Veranstaltungsberichte

Kommunikationsmittel im Plurinationalen Staat

Der Journalistenverein aus La Paz (APLP) stellte zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) das Buch “Kommunikationsmittel im Plurinationalen Staat” vor. Die Publikation hat das Ziel die Situation der Journalisten innerhalb der neuen Voraussetzungen des plurinationalen Staats zu analysieren. Die Publikation wurde aus dem Standpunkt und mit den Kriterien von fünfundzwanzig hervorragenden Journalisten geschrieben, die die Lage des Journalismus in Bolivien kommentierten und bewerteten.

Eine Überlegung des Journalistenverbands über die dargelegte und zugrundliegenden Beziehungen zwischen der politischen Macht und den Kommunikationsmitteln in ihrer Informationsfunktion.

Die Vertreterin der KAS in Bolivien, Frau Susanne Käss, betonte die Idee, dass die Medien eine grundlegende Rolle in einer Gesellschaft spielen. Die Medien erfüllen eine Vermittlerrolle zwischen dem politischen System und den Bürgern. Deswegen ist die ihnen zukommende Informationspflicht höchster Wichtigkeit. Aber die Arbeit der Journalisten geht über diese Rolle hinaus. Die Journalisten erfüllen die Demokratiewächterfunktion. Sie überprüfen die Arbeit der Regierung. In Bolivien ist diese Wächterfunktion in der aktuellen Konjunktur erster Wichtigkeit, da die Regierungspartei eine weit reichenden Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments geniesst. Auf diese Weise ist die Überwachungsmacht der Opposition sehr beschränkt.

Außerdem ist die politische Opposition auf nationaler Ebene in der Krise. Sie ist zerstückelt, unstrukturiert und schafft es nicht politische Alternativen aufzuzeigen. Diese Situation schafft Spannung zwischen der Regierung und den Medien. Präsident Evo Morales hat mehrmals den Medien vorgeworfen, die richtige Opposition zu seiner Regierung zu sein.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Gesetze verabschiedet, die die Medien- und Redefreiheit eingeschränkt haben. Daraufhin ist die Arbeit der Journalisten nicht einfach. Sie muss mit der ständigen Kritik der Exekutive und einem starken Druck, der bis zur Selbstzensur geht, umgehen. In dieser schwierigen Situation sind Qualität und Professionalität der journalistischen Arbeit notwendige Bedingungen, um sich gegen die vielfältige aus der Exekutive stammende Kritik zu schützen. Außerdem spiegelt sich die Kritik der Regierung in der Gesellschaft wider und schafft Spannung, zwischen den Medien und der Gesellschaft. Deswegen müssen die Journalisten alltäglich ihre Arbeit auf moralischen und ethischen Prinzipen errichten.

Um in diesem Kontext die Herausforderungen für die Journalisten festzulegen, veranstaltete der Journalisten-Verein von La Paz (APLP) zusammen mit der Konrad-Adenauer-Sitftung (KAS) ein Debatte- und ein Diskussionsforum. Während dieser Veranstaltung analysierte eine Arbeitsgruppe aus Journalisten von verschiedenen Medien des Landes die Situation durch vier thematische Achsen: (1) Regulierung/ Selbstregulierung; (2) Arbeitsbedingungen; (3) Bildung / Qualifikation; (4) Zensur/Selbstzensur.

Das Ergebnis dieser Veranstaltung, die Analyse und die Schlussfolgerungen, zieht sich der Betrachtung der Leser durch dieses Buch unter. Die KAS möchte durch diese Publikation ihre Unterstützung der Meinungs- und Redefreiheit in Bolivien zeigen.

Antonio Vargas, Präsident von APLP, kommentiert die Publikation damit, dass die politische Verfassung eines Staates die Kristallisation der verschiedenen gegenwärtigen politischen Mächte in der Periode ihrer Verarbeitung und Verabschiedung ist. Die Beziehungen zwischen Regierenden und Regierten sind der Startpunkt für die Bildung neuer Situationen und die neue Gestaltung der Lage.

Die neue Lage der Journalisten ist durch die aktuelle Situation bedingt. Bolivien befindet sich im Übergang von Republik zu Plurinationalem Staat. Deswegen ist die Initiative aufgetaucht, das neue Gesicht der Beziehungen zwischen der politischen Macht und den Journalisten zu untersuchen.

Die Untersuchung umfasst mehrere Themen. Obwohl klar ist, dass Verlage wirtschaftliche Interessen vertreten, bedeutet das nicht, dass Journalisten von Unternehmern geführte Marionette sind. Oft wird den Journalisten abgesprochen nach ethischen Werten und dem Pressekodex zu handeln. Die Teilnehmer der Veranstaltung betonten, dass diese Einschätzung irrtümlich ist. Dennoch verwiesen sie darauf, dass es essentiell ist, Journalisten gerade vom ethischen und deontologischen Standpunkt aus zu betrachten.

Im zweiten Teil des Buches untersuchen 25 weitere Journalisten vier konkrete Themenfelder: die Regulierung und Selbstregulierung der Presse, die Arbeitsbedingungen der Journalisten, die Qualifikation und Weiterbildung, und die Zensur und Selbstzensur.