Veranstaltungsberichte

Von der Erbfeindschaft zur „Erbfreundschaft“? Vergangenheit und Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen

von Ralf Altenhof, Maren Öttjes
Auf gute Nachbarschaft! Dieser Vorsatz war über Jahrhunderte kaum erreichbar zwischen Deutschland und Frankreich, die einander mehr in Hass als in Zuneigung verbunden fühlten. Und wie steht es heute um die deutsch-französischen Beziehungen? Adolf Kimmel referierte zu dem Thema: „Von der Erbfeindschaft zur „Erbfreundschaft“? Vergangenheit und Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen“.

Der „Gründungsvater“ des Bremer Bildungswerkes, Friedrich Menke,

überdies viele Jahre der Vorsitzende der deutsch-französischen Gesellschaft in Bremen, erinnerte in seinem Grußwort daran, die Freundschaft der beiden Länder nicht als selbstverständlich anzusehen. „Man muss das Andersein des Anderen anerkennen“, hob Menke hervor. Damit schaffte er eine gelungene Überleitung zu Adolf Kimmel, welcher mit dem Satz einleitete, dass die deutsch-französischen Beziehungen bereits eine „spektakuläre Entwicklung“ hinter sich hätten. Der Begriff der „Erbfeindschaft“ entstand infolge von sechs geführten Kriegen zwischen 1789 und 1945. Die Franzosen verspürten ein Gefühl des „Bedrohtseins“ durch ihre deutschen Nachbarn und entwickelten ein starkes Sicherheitsbedürfnis.

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Dr. Friedrich Menke, „Gründungsvater“ des BWK Bremen

„Der Vertrag wird unterzeichnet, aber nicht angewandt“

Die „Wende“ der deutsch-französischen Beziehungen terminierte Kimmel früher als gemeinhin angenommen: Noch lange vor dem Elysée-Vertrag von 1963 schlug Robert Schuman bereits 1950 vor, dass Deutschland und Frankreich zukünftig in dem Bereich Kohle und Stahl zusammenarbeiten sollten, um weitere Kriege zu verhindern. Die nächste Etappe der deutsch-französischen Freundschaft ist der Deutsch-Französische Vertrag von 1963, wobei der Politikwissenschaftler zugleich aufklärte, dass dieser fälschlicherweise als „Freundschaftsvertrag“ bezeichnet wird. Zunächst sah der Vertrag nicht wie eine Erfolgsgeschichte aus. Kimmel zitierte den damaligen Außenminister Schröder aus dem Jahr 1963: „Der Vertrag wird unterzeichnet, aber nicht angewandt“.

Im Laufe der Zeit wurde das Verhältnis Deutschlands und Frankreichs deutlich besser, was nicht zuletzt ein Verdienst der jeweils regierenden Staatsoberhäupter war. Dieses führte Kimmel zu der These, dass die Zusammenarbeit der Länder nicht von parteipolitischen Konstellationen abhängt, sondern von den persönlichen Beziehungen der Politiker. So führte der Referent exemplarisch die fast monatlichen Treffen von Helmut Kohl und François Mitterrand an. Ebenso pflegte Kohls Vorgänger Helmut Schmidt sein harmonisches Verhältnis zu Valéry Giscard d`Estaing. Eine „Bewährungsprobe“ für die deutsch-französischen Beziehungen folgte 1989. Kimmel erklärte, dass Frankreich mit Sorge auf das wiedervereinte Deutschland schaute und alsbald forderte, die gesamte Bundesrepublik in die europäische Union zu integrieren.

Und wie sieht es heute mit den deutsch-französischen Beziehungen aus? Die Freundschaft der beiden Staatschefs Nicolas Sarkozy und Angela Merkel charakterisierte Kimmel als ein „Auf und Ab“ und zwar wegen der unterschiedlichen Mentalität von Sarkozy und Merkel und den fehlenden Bezug zum jeweiligen Nachbarland. Inhaltlich vertreten beide oft divergierende Positionen. Kimmel resümierte, dass die deutsch-französische Aussöhnung für Merkel und Sarkozy, den er als „demokratisch legitimierten Sonnenkönig“ charakterisierte, nicht mehr eine Herzensangelegenheit sei, wie beispielsweise noch für Kohl und Mitterand.

Die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen sieht der Referent in der Europapolitik.