Veranstaltungsberichte

Energiewende, Arbeit, Kultur

Cadenabbia Akademie 22. bis 25.04.2012

Das energiepolitische Seminar der Cadenabbia Akademie, das im Ruhrgebiet vom 22.bis 25.4.2012 stattfand, verfolgte in erster Linie der Beantwortung der Frage, ob die von der Bundesregierung angestrengte Energiewende Aussicht auf Erfolg haben oder ob sie im ungünstigsten Fall den Industriestandort Deutschland gefährden könnte.

Energiewende, Arbeit, Kultur

Cadenabbia Akademie

22.-25.4.2012

Das energiepolitische Seminar der Cadenabbia Akademie, das im Ruhrgebiet vom 22.bis 25.4.2012 stattfand, verfolgte in erster Linie der Beantwortung der Frage, ob die von der Bundesregierung angestrengte Energiewende Aussicht auf Erfolg haben oder ob sie im ungünstigsten Fall den Industriestandort Deutschland gefährden könnte. Voraussetzung für die Beantwortung dieser Frage ist die Kenntnis der Energieproduktion und der Energiebereitstellung. Gerade im Zuge der Energiewende mit ihrem Verzicht auf Kernenergie ist die Stromerzeugung mittels Braunkohle als heimischer Energieträger von hoher Bedeutung.

Welche Wertschöpfung der Abbau von Stein- und Braunkohle durch die unterschiedlichen Zechen im Ruhrgebiet in der Vergangenheit bis heute hatten, das zeigte zu Beginn des Seminars die Führung durch die Zeche Zollverein in Essen mit einer Besichtigung des Museums, das repräsentativ zu andren Zechen im Ruhrgebiet den Untertageabbau von Steinkohle bis ins Jahr 1986 in erstaunlichen Mengen und mittels größter menschlicher Fleißarbeit vollzog. Heute ist sie Weltkulturerbe.

Welche Bedeutung die RWE als eine der größten Stromerzeuger in Deutschland für die Energieversorgung im neuen Zeitalter der atomfreien Energiegewinnung hat, dies erfuhren die Teilnehmer durch das Referat von Dr. Peter Heinacher, Leiter Energiepolitik bei der RWE AG. Eine Anpassungsleistung an die neuen gesetzlichen Maßnahmen würde von RWE akzeptiert und mitgetragen, gleichwohl vermittelte er den Eindruck, dass es in diesem Markt zu Wettbewerbsverzerrungen gekommen sei. Dies sei der Fall, wenn nach 12 Jahren bei den neuen Energieformen immer noch von Anschubsinvestitionen auf der politischen Eben geredet würde. Energiepolitik sei immer auch im gesamteuropäischen Rahmen zu sehen.

Die Parl. Staatssekretärin im Umweltministerium, Ursula Heinen-Esser, sprach davon, dass die Energieeffizienz gesteigert werde müsse und der Ausstieg aus der Kernenergie mehrheitlich begrüßt werde, wobei lediglich 7 Prozent der Befragten diese ablehnten. Es ginge nicht mehr darum, ob die Energiewende komme, sondern um das „Wie“. Sie malte ein optimistisches Bild, die erneuerbare Energie in ausreichendem Maße steigern zu können. 2011 sei Deutschland Strom- Nettoexporteur gewesen. Der Netzausbau sei unumgänglich, aber schwierig in der Umsetzung für Land, Kommune und Bürger. Frau Loske, unterstellte der Politik eine zu unklar definierte und wenig zielorientierte und damit wenig berechenbare Energiepolitik.

Einen sehr erleuchtenden Vortrag zu der Wirkung von Bürgerbeteiligung hielt Frau Stephanie Schunk, zuständig für die Unternehmenskommunikation von RWE. Der Konsens zu einem Energiekonzept sichere noch nicht die Zustimmung zu konkreten Projekten. Auch bei bester Vorbereitung bleibe jedes Projekt eine Herausforderung mit unsicherem Ausgang. Ein Patentrezept zur Bürgerbeteiligung gebe es nicht.

Alexander Frohne, zuständig für die Unternehmensentwicklung führte aus, dass ein Viertel des Stroms bis 2050 nach Wunsch der Bundesregierung eingespart werden solle (Import 20 %, Erneuerbare 45%, konventionelle Energie 10%). Er zeigte die Problematik des geplanten Netzausbaus bis 2020 mit etwa 4.000 km Netz auf, von denen heute erst knapp 200 km existierten (2005 bis 2011 sind nur 215 km ausgebaut worden und bis 2015 wird man nicht mehr als 635 km ausbauen können.) Deutschland sei zwar 2011 im Jahresdurchschnitt Nettoexporteur gewesen, 2012 sei dies nicht mehr möglich. Im Februar 2012 wären alle verfügbaren Kraftwerkskapazitäten am Netz gewesen und es wäre beinahe zu einer Versorgungslücke gekommen mit unabsehbaren Folgen für den Industriestandort Deutschland. Auch im Energiesystem der Zukunft müssten Stromversorgung und Stromverbrauch im Gleichgewicht gehalten werden.

Herrn Kerlen, zuständig für regionale Kontakte für die Energiepolitik, hat die Gruppe dankenswerterweise begleitet in den für Außenstehende außerordentlich beeindruckenden Tagebau Garzweiler, wo Braunkohle in riesigen Mengen für die nahe gelegenen Kraftwerke abgebaut wird. Diese „Umwandlung“ geschieht mit einem Wirkungsgrad von 43 Prozent in dem modernsten Braunkohlekraftwerk der Welt in Grevenbroich, das uns von Dr. Eberhard Uhlig und Herrn Pakmor vorgestellt wurde.

Nicht weniger beeindruckend für die Teilnehmer der Cadenabbia Akademie war die Besichtigung der Stahlgewinnung bei ThyssenKrupp Steel Europe AG, die auf große Energiemengen angewiesen ist und den Stahl vom Roherzeugnis bis hin zum dünn ausgewalzten Stahlrollen in einer langen Produktionsbahn zeigt.

Insgesamt kam auch die Kultur nicht zu kurz, sei es in Form eines Stadtbummels durch die moderne Industriestadt Essen mit der Besichtigung des Essener Münsters, einem sehr warmen Empfang durch die Bürgermeisterin Kwasny, die uns die Abhängigkeit der Stadt Grevenbroich von der Kohle verdeutlichte und der Besuch des Gasometers in Oberhausen sowie als Abschluss der Villa Hügel in Essen.

Zuständig für die Organisation: Dr. Rainer Kruse, Dr. Michael Boch, Karl

Dangelmayer, für die KAS: Marita Ellenbürger,

Karl-Heinz B van Lier