg und des Unternehmerverbandes Brandenburg/Berlin am 10. Mai 2016 in Potsdam.

Gesprächspartner waren Beate Fernengel, die ehrenamtliche Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Potsdam, die das Service Center der IHK Potsdam für Integration von Migranten vorstellte; die CDU-Landtagsabgeordneten Frank Bommert, Handwerker aus dem Oberhavelkreis, und Dierk Homeyer, Unternehmer aus dem Oder-Spree Kreis, sowie der Unternehmer Dr. Josef Westerhausen aus Potsdam, der dort der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU vorsteht.

Deutlich wurde, wie groß und vor allem auch langfristig die Herausforderung der Integration ist, wo praktische Problempunkte und Engstellen sind, aber auch welche Perspektiven sich durch eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt ergeben. Das geplante Integrationsgesetz werde wichtige Eckpunkte wie ein befristetes Bleiberecht für Auszubildende oder die Wohnsitzauflage für Migranten regeln, führte der Wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dierk Homeyer, aus. Er verwies auf die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in Brandenburg noch überschaubaren Zahlen von Migranten. Dass man den Unternehmern, insbesondere den kleineren Mittelständlern und Handwerksbetrieben hinsichtlich der Integrationsanstrengungen entgegenkommen müsse mit Unterstützung, betonte der Sprecher für Mittelstand und Handwerk der CDU-Landtagsfraktion, Frank Bommert. Beate Fernengel stellte die eigenen Bemühungen der IHK Potsdam dar, nannte als Forderungen an die Politik aber auch die Abschaffung der Vorrangprüfung, die Förderung von Praktika, klare Regeln für die Aufenthaltsperspektive und die Erweiterung legaler Einwanderungsmöglichkeiten. Josef Westerhausen betonte die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes und eines systemischen Managements der Integration durch Politik/Gesetzgebung, gezielte Förderpolitik und ein ineinandergreifendes System der Integration bei öffentlichen Institutionen und Unternehmern bzw. Arbeitgebern.

Auf welche praktischen Probleme man dabei stößt, wurde aus dem Kreis der Teilnehmer verschiedentlich berichtet. Eine Vertreterin der Arbeitsagentur Potsdam berichtete, wie man sich dort der Aufgabe stellt und dass es etwa gerade bei dem Angebot von Sprachkursen örtlich Engpässe gebe. Zudem dauere es noch zu viel Zeit, bis überhaupt Migranten zur Arbeitsagentur mit ihren Hilfsangeboten kämen.

Inwieweit "die Gesellschaft" allgemein in Brandenburg bereit ist, sich der Integrationsaufgabe zu stellen und an ihr mitzuwirken, wurde unterschiedlich beurteilt. Dass Integration aber nur durch ein breites Engagement auf unterschiedlichen Ebenen gelingen kann, war Konsens. Hingewiesen wurde auf eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung, die die hohen Kosten einer schlecht laufenden Integration beziffert.

Einmal mehr ein Grund, sich intensiv Gedanken über Möglichkeiten einer schnellen und guten Integration zu machen. Darüber hinaus wurden aber auch weitergehende Fragen angesprochen, etwa der Entwicklungsmöglichkeiten in den Krisenländern vor Ort durch zurückkehrende Flüchtlinge, wenn diese ihre Erfahrungen und ihre erworbenen Kenntnisse aus Deutschland in ihrer Heimat idealerweise wieder einbrächten.

Das Politische Wirtschaftsfrühstück wird in loser Folge weiter geführt. Interessenten können sich gerne beim Politischen Bildungsforum Brandenburg der Konrad-Adenauer-Stiftung melden.

Ansprechpartner

Stephan Georg Raabe

Stephan Georg Raabe bild

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Brandenburg

Stephan.Raabe@kas.de +49 331 748876-0 +49 331 748876-15
Politisches Wirtschaftsfrühstück 1 Bolko Bouché, Medienservice
Politisches Wirtschaftsfrühstück 2 Bolko Bouché, Medienservice