Veranstaltungsberichte

Talk am Meer: Chancen für Langzeitarbeitslose auf dem Arbeitsmarkt

von Jorma Timo Huckauf
„Bürgerarbeit kann nicht das Ziel für alle sein!“ – Darüber waren sich die Podiumsgäste der Abendveranstaltung im t.i.m.e.Port II in Bremerhaven einig. Dort sprachen sie über das Modellprojekt „Bürgerarbeit“, das die Berufschancen für Langzeitarbeitslose verbessern soll, und diskutierten über die allgemeine Situation des Arbeitsmarktes in Bremerhaven.

Auf dem Podium sprachen Hans-Werner Busch, Geschäftsführer der Bremerhavener Beschäftigungsgesellschaft Unterweser, Roland Dupák, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bremerhaven, Heinz-Herbert Grabowski, Vorsitzender der CDA Bremerhaven, sowie Friedrich-Wilhelm Gruhl, Geschäftsführer des ARGE Job-Center-Bremerhaven.

Bereits in seinem Impulsreferat hob Gruhl eine wichtige Tatsache hervor: Seit zwei Jahrzehnten herrsche eine hohe Langzeitarbeitslosigkeit in Bremerhaven, die seit 2005 jedoch gesunken sei. Momentan gebe es in Bremerhaven (Stadt) 9125 Arbeitslose. Ferner betrieb er Ursachenforschung und kam hierbei u. a. auf (allein)erziehende Erwerbslose zu sprechen, eine Gruppe von etwa 1200 Menschen. Anschließend erklärte er das bundesweite Modellprojekt „Bürgerarbeit“, an dem sich auch Bremerhaven beteiligt. Hierbei handelt es sich um ein im August dieses Jahres gestartetes „ganzheitliches Aktivierungskonzept“ für Bezieher des Arbeitslosengeldes II, die seit mindestens zwei Jahren erwerbslos sind. Hierfür kämen in Bremerhaven etwa 4500 Menschen in Frage, jedoch sei das Projekt zunächst auf 630 „erwerbsfähige Hilfebedürftige“ beschränkt. Diese durchliefen gegenwärtig eine sechsmonatige „Aktivierungsphase“, in der sie z. B. durch intensive Beratung für einen möglichen Job qualifiziert werden sollten. Für 210 Langzeitarbeitslose, deren Vermittlung in den „Ersten Arbeitsmarkt“ nicht realisierbar erscheine, stünden ab Anfang des nächsten Jahres dann die Bürgerarbeiten zur Verfügung. Darunter fielen auf 36 Monate befristete gemeinnützige Tätigkeiten wie Hilfsarbeiten im sozialen Bereich und Straßenreinigungen.

In der Podiumsdiskussion wurde sich kontrovers mit der Zweckmäßigkeit dieses Modellprojektes auseinandergesetzt. So nannte Heinz-Herbert Grabowski die Dauer der Bürgerarbeit als Positivum: „Diese drei Jahre sind auch dafür da, um den Menschen eine sinnvolle Beschäftigung mit eigenem Einkommen zu bieten, was für das persönliche Selbstwertgefühl von enormer Wichtigkeit ist.“ Hans-Werner Busch, dessen Bremerhavener Beschäftigungsgesellschaft Unterweser ab Frühjahr 2011 Arbeitgeber für die Bürgerarbeiten sein wird, kritisierte indes die Menschenferne des Projektes: „Dieses ganze Instrument mit seiner hohen Bürokratie ist total überlastet, die Menschen wollen doch nur arbeiten!“ Auf die Podiumsdiskussion folgte ein sehr lebendiger Austausch mit dem Publikum, in dem sich schnell herausstellte, dass die Bürgerarbeit nicht das Ziel für alle sein kann. Sie betreffe nur einen kleinen Teil der erwerbslosen Bremerhavener, zumal damit gerechnet werde, dass lediglich 10 % der 630 im Projekt berücksichtigten Langzeitarbeitslosen tatsächlich direkt für eine Tätigkeit im „Ersten Arbeitsmarkt“ in Frage kämen, so Roland Dupák. Überdies gebe es große Probleme beispielsweise bezüglich der Jugendarbeitslosigkeit. So verließen durchschnittlich 7 % der Jugendlichen die Schule ohne jeglichen Abschluss. Folglich herrschte im Endeffekt Einigkeit darüber, dass der Anteil präventiver Arbeit deutlich erhöht werden muss, um der Arbeitslosigkeit in Bremerhaven zukünftig besser entgegenwirken zu können.

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Die Podiumsgäste

Hans-Werner Busch KAS Bremen