Veranstaltungsberichte

Deutschunterricht mal anders

von Janine Dufner

Konrad-Adenauer-Stiftung ermöglicht Schulklassen Besuch im Kempowski-Haus

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ermöglichte der 10. Klasse der Freien Evangelischen Bekenntnisschule und der 10. Klasse des Ökumenischen Gymnasiums eine Deutschstunde der etwas anderen Art: Einen Literaturvormittag im Hause Kreienhoop, der Wohn- und Wirkungsstätte des Schriftstellers Walter Kempowski.

Es war das zweite Mal, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung mit der Kempowski-Stiftung kooperierte. Im Laufe des Vormittags wurden die Schüler von Hildegard Kempowski empfangen, hörten sie aus Walter Kempowskis „Uns geht’s ja noch gold“ lesen und besichtigten Haus Kreienhoop, in welchem er bis zu seinem Tod 2007 lebte. Walter Kempowski war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine biografisch geprägten Werke handeln u. a. von seinen Erfahrungen im Dritten Reich und seiner Gefangenschaft in der Haftanstalt Bautzen in der sowjetisch besetzten Zone und der DDR.

Hildegard Kempowski betonte, dass es sich beim Haus Kreienhoop nicht um ein Museum handele. „Es ist ein dauerhafter Ort der Erinnerung an unsere deutsche Vergangenheit“, sagte sie. Die Kempowski-Stiftung wolle die Arbeit ihres Mannes fortsetzen; sie wolle die Gründe unserer Geschichte erforschen und solle nicht auf einen Ort beschränkt werden.

Kempowski las den Schülern aus „Uns geht’s ja noch gold“ über die Jahre 1945 bis 1948 vor, da Walter Kempowski damals in demselben Alter war wie die gespannten jugendlichen Zuhörer. In „Uns geht’s ja noch gold“, chronologisch gesehen zwischen „Tadellöser und Wolff“ (über die Zeit im Dritten Reich) und „Ein Kapitel für sich“ (über die Zeit der Inhaftierung der Brüder Walter und Robert Kempowski in Bautzen von 1948 bis 1956) einzuordnen, verarbeitete Walter Kempowski den Einmarsch der Roten Armee in seine Heimatstadt Rostock.

Immer wieder blickte Hildegard Kempowski zwischen den Passagen auf und fügte etwas aus ihrer Erinnerung hinzu, versuchte den Schülern die Brüder Kempowski genauso lebendig erscheinen zu lassen, wie sie diese erlebt hat. Sie erzählte, dass sie eine der ersten gewesen sei, die die Familie Kempowski über die Zeit in Haft erzählen hörte. Mutter wie Söhne hoben lustige Ereignisse hervor, um das unfassbar Grausame, was man Ihnen angetan hatte, überhaupt schildern zu können. Besonders Robert Kempowski habe einen ganz besonderen Humor besessen. „Frau Kempowski war sehr glaubwürdig. Man hatte das Gefühl, dass sie nach all den Jahren bei der Geschichte Ihres Mannes immer noch mitfiebert“, schwärmte Laura Schumacher (15) von der Freien Evangelischen Bekenntnisschule. Die betreuende Lehrerin des Ökumenischen Gymnasiums, Christine Müller, lobte Kempowskis Umgang mit den Schülern: „Man merkt, dass sie selbst mal Lehrerin war.“ „Frau Kempowski hat alle unsere Fragen verständlich beantwortet“, bestätigte Wiebke Paul (15) vom Ökumenischen Gymnasium.

So ließ sie die Jugendlichen in einer Pause den Garten besichtigen, um Ihnen anschließend ein Bild der Brüder Kempowski auf eben jenem Gelände zu zeigen. „Es war total verrückt, dort zu stehen, wo die Brüder Kempowski standen“, sagte Sina von Salzen (16) von der Freien Evangelischen Bekenntnisschule. Als Hildegard Kempowski altersbedingt Mühe hatte weiter zu lesen, bot sie Pauline Schubert vom Ökumenischen Gymnasium an, auf ihrem Flügel zu spielen, und wirkte dabei so gedankenverloren, als hörte sie erneut ihren Mann spielen.

Zum Schluss sahen die Schüler sich im Haus Kreienhoop um und suchten das persönliche Gespräch mit Hildegard Kempowski.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen

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