Veranstaltungsberichte

Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und der ehemaligen DDR

Unterschiede und Parallelen zweier geteilter Länder

Das Auslandsbüro Korea der Konrad-Adenauer-Stiftung richtete zusammen mit dem Database Center for North Korean Human Rights (NKDB) eine Konferenz über die Menschenrechtssituation in Nordkorea aus. Dank des Zeitzeugen Peter Keup von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Deutsche Gesellschaft e.V. konnte die Menschenrechtssituation in Nordkorea mit der der Lage in der ehemaligen DDR zum Vergleich herangezogen werden.

http://www.kas.de/wf/doc/kas_114833-1290-1-30_220.jpg

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation auf der koreanischen Halbinsel, die von einer Zuspitzung der Konfrontation zwischen dem nordkoreanischen Regime und den USA gezeichnet ist, birgt auch das Thema Menschenrechte aktuelle Brisanz. Neben dem Konflikt um die Atomwaffen und Raketentests Nordkoreas gilt es dabei auch die alltäglich verletzten Rechte der nordkoreanischen Bevölkerung nicht außer Acht zu lassen.

So fand in Seoul am 23. August 2017 die Konferenz mit dem Titel „Stand der nordkoreanischen Menschenrechtssituation – ein Vergleich mit der Lage in der ehemaligen DDR“ statt. Um diesen Vergleich herzustellen, wurde der Zeitzeuge Herr Peter Keup von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Deutsche Gesellschaft e.V. aus Deutschland eingeladen. Für eine direkte und persönliche Schilderung der Lage in Nordkorea nahmen die ehemaligen Flüchtlinge Gyumin Gim, Filmregisseur und Co-Direktor des bekannten koreanischen Filmes „Crossing“, sowie Pil Ju Kim, Menschenrechtsaktivist der Nichtregierungsorganisation „Now Action & Unity for Human Rights“, teil. Insgesamt zählte die Konferenz im Seoul Press Center rund 100 Teilnehmer.

Das erste Rundtischgespräch zum Thema „Menschenrechte im Überwachungsstaat – Erfahrungen aus der ehemaligen DDR und Nordkorea“ wurde von Stefan Samse, Leiter des Auslandsbüros Korea der Konrad-Adenauer-Stiftung, moderiert. Abwechselnd berichteten in diesem Panel Peter Keup, Pil Ju Kim und Gyumin Gim von ihren bedrückenden Erlebnissen in der DDR und Nordkorea. Die Teilnehmer teilten hier ihre sehr persönlichen Erfahrungen über die Flucht in das benachbarte Land, die kaum vorhandenen Möglichkeiten der Informationsgewinnung über die Außenwelt, die Zustände in den Gefängnissen und mit welchen Entbehrungen sie jeweils umzugehen hatten. Dabei wurde – bei allen Unterschieden in der Dimension – deutlich, dass ähnlich wie in der damaligen DDR auch das nordkoreanische Regime Isolationshaft, Arbeitslager und Todesstrafen als Instrumente nutzt, um Systemkonformität sicherzustellen. Ein weiteres großes Thema dieses Panels war die Frage, ob die Möglichkeit eines „Freikaufes“, welches die Bundesrepublik Deutschland nutzte, um politische Gefangene in der DDR aus den Gefängnissen nach Westdeutschland zu bringen, auch mit Nordkorea möglich sei. Laut des Ausführungen von Herrn Yeo Sang Yoon, Generaldirektor der NKDB, ließe sich diese Praxis nicht ohne weiteres in Nordkorea anwenden, da die Gefahr bestünde, solche Freikäufe nur für politische Zwecke zu nutzen.

Für die zweite Session mit dem Titel „Systematische Kontrolle und Stand der Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea – Beispiele aus Deutschland“ referierten unter der Moderation von Professor Jeong Won Park, Direktor des Institute for Transitional Justice and Integration (ITJI) an der Kookmin University, Peter Keup und Dr. Eui-Jeong Hwang, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ITJI und Ewha Womans University, Auszüge aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

In einer anschließenden Diskussionsrunde wurde darauf hingewiesen, dass die mangelhafte Menschenrechtssituation in der DDR und Nordkorea viele Gemeinsamkeiten aufweist. Auf der anderen Seite wurde jedoch auch deutlich, dass die deutschen Erfahrungen nicht Eins-zu-eins auf Nordkorea anwendbar sind. Dabei wurde auch die Schwierigkeit betont, dass sich für den Fall der koreanischen Wiedervereinigung das verfestigte Freund-Feind-Denken nur langsam aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verdrängen lässt.

Ansprechpartner

Stefan Samse

Stefan Samse bild

Leiter des Rechtsstaatsprogramms Asien

stefan.samse@kas.de +65 6603 6171
Round-Table Diskussion KAS Korea-NKDB Konferenz 23. August 2017