Veranstaltungsberichte

Was heißt heute bürgerlich?

von Ralf Altenhof, Maren Öttjes
Die neue Veranstaltungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen „Was heißt heute...?“ wurde von Winfried Kretschmann, dem Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/ Die Grünen im baden-württembergischen Landtag, eröffnet. Er sprach zum Thema „Was heißt heute bürgerlich?“ Das Pendant zum „grünen“ Politiker bildete Thomas Röwekamp, der Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU in Bremen, welcher an diesem Abend ein Grußwort sprach.

In den letzten Jahrzehnten fanden zahlreiche politische und gesellschaftliche Umbrüche statt. Parallel veränderte sich auch der Begriff der „Bürgerlichkeit“. Doch wofür steht dieser Ausdruck? Provokation oder doch nur eine Anpassung an die heutige Zeit, dass ein Vertreter der Grünen ein Vortrag zu diesem Thema hält? Winfried Kretschmann wird jedenfalls in der Presse allzu gerne als der „Bürgerlichste“ unter den Grünen bezeichnet. Diese Charakterisierung unseres Referenten sollte sich an diesem Abend bestätigen.

Annäherungen zwischen Schwarz-Grün

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Thomas Röwekamp (CDU)
Die Auseinandersetzung mit dem „Bürgerlichen“ wurde an diesem Abend durch Thomas Röwekamp eingeleitet, welcher das Grußwort sprach. Der CDU-Landesvorsitzende stellte zu zentralen, bürgerlichen Themen, wie z.B. Ökologie oder Ausländerpolitik, die Positionen von Schwarz-Grün dar. Dass sich die Parteien mit ihren jeweiligen Haltungen im Laufe der Jahre angenähert haben, war eines seiner Resümees. „Die Trennlinie zwischen unseren Parteien wird immer schwächer“, konstatierte der CDU-Politiker. Themen wie Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle und stehen sowohl bei der CDU als auch bei den Grünen auf der politischen Agenda.

„Wir brauchen Komplementär-Koalitionen!“

Wenn Winfried Kretschmann sich die Frage stellt, was heute bürgerlich heißt, dann steht für ihn fest, dass das Bündnis 90/ Die Grünen sich als der ökologisch-sozial orientierte Teil des Bürgertums positioniert hat. Um sich der heutigen Bedeutung von „bürgerlich“ bewusst zu werden, argumentiert er aber auch für eine Neuordnung des Verhältnisses von Staat, Markt und Bürgergesellschaft. Der grüne Fraktionsvorsitzende steht dabei einer Koalition aus CDU und Bündnis 90/ Die Grünen positiv gegenüber. „Ich bin kein Anhänger von Schnittmengen-Koalitionen. Vielmehr brauchen wir Komplementär-Koalitionen wie in Hamburg“, überrascht Kretschmann das Publikum. Das Kernthema einer solchen Koalition wäre insbesondere die Ökologie, aber auch Bildung in Anlehnung an das „Bildungsbürgertum“ ist ein typisch „bürgerliches“ Thema.

Zum Abschluss stellten sich die beiden Referenten den Fragen der Bremer Zuhörer, welche insbesondere beim Thema Bildung interessierte Nachfragen stellten. Eine Stimme aus dem Publikum scherzte sogar, wenn er sich Kretschmann und Röwekamp so anhöre, wüsste er nicht, wer von beiden der Grüne und wer der Konservative sei.