Veranstaltungsberichte

Lesung von Walter Kempowskis Roman „Ein Kapitel für sich“

von Ralf Altenhof, Janine Dufner
Eine Premiere der besonderen Art erlebten 120 begeisterte Gäste der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bremen mit der Lesung aus Walter Kempowskis „Ein Kapitel für sich“. Der Roman wurde 1979 von Eberhard Fechner für das ZDF verfilmt. Die Verfilmung gilt als „Sternstunde des Fernsehens“.

In die Rollen von Walter und Robert Kempowski schlüpften damals Stephan Schwartz und Jens Weisser, die jetzt – nach über 30 Jahren – bei der Lesung erneut die Kempowskis spielten.

Die Besonderheit der Veranstaltung zeigte sich darin, dass Hildegard Kempowski, die Frau des 2007 verstorbenen Schriftstellers, eigens von Nartum nach Bremen gekommen war, um der Lesung beizuwohnen. Sie wollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Auch der Tag der Veranstaltung, der 8. März, war ein besonderer: Auf den Tag genau vor 64 Jahren, am 8. März 1948, war Walter Kempowski verhaftet worden. Die Haft in Bautzen von 1948 bis 1956 wurde zum Ausgangspunkt für den Schriftsteller Walter Kempowski, die damit einhergehende Verletzung zum Motor seines Schreibens. Schließlich war die Lesung an sich eine Premiere. Auf die Frage des Moderators, wie oft denn schon Stephan Schwartz und Jens Weisser - nach dem riesigen Fernseherfolg - zusammen Lesungen als Walter und Robert Kempowski gemacht hätten, antwortete Schwartz: „Heute zum ersten Mal! Auf die Idee ist bisher noch niemand gekommen.“

Walter Kempowski verarbeitete in „Ein Kapitel für sich“ seine Hafterlebnisse. Für seine Werke wurde er u. a. mit dem Thomas-Mann-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 1994 erhielt er den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Verfilmung von „Ein Kapitel für sich“ durch Eberhard Fechner war ein Straßenfeger. 15 Millionen Zuschauer bedeuteten damals einen Zuschaueranteil von fast 30 Prozent.

Regisseur Eberhard Fechner hätte für ausgefallene Produktionsbedingungen gesorgt, verrieten Stephan Schwartz und Jens Weisser im Anschluss an die Lesung den Zuschauern. Die Produktionszeit sei drei Monate überzogen worden, was heute undenkbar wäre. Fechner hätte sie drei volle Tage für eine Sequenz proben lassen und im Gegensatz zu anderen Filmen wären nur Schauspieler, keine Statisten zum Einsatz gekommen.

Manchmal sei Walter Kempowski ans Set gekommen. Vor allem ein Besuch sei Schwartz im Gedächtnis geblieben: „Ich muss mir mal die Haare kämmen!“, habe Walter Kempowski gesagt und danach Stephan Schwartz' Haare geordnet.

Nachdem Walter Kempowski 2007 und Robert Kempowski 2011 verstorben waren, war die Lesung im Bildungswerk Bremen gewissermaßen eine „Wiederbegegnung“ der Brüder Kempowski. Hildegard Kempowski sagte am Ende der Veranstaltung: „Das war ein Erlebnis!“

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

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Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen

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