Veranstaltungsberichte

"Jeder Sender braucht Leuchttürme"

von Elisabeth Bauer, Ricardo Hoffmann

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut zu Gast beim Lübbecker Landkreisgespräch

Auf Einladung des Bildungswerks Dortmund der Konrad-Adenauer-Stiftung war ZDF-Intendant und KAS-Altstipendiat Dr. Thomas Bellut zu Gast beim Lübbecker Landkreisgespräch. Thema des Abends: „Medien Machen Meinung“. Moderiert wurde das Gespräch von der Landtagsabgeordneten und stellvertr. Landrätin des Mühlenkreises Kirstin Korte MdL.

Frau Korte erweiterte in ihrer Anmoderation das Thema um die Frage „Machen Meinungen Medien?“ – Diesen Aspekt griff Herr Dr. Bellut sofort auf. Er erläuterte, dass sich die Medienwelt und das Geschäft in dieser durch das Netz fundamental verändert habe. Den sozialen Medien komme heute eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Die digitale Welt sei aber eine andere, oftmals sei das alleinige Ziel, mit einem „Drang zum Sensationellen“ mehr Klicks zu erreichen. Der Auftrag bei der Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sei, Themen und Probleme sachlich und nicht ungefiltert und emotional darzustellen.

Alle Medien, insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender, müssen sich jedoch „mit der Wirklichkeit beschäftigen“. Zwei Zahlen führten in diesem Zusammenhang zu einem großen Erstaunen unter den Gästen: jeder Deutsche sitze täglich durchschnittlich 222 Minuten vor dem Fernseher! – den Zustand des Fernsehens konnte Dr. Bellut somit als „stabil“ bezeichnen. Für das ZDF ergänzte er die Information um die Zahl 1,5 Millionen – die Anzahl von Nutzern, die das Angebot des Senders online nutzen.

Bezogen auf die „Wucht und Geschwindigkeit“ der heutigen Pressewelt wies Dr. Bellut darauf hin, dass das ZDF – wie die Medien insgesamt – „nicht dem Mainstream hinterherlaufen“ dürften. So sei durch die frühe Urteilung über gewisse Sachverhalte die „Unschuldsvermutung verloren gegangen“. Als aktuelles Beispiel führte Dr. Bellut die Berichterstattung über den ehemaligen Bundespräsidenten, Christian Wulff, auf. Auch warb er für mehr „Fairness“ – gar eine „Waffengleichheit“ - damit eine Begleitung der Politik durch die Medien gewährleistet werde und eben nicht gegeneinander gearbeitet werde.

Dr. Bellut zeigte Verständnis dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen wollten und auch sollten, wofür seine Gebühren verwendet würden. Die Gebühren würden erhoben, um der Gesellschaft ein gutes Programm zu bieten und nicht, um Profit zu erzielen. Weiter führte er aus, dass die über Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender Garanten für eine unabhängige Berichterstattung seien. Als Beispiel führte er das Duell der Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl an. Auch mit einem Moderator Stefan Raab ist er sich sicher: „Die Stars werden die Kandidaten sein, und nicht Raab“. „Ohne die öffentlich-rechtlichen Sender hätten wir ein anderes politisches System.“– so Dr. Bellut abschließend.

In der abschließenden Diskussionsrunde konnten die Gäste Fragen an den Referenten stellen. Diese richteten sich mehrheitlich auf die Frage der Bezahlungen von Moderatoren in „exorbitanter Millionenhöhe“, wie es ein Teilnehmer formulierte. Dr. Bellut konstatierte, dass es solche Zahlungen beim ZDF definitiv nicht gebe. „Wetten dass“ sei in der Produktion auch nicht teurer als ein 90minütiger Film. Die Kosten belaufen sich in beiden Fällen auf ca. 1,5 Millionen Euro.

Bellut stellte darüber hinaus fest, dass es „Leuchttürme der Aufmerksamkeit“, wie z.B. „Wetten dass“ oder die Übertragung von Champions League Spielen, geben muss. Letztere kosteten zwar viel Geld, doch wie beschrieben sei „das Fernsehen insgesamt ein teurer Spaß“. Gerade aber über solche „Leuchttürme“ ließen sich wieder neue Zuschauer für den Sender gewinnen oder auch binden.