Veranstaltungsberichte

„Entnetzen statt vernetzen“

von Ann-Kristin Steiniger
Diesen eindringlichen Appell seines Vortrags richtete Uwe Claaßen, Leiter des niedersächsischen Wirtschaftsschutzes, an seine Zuhörer: Unternehmensvertreter und Journalisten aus dem Raum Bremen. Unter dem Titel „Wirtschaftsspionage - auch ein Thema in Bremen?“ setzte die Konrad-Adenauer-Stiftung am 24. September 2013 ihre Reihe kas Kompakt fort. Gemeinsam mit Claaßen diskutierten die Gäste des Bildungswerkes gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen, die im Zuge einer sich stetig globalisierenden und digitalisierenden Wirtschaftspionage nicht mehr ignoriert werden können.

Häufig würden Spionagefälle nicht aufgeklärt, da sie von den Unternehmen nicht erkannt oder aber, was oftmals noch gravierender sei, aus Angst vor einem Reputationsverlust gar nicht angezeigt werden. So sieht der Wirtschaftschutz eine zentrale Aufgabe und gleichzeitig eine der effektivsten Maßnahmen gegen Wirtschaftsspionage darin, die Gesellschaft für die Gefahren der Wirtschaftsspionage zu sensibilisieren.

Dass speziell mittelständische Unternehmen sich der Gefahren der Spionage und ihres potenziellen wirtschaftlichen Schadens nicht bewusst sind, illustrierte Claaßen anhand einiger aktueller Beispiele aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik sowie Rüstungstechnologie. Der Begriff der Wirtschaftsspionage umfasst „staatlich gelenkte oder gestützte, von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Ausforschung von Wirtschaftsunternehmen“, wohingegen die „Industriespionage“ sich umgangssprachlich für Aktivitäten im Kontext der Konkurrenzausspähung etabliert habe.

Im Fokus der Spionageangriffe steht jedoch nicht nur „klassisch“ das erfolgsversprechende technische Know- How der Firmen, sondern vielmehr ihr personelles Know- How. Tatsächlich bilden neben den staatlichen Akteuren einiger Länder wie beispielsweise Russland und China, die gemäß Claaßen unter der Prämisse „You make it, we fake it“ handeln, die Mitarbeiter eines Unternehmens den ausschlaggebenden Faktor für die Sicherheit oder Unsicherheit eines Unternehmens sowohl als möglicher Täter als auch unwissentlicher Adressat von Spionagebemühungen.

Vielfach behandeln die Mitarbeiter einer Firma allzu sorglos ihre persönlichen Daten und Informationen. So umspannen die Methoden der Wirtschaftsspionage ein Spektrum von mit schädlichen Daten belasteten E-Mails, die es ermöglichen extern auf die Datenbanken zuzugreifen, über „verseuchte“ USB-Sticks bis hin zur offenen oder verdeckten Befragung von Mitarbeitern eines konkurrierenden Unternehmens. Letzteres umfasst Vorgehen des „Social Engineering“, deren Quelle oftmals in einem unverschlüsselten Informationsaustausch liegt, sobald sich Firmen und Mitarbeiter im Internet oder Social Networks präsentieren.

Infolgedessen unterstützt der Wirtschaftschutz die Unternehmen präventiv, beispielsweise in Form von Gesprächen oder Seminaren. Allerdings sei es essentiell, dass hinsichtlich eines zunehmend uneingeschränkten Informationsstroms über das Internet sich die Unternehmen stärker als zuvor mit der Thematik der Wirtschaftsspionage auseinandersetzen und sie entlang der Handlungsempfehlung „Entnetzen statt vernetzen“ eine neue Sicherheitsphilosophie entwickeln sowie klare Regeln für den Umgang mit ihren wichtigsten Daten festlegen. Er hoffe, schloss Claaßen, dass die Unternehmen bald aufwachen würden. Einen ersten Schritt in Richtung eines Mentalitätswechsels lasse sich aber bereits erkennen.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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