Veranstaltungsberichte

Adventslieder – gesungen und analysiert

von Andreas Samuel Bösche, Sebastian Tümmel
Zum Auftakt der Adventszeit lud die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem St. Petri Dom Bremen 150 Gäste zu einem Gesangsabend der besonderen Art in den Bremer Dom ein. Im Wechsel wurden bekannte Advents- und Weihnachtslieder in ihrer kulturhistorischen und hymnologischen Bedeutung analysiert und anschließend gemeinsam gesungen.

„Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit, Es kommt der Herr der Herrlichkeit…“ - Wohl kaum eine Gattung in den kirchlichen Gesangbüchern ist uns so vertraut wie die der Advents- und Weihnachtslieder. Doch wovon handeln die Choräle, worin besteht ihre theologische Bedeutung und welchen historischen Befindlichkeiten geben sie Ausdruck, kurz: Was singen wir hier eigentlich? Auf unterhaltsame und zugleich lehrreiche Art gaben Domprediger Christian Gotzen und Domkantor Dr. Tobias Gravenhorst den Teilnehmern im Hohen Chor Antworten auf diese zentrale Frage des Abends

Gotzen ging in seinen Ausführungen sowohl auf wissenswerte Zusammenhänge zur Entstehungsgeschichte als auch auf die hymnologische Bedeutung des Liedguts ein. So erfuhren die Gäste der Konrad-Adenauer-Stiftung etwa, dass das allseits beliebte Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ zur Zeit des 30-Jährigen Krieges entstand und daher neben „urchristlichen Erwartungen“ die „Sehnsucht nach Frieden“ enthält. Auch in die Bedeutung des Liedes „Es kommt ein Schiff, geladen“ gab Domprediger Gotzen informative Einblicke: Die Schiffssymbolik stehe für die Schwangerschaft Marias, welches angetrieben durch die Liebe als Segel und Gottes Wort als Kompass den Hafen erreicht.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Angaben zur vielfältigen Herkunft der Gesänge und ihre zuweilen erstaunlich anmutenden „Karrieren“ weitab vom Ort ihrer Entstehung. So entstand beispielsweise das Lied „Es kommt der Heiden Heiland“ in seiner ursprünglichen Fassung bereits etwa 400 nach Christus, während „Die Nacht ist vorgedrungen“ erst in der Zeit des Nationalsozialismus verfasst wurde. Wer heute Advents- und Weihnachtslieder (mit)singt, wird, so wurde deutlich, akustischer Bestandteil des kulturellen Erbes des Christentums.

Nach den informativen Einführungen wurden die Lieder anschließend in einem Chor aus 150 Stimmen zum Leben erweckt. Filigran auf der Orgel begleitet von Domkantor Dr. Tobias Gravenhorst, kam eine adventliche Stimmung auf, die getragen war von der Freude am gemeinsamen Musikerlebnis. Dabei sangen die Teilnehmer die oftmals schon lange bekannten Gesänge mit neuer Aufmerksamkeit.

Der Dialog aus inhaltlicher Information und gesanglicher „Praxis“ sprach Geist und Emotion gleichermaßen an und bildete so einen gelungenen Auftakt für eine hoffentlich frohe Advents- und Weihnachtszeit!

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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