KAS-Bremen

Veranstaltungsberichte

Deutsche „Demokratische“ Republik?

von Beverley Essuman

Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ – mit Zeitzeuge Thomas von Grumbkow

Rund um die Deutsche „Demokratische“ Republik ranken sich heute noch viele Mythen. Doch was sind Mythen und was war die Wirklichkeit? Um zur Wissensvermittlung beizutragen, ging die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen am 05. November 2019 mit der Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ in die Berufsschule Kaufmännische Lehranstalten in Bremerhaven.

An großen Stellwänden werden verschiedene Themen u.a. das Schulsystem in der DDR, der menschenverachtende Geheimdienst Stasi oder die Tatsache, dass die DDR eine Diktatur war, behandelt. Die Schülerinnen und Schüler befassten sich einzeln oder in Kleingruppen mit den Informationen und sammelten Ihre Fragen dazu.

Mythen wie: „Die DDR war ein demokratischer Rechtsstaat“, halten sich heute. Die SED-Herrschaft verstand sich als „Diktatur des Proletariats“. Sie allein bestimmte das politische Geschehen. Eine von der SED unabhängige freie Meinungsäußerung gab es nicht. Printmedien, Hörfunk und Fernsehen wurden zensiert und kontrolliert. Eine kritische Öffentlichkeit sollte nicht entstehen. Der Mythos: „Die Stasi war ein ganz normaler Geheimdienst“ stimmt nicht. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war in erster Linie das Überwachungsorgan der SED oder auch das „Schild und Schwert der Partei“. Durch Verhaftungen, Zerstörung des öffentlichen und privaten Ansehens von Kritikern sorgte die Stasi dafür, dass jede noch so kritische Stimme im Keim erstickt wurde.

Geschichte ist besonders einprägsam, wenn es Menschen gibt, durch die sie lebendig wird. Mit dem Zeitzeugen Thomas von Grumbkow hatten die Schüler jemanden, der die DDR miterlebt hat.

Zu Beginn hielten sich die Schüler mit Ihren Fragen zurück. Doch Thomas von Grumbkow wusste, die Schüler zu ermutigen und einen Diskurs anzuregen. Dazu teilte er seine Lebensgeschichte mit Ihnen, erzählte aus seinem Alltag in der DDR und von seiner Fluchtgeschichte - von seinem Wunsch nach Freiheit. Mit der Überquerung der bulgarisch türkischen Grenze sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Doch die Erfüllung blieb aus. Grenzsoldaten fassten Thomas von Grumbkow bei seinem Fluchtversuch, bei dem er angeschossen wurde und infolgedessen eine Beinamputation erlitt.

Nun trägt er eine Prothese. Als von Grumbkow den Schülern diese zeigte sind sie erstaunt, betroffen. „Musste Ihre Familie bezüglich Ihrer Flucht Konsequenzen fürchten“?, „War alles an der DDR schlecht?“, „Konnten Sie offen sprechen?“

Man entwickelte zwei Rollen, die offizielle für die Öffentlichkeit und die private, ehrliche, teilweise kritische, sagte von Grumbkow.

Zum Ende hin reichte die Zeit nicht aus und die Schüler suchten nochmal das persönliche Gespräch mit von Grumbkow. Dieser stellte ihnen zum Schluss eine Frage, worüber sie nachdenken sollten: „Schwimmt ihr mit dem Strom oder seit ihr kritisch?“

Die Ausstellung sowie das Zeitzeugengespräch mit Thomas von Grumbkow hat in jedem Fall dazu beigetragen, Mythen der DDR aufzudecken und den Schülern bewusst zu machen, worauf es ankommt – kritisches Hinterfragen.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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Gütesiegel Weiterbildung v_3