Veranstaltungsberichte

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„Welche Auswirkungen hat die aktuelle Finanz- und Wirtschaftspolitik auf das private Vermögen?“

Politischer Salon zum Thema „Finanzmartkkrise“

Angesichts der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung Mainz Experten zum Gespräch geladen, um die Auswirkungen der veränderten Finanz- und Geldmarktpolitik des Staates auf das private Vermögen zu beleuchten und zu diskutieren. Auch wenn die konkreten Auswirkungen auf das Anlageverhalten im Privatbereich nicht absehbar sind, so waren sich die Experten einig, gibt es dennoch Anlageformen, die weniger risikobehaftet sind.

Ina Kötter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz stellte eingangs der Veranstaltung allgemeine Kriterien vor, die bei einer Geldanlage in jedem Fall Beachtung finden sollten, um Geld mit einer höchstmöglichen Sicherheit anzulegen. Wichtig, so Kötter, sei vor allem die reelle Einschätzung der individuellen Lebenssituation und die konkrete Fokussierung auf die individuellen Anlageziele. Richtig kann es dabei auch sein gegebenenfalls zu zweit zu einer Finanzberatung zu erscheinen, da eine Falschberatung, bzw. die Beweislast hierfür auf Seiten des Beratenen liegt. Grundsätzlich gilt: je höher die Rendite, umso größer das Risiko. „Die Sicherheit der Anlageform muss ebenso geprüft werden wie die eigene Risikobereitschaft“, weiter erläuterte Kötter, dass laufende Kosten und Gebühren neben der Inflationsrate stets den Ertrag einer Anlage schmälern und sich eine Rendite zunächst lediglich aus der laufenden Verzinsung ergibt. Für den Fall unvorhersehbarer Ausgaben sind zudem Flexibilität und Liquidität einer Anlage sehr wichtig. Hier ist vor allem das Tagesgeld als Liquiditätsreserve empfehlenswert, der Anlagebetrag sollte in der Regel drei bis fünf Nettomonatsgehälter betragen. Weniger flexibel, dafür aber umso mehr geeignet für sicherheitsbetonte Anleger, sind Festzinsanlagen, die meist unterschiedliche Zeiträume angeboten werden. Als sichere Anlageprodukte empfiehlt die Verbraucherzentrale weiterhin Guthaben auf Girokonten, Sparbücher, Tages- und Festgeld, Sparbriefe und alle staatlichen Wertpapiere wie Tagesanleihen, Bundesschatzbriefe und Bundesanleihen. Abzuraten sei - im Hinblick auf die Sicherheit - hingegen von Aktien, Investmentfonds, Anleihen und Zertifikaten.

Oliver Senger, Immobilienconsult in Mainz, informierte die Teilnehmer im Rahmen seines Vortrags über die Lage auf dem Immobilienmarkt. Dabei betonte er, dass die Immobilie trotz der derzeitig angespannten wirtschaftlichen Lage noch immer eine stabile Anlageform sei und auch jetzt viel für eine gebrauchte Immobilie in guter Lage eines städtischen Ballungsraums spreche. Allerdings, so Senger, kommt es darauf an „was man wann, wo und von wem kauft“. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass die Hochs und Tiefs der deutschen Immobilienwirtschaft stets sehr stark von politischen Einflüssen, Steuervergünstigungen und Abschreibungsbedingungen bestimmt waren. Grundsätzlich aber seien neue politische Entwicklungen nicht sofort umsetzbar, da der Immobilienmarkt ein relativ träger Markt sei, so Senger weiter. Speziell der Mainzer Immobilienmarkt zeige sich aber bemerkenswert stabil, seit 2001 sind die Vertragsabschlusszahlen (auch im Bereich der Eigentumswohnungen) gleichgeblieben. Den Markt für Neubauwohnungen erachtet der Immobilienconsult hingegen als stark rückläufig (er halt mittlerweile lediglich noch die Hälfte des Umfangs von 2001), die vielbeschworene Immobilienkrise ist daher vielmehr als „Neubaukrise“ zu interpretieren. Die Aussichten für Immobilienbesitzer sind Senger zufolge gut. Die Defizite zwischen Bedarf und Bau, die allgemeine Zunahme der Zahl an Haushalten in Deutschland und der sich daraus ergebende Wandel in der Nachfrage (u.a. durch alternde Gesellschaft, Anstieg der Pro-Kopf-Wohnfläche und unterschiedlicher wirtschaftlicher Dynamik in den verschiedenen Regionen) wird langfristig auch zu einem gewissen Grad an Wohnungsmangel und somit zu steigenden Preisen führen. Wer sich antizyklische verhalten will, „sollte daher jetzt über den Erwerb einer Immobilie nachdenken“. Unter anderem auch, weil die derzeitige Zinssituation günstig sei.

Zu der Frage wie sich steuerliche Veränderungen auf das Privatvermögen auswirken werden, referierte Diplomkaufmann Patrick Henkel, dass die staatlichen Maßnahmen zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise künftig über Mehrbelastungen refinanziert werden müssen. Der Experte geht daher davon aus, dass eine Mehrwertsteuererhöhung, eine Börsenumsatzsteuer, eine Vermögenssteuer, eine Abgeltungssteuer und die Anhebung des Spitzensteuersatzes in naher Zukunft unabwendbar sein werden. Auch über eine allgemeine Gebührenerhöhung (z. B. der Abfallgebühren), eine Beitragssatzerhöhung bei der Kranken- und Rentenversicherung und über das neue Alterseinkünftegesetz werde sich der Staat, so Henkel, seine Mehrausgaben, die durch die Konjunkturpakete, Zinssenkungen, Liquiditätsbereitstellungen und kommunale Investitionsprogramme entstanden sind, wiederholen. Der Unternehmensberater rät daher dringend dazu die eigenen Steuerunterlagen auf legale Sparmöglichkeiten hin zu prüfen. Zudem sollten vor allem junge Menschen frühzeitig ihre Altersvorsorge sichern und Unternehmen wert auf eine zeitnahe Buchführung legen.

Der Investmentstratege Antonio Sommese beschloss den Politischen Salon mit seinem Vortrag zum Thema „Wie wird die Zins- und Geldentwicklung im neuen Bankenmarkt?“. Die Frage nach der Wiederholbarkeit der gegenwärtigen Krise bejahte Sommese: „Die Krise wird sich wiederholen, wenn man nichts aus ihr lernt“. Als Kriterium für eine gute und fundierte Finanzberatung führte der Experte unter anderem an, dass es zuvorderst wichtig sei, sich bereits im Vorfeld der Beratung die eigenen individuellen Interesse klar zu machen: „Ein guter Berater fragt, was der Anleger will – nicht umgekehrt“. Eine passende Geldanlage ergebe sich, so Sommese weiter, aus einem ausbalancierten und den jeweiligen Anlagebedürfnissen entsprechenden Verhältnis nach den Maßgaben des sogenannten „Magischen Dreiecks“ aus Sicherheit, Liquidität und Rendite. Als Grundregel sollte dabei für den Anleger stets gelten: Was ich nicht verstehe, kauf ich nicht. Sommese sieht den Erfolg einer Geldanlage demnach im richtigen Verhältnis von Chance und Risiko, bzw. „Angst und Gier“. Ausgewogen anzulegen bedeutet z. B. nicht, Aktien langfristig liegen zu lassen, sondern sie mindestens einer vierteljährlichen Kontrolle zu unterziehen. „Sicherheit“, meint Sommese, „ist immer nur ein relativer Zustand – er existiert nur für einen bestimmten Zeitraum und unter bestimmten Bedingungen.“