Veranstaltungsberichte

"50 Jahre Elysée-Vertrag - Eine Zeitreise mit dem Multimedia-Spezialisten Ingo Espenschied"

von Andreas Samuel Bösche

Politische Bildung innovativ

Anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrags lud das BWK Bremen am 29. Januar Schülerinnen und Schüler zu einem Doku-Life-Vortrag mit dem Politologen und Multimedia-Spezialisten Ingo Espenschied in das Cinespace-Kino Bremen ein.

„Ich möchte Euch mitnehmen auf eine Zeitreise und zeigen, wie es zu diesem bedeutenden deutsch-französischen Vertrag gekommen ist“ – so wendet sich Politologe und Multimediaspezialist Ingo Espenschied einleitend an sein Publikum. Und die über 230 Bremer Schülerinnen und Schüler, die anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrags der Einladung des BWK Bremen gefolgt waren, sollten nicht enttäuscht werden.

Im Cinespace Kino präsentiert Espenschied in dem von ihm entwickelten Doku-Life-Format eine packende Kombination aus wissenschaftlichem Vortrag und Erzählung. Über mehr als eine Stunde verfolgt sein Publikum gebannt den lehrreichen und unterhaltsamen Mix aus Fotos, Zeitzeugeninterviews, Wochenschauberichten und erläuternden Graphiken. Neben dieser Medienvielfalt beeindruckt insbesondere Espenschieds mitreißende Vortragsweise, mit der er unterschiedliche Ebenen und Handlungsstränge der deutsch-französischen Beziehungsgeschichte(n) bis zur Unterzeichnung des Elysée-Vertrags veranschaulicht. Er verflicht dabei geschickt die Erzählperspektiven und wechselt zwischen der Makro- und der Mikroebene.

Vermeintliche „Mastererzählungen“ wie die Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen werden als zeitlich begrenzte Erscheinungen, in diesem Fall des 19. Jahrhunderts entlarvt. Doch bleibt Espenschied nicht bei diesen bekannten Phänomenen stehen, sondern verfolgt ihre Wirkungsgeschichte auf der Akteursebene bis zu den wichtigsten Unterzeichnern des Elysée-Vertrags.

Klar wird hierbei, dass weder Konrad Adenauer noch Charles de Gaulle die Freundschaft zum Nachbarland in die Wiege gelegt war. Dennoch entwickelten beide Akteure im Laufe ihres Lebens eine echte Sympathie für das Land des Vertragspartners. Espenschied überrascht hier mit einer Einschätzung de Gaulles, die dieser anlässlich seines ersten Treffens mit Adenauer auf seinem Landsitz in Colombey-les-Deux-Èglises im privaten Kreis bekannte: „Das Volk, dass ich am meisten bewundere, ist das deutsche.“

Dieses persönliche Element war gerade in der Phase bis zur Vertragsunterzeichnung von elementarer Bedeutung. Denn erst der Elysée-Vertrag von 1963 stellte die deutsch-französischen Beziehungen auf eine stabilere, institutionell abgesicherte Ebene und sorgte etwa durch darin enthaltene gegenseitige Pflicht zu regelmäßigen Regierungskonsultationen für die nötigen Voraussetzungen, um diese Beziehungen nicht wieder erkalten, sondern zu einem Motor der europäischen Einigung werden zu lassen. Espenschied schließt seine jederzeit spannenden Ausführungen dementsprechend mit dem Zitat eines weiteren Wegbereiters des geeinten Europas, Jean Monnet: „Nichts ist möglich ohne die Menschen, nichts ist dauerhaft ohne Institutionen.“

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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