Veranstaltungsberichte

„Auch in der Diktatur scheint die Sonne - Nur halt nicht so oft.“

von Jana Glose

Zeitzeuge Schefke spricht mit Bremer Schülern

Anlässlich der KAS-Präsentation der Ausstellung „Eine Karikatur sagt mehr als 1000 Sätze – 25 Jahre deutsche Einheit im Spiegel der Karikatur“, besuchte Zeitzeuge Siegbert Schefke, der „Kameramann der friedlichen Revolution“ die Oberschule Findorff und das Alte Gymnasium, um Schülerinnen und Schülern von seinen Erfahrungen in der DDR zu erzählen.

Die Ausstellung, die 2015 im Zuge des 25. Jubiläums der deutschen Einheit zwei Wochen im Swissôtel ausgestellt war, beleuchtet wichtige Prozesse im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung. Im Zuge des Zeitzeugengesprächs hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich die acht Schautafeln aus der Ausstellung anzusehen und mit Siegbert Schefke ins Gespräch zu kommen.

Siegbert Schefke, der 1959 in der DDR geboren wurde, berichtete den Schülerinnen und Schülern über seine Kindheit und das Leben in der DDR, seine persönlichen Erfahrungen mit dem System und die Ereignisse im Herbst 1989. Er erzählte von seiner West-Omi, von der er nur einmal im Jahr Besuch bekam und den Einschränkungen im Bezug auf seine Berufswahl und das Reisen, die seine Kindheit und Jugend bestimmten. Sein Wunsch ins westeuropäische Ausland zu reisen, blieb ihm bis zum Ende der DDR ebenso verwehrt, wie der Besuch bei seiner Großmutter in Westdeutschland. Schon früh, berichtet Schefke, habe er den Widerspruch der eigenen Erfahrungen zu der Parteipropaganda als Belastung empfunden. So unternahm er Bemühungen, die Bürger der DDR mit heimlichen Filmaufnahmen über die Missstände in der DDR zu informieren und die Situation in der Diktatur zu verändern. Als „Kameramann der friedlichen Revolution“ machte Schefke heimliche Filmaufnahmen der Montagsdemonstrationen am 9. Oktober 1989 in Leipzig, die er westlichen Medien zuspielte. Einen Tag später sendeten die Tagesthemen diese Bilder, sodass erstmals auch Millionen DDR-Bürger sehen konnten, was in ihrem Land vorging und von der SED-Führung verheimlicht wurde. Seine Aufnahmen gehören seitdem zum Bildgedächtnis der friedlichen Revolution.

In seinen Erzählungen betonte Schefke immer wieder, warum er das Unrechtsregime bekämpfte und warum es sich auch heute lohnt, für Demokratie und Freiheit zu kämpfen: „Die DDR war meine Heimat und ich wollte denen meine Heimat nicht überlassen. Ich wusste, dass eine Veränderung geschafft werden muss. Auch in der Diktatur scheint die Sonne – Nur halt nicht so oft.“

Nach den Berichten über sein Leben und zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler über seine persönlichen Erfahrungen im DDR-Regime, sein Umfeld und seine Bemühungen für Veränderungen in der DDR, appellierte Schefke an die Schülerinnen und Schüler, die Freiheit selbst zu denken und ihr Leben selbst zu gestalten, nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen, diese Freiheit aber zu schätzen und zu nutzen.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen

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