Veranstaltungsberichte

Eröffnung der Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“

von Sebastian Tümmel
Die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen stellt ihre Wanderausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ im Schulzentrum an der Grenzstraße bis zum 15. November 2013 aus. Zur Eröffnung wurde Peter Drauschke zu einem Zeitzeugengespräch eingeladen, der den interessierten Schülern über seine kommunistische Vergangenheit und den Wandel zum überzeugten Gegner des Kommunismus berichtete.

Drauschke begann sich bereits in jungen Jahren für Politik zu interessieren, las den Spiegel oder die Zeit und entwickelte ein starkes Gerechtigkeitsgefühl. Ein „Idealist“ mit dem festen Glauben an eine bessere Welt und eine gerechte Gesellschaft, jenseits der allgemeinen Armut, in die er 1945 hineingeboren wurde. Die marxistisch-leninistische Lehre habe einen „fundamentalen Unterschied“ zur erlebten Praxis in der Bundesrepublik gebildet, so Drauschke. Begeistert von der Logik des Kommunismus trat er der in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen KPD bei und ging im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit einem Freund in die DDR.

In der DDR angekommen hätte ihnen sofort klar sein müssen, dass etwas nicht stimmt, berichtete er den Schülern: Sieben Stunden in Polizeigewahrsam, ohne Essen und Trinken erscheinen ihm im Nachhinein als merkwürdig, doch beide seien schon zu sehr von der kommunistischen Lehre „vergiftet“ gewesen. Für die Schüler hatte er ein Beispiel parat, das den Grad seiner „Vergiftung“ zeigt: Seine Freundinnen habe er nicht etwa nach dem Aussehen, sondern nach der politischen Gesinnung ausgesucht, berichtet er.

Seine Karriere in der SED-Diktatur war rasant: Schnell wurde er FDJ-Sekretär an seinem Arbeitsplatz, kurze Zeit später Mitglied in der FDJ Kreisleitung Rostock, dann in der Bezirksleitung. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kamen ihm die ersten Zweifel am Sozialismus, ausgerechnet hervorgerufen durch die Lektüre von Karl Marx´ „Das Kapital“. „Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis“, schreibt Marx in seinem Hauptwerk. Diese Wahrheit zeigte sich Peter Drauscke erstmals im versuchten Wandel der kommunistischen Tschechoslowakei, der jedoch von den übrigen Ostblock-Staaten gewaltsam niedergeschlagen wurde. Seine kommunistische Überzeugung habe das jedoch nicht geändert. „Wenn jemand so vergiftet ist, dann geht er abends nicht als Kommunist ins Bett und steht morgens als Antikommunist auf“, erläuterte er seinen Zuhörern. Seine Ansichten hätten erst Gespräche mit seinem Freund geändert. Dieser habe als Werftarbeiter - im Gegensatz zu ihm selbst - die Praxis erlebt und die Begeisterung für den Kommunismus zum Gegenteiligen gewendet.

Zwei Jahre planten beide akribisch die Republik-Flucht über Bulgarien. Seine Schwester besorgte ihnen die notwendigen Papiere. Trotz sorgfältiger Planung wurden sie am Flughafen in Sofia gefasst, die „schwärzeste Stunde meines Lebens“. Zurück in die DDR wurde ihm der Prozess gemacht. Die Aufnahme staatsfeindlicher Verbindungen und ungesetzlicher Grenzübertritt lautete die Anklage. Viereinhalb Jahre waren die Strafe für dieses „Verbrechen“, von denen er nur sechs Monate wegen einer Amnestie absitzen musste, drei Monate davon in „totaler Einzelhaft“.

Ansprechpartner

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Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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