Lesung

„Das Maß war voll“

Konzertlesung und Ausstellung: DDR - Mythos und Wirklichkeit

Stephan Krawczyk erzählt, liest und singt über seine Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur.

Details

In der Nacht vom 17. zum 18. Juni 1953 schreckt meine Mutter hoch, steht aus dem Bett auf, geht zum Fenster und horcht in die Dunkelheit über Weida/Thüringen. Ihr Georg ist nicht nach Hause gekommen. Mein drei Jahre älterer Bruder liegt in der Wiege neben dem Ehebett. Er ist fünf Monate alt. Fünfunddreißig Jahre später werden sich zwei Brüder aus ideologischen Gründen antagonistisch gegenübersitzen. Die Mutter wird sagen: 'Redet doch nicht immer nur über Politik!'

Politik bedeutete für sie Unruhe, Furcht und Schrecken, Jahrgang 1929, Krieg und Flucht und Fremde. Der Volksaufstand von 1953 hat ihr Angst gemacht. Sie hatte noch nicht erlebt, dass einfache Leute die Verhältnisse ändern. Für die Seele des Volkes war der 17. Juni niederschmetternd. Nun wusste sie, dass sie sich mit dem Regime abzufinden hatte. Widerstand war zwecklos. Vorerst.

Stephan Krawczyk erzählt, liest und singt

über seine Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur.

Zur Person: Geboren 1955 in Weida/Thüringen, Studium der Konzertgitarre, 1985 Berufsverbot. Seine Konzerte in Kirchen machten ihn zur Symbolfigur der DDR-Bürgerbewegung. Der Verhaftung 1988 folgte die Abschiebung in den Westen zusammen mit seiner damaligen Frau Freya Klier.

Es folgten Konzerttourneen im westeuropäischen Raum, Nordamerika und Asien. Für die Erzählung „Mein Vater“ erhielt Krawczyk 1992 den Bettina-von-Arnim-Literaturpreis, 1996 folgte der Roman „Das irdische Kind“. Seitdem diverse Veröffentlichungen auf musikalischem und literarischem Gebiet, Reisen und Tourneen. Krawczyk lebt in Berlin.

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Veranstaltungsort

Großer Saal des katholischen Pfarrzentrums, Deutschordensplatz, 76761 Rülzheim

Referenten

  • Stephan Krawczyk
    • Dr. Thomas Gebhart
      • MdB
        Kontakt

        Marita Ellenbürger

        Stephan Krawczyk