Veranstaltungsberichte

„Volksrepublik Deutschland: Drehbuch für eine rot-rot-grüne Wende“

Vortrag und Diskussion

Vortrag und Diskussion mit Dr. Hugo Müller-Vogg im Kurhaus, Domina Parkhotel in Bad Kreuznach. Hier können Sie eine Zusammenfassung darüber finden.

Im Vortrag und der anschließenden Diskussion erklärte Dr. Müller-Vogg, wie er zu seiner Fiktion einer rot-rot-grünen Bundesregierung kam und vor allem für wie wahrscheinlich man diese "theoretisch mögliche und oft verkannte", politische Konstellation halten kann.

Zunächst richtete Julia Klöckner, (MdB) einige Worte an das Auditorium. Frau Klöckner, die bei der offiziellen Buchvorstellung in Berlin anwesend war, betonte, dass in einem demokratischen Deutschland Debatten möglich sein müssen und es in einer freien und demokratischen Gesellschaft ebenso wichtig ist „die Dinge denken zu können“. Abschließend würdigte Julia Klöckner Dr. Hugo Müller-Vogg als eine politisch neutrale Person, die es verstehe sich positiv in Diskussionen einzubringen und immer wieder Denkanstöße zu wichtigen Themen unserer Gesellschaft gebe.

Dr. Müller-Vogg begann seinen Vortrag mit einem Zitat von Karl Kraus: „Keinen Gedanken zu haben und diesen auszudrücken, macht einen Journalisten aus.“ Mit diesem Satz und dem Eintreten seiner Vorhersage von 2008, dass es trotz aller Vor-Wahlbekundungen der SPD und besonders der damaligen Spitzenkandidatin Ypsilanti, keine Koalition mit der Linken in Hessen geben werde, es dann doch den Versuch gab, eine hessische Landesregierung mit der Linken zu stellen, reizte Dr. Müller-Vogg eine ähnliche Vorhersage für die Bundestagswahl 2009 zu treffen.

Der Fokus des Vortrages lag daher nicht auf einer Rezitation des Buches, sondern bestand vielmehr darin, dem Auditorium aufzuzeigen, dass diese Fiktion einen sehr realen Hintergrund besitzt, der an zahlreichen Beispielen - ohne einer möglichen Überinterpretation zu erliegen - deutlich zu belegen ist. Bezogen auf das Verhalten der SPD seien zwei Punkte von erheblicher Bedeutung, die dazu beitragen könnten, dass diese theoretische Wahrscheinlichkeit in eine politische Realität transformiert werden könnte. Erstens: Die SPD habe ihre Berührungsängste gegenüber der Linken verloren. Als Beleg führte Dr. Müller-Vogg an, dass es keinerlei öffentliche Links-Kritik auf der Internetseite der SPD gebe. Zweitens: das Koalieren sei für die SPD auf Bundesebene zwar indiskutabel, auf Länderebene aber durchaus möglich, um die Regierungsteilnahme zu ermöglichen.

Als zentrales Motiv seines Vortrages stellte Hugo Müller-Vogg fest, das Macht mobil mache und die Aussicht auf Macht die Kompromissbereitschaft erhöhe. Die fiktive rot-rot-grüne oder auch „Kuba“ genannte Koalition sei daher keinesfalls utopisch, sondern gradlinig realistisch, das sie die theoretischen Möglichkeiten widerspiegle. Nichtsdestotrotz sieht Dr. Müller-Vogg in einer „Volksrepublik Deutschland“ keine zweite DDR, aber eine gigantische Umverteilungsmaschine, die viele Vorteile dieses Landes gedankenlos dem Prinzip der Gleichheit unterwirft und somit mehr Probleme kreieren könnte, als momentan durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zutage getreten sind.

Der Referent betonte, dass er sich kein Urteil über eine solche rot-rot-grüne Regierung anmaße, aber es für fatal und fahrlässig hält nicht darüber nach zu denken, denn sein Buch sei „kein reines Phantasieprodukt“, sondern stütze sich auf die vorhandenen Informationen dieser drei Parteien und schließlich der Realität.

Die anschließende Diskussion, moderiert von Julia Klöckner, zeigte reges Interesse bei den Zuhörern. So wurde deutlich, dass die Idee einer rot-rot-grünen Regierung nach den Bundestagswahlen 2009 durchaus als Denkanstoß für das konservative-bürgerliche Lager gewertet werden kann. Auf die Frage nach der Intention des Autors antwortete Dr. Müller-Vogg, dass man als Realist die nur geringen Unterschiede der drei Parteien erkennen muss und die daraus notwendigen Schlüsse für die Zukunft ziehen sollte.

Für die anstehende Wahl im September ist daher an alle Bürger und Bürgerinnen zu appellieren, dass nur durch aktive Wahlbeteiligung das Eintreten dieser Fiktion verhindert werden kann.