Présentations & compte-rendus

Wie ist der Status Quo in der Truppe?

Veranstaltungsbericht Brake

Diskussionsveranstaltung in Brake zur Rolle der Bundeswehr

Das Hermann-Ehlers-Bildungsforum Weser-Ems veranstaltete eine Diskussionsrunde zum Thema „Zeitenwende in der Bundeswehr - Wie ist der aktuelle Status Quo der Truppe“. Hierzu wurden Björn Thümler MdL, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, Susanne Bruns; Referatsleiterin im Bundesministerium der Verteidigung und Leiterin Psychologischer Dienst der Bundeswehr, Thomas Kossendey; Staatssekretär a. D. Bundesministerium der Verteidigung, Markus Wedemeyer; Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Weser-Ems, eingeladen. Nach kurzen Eröffnungsworten durch Manuel Ley und Björn Thümler führte Alexandra Schwarting als Moderatorin durch den Abend.

Thomas Kossendey sorgte sich: Die Aufmerksamkeit für Themen der Landesverteidigung und Bundeswehr könnte schon bald wieder abflauen. Er meinte: "Viel zu viele Menschen haben sich daran gewöhnt, dass wir in Frieden und Freiheit leben." Doch wer Frieden und Freiheit wolle, müsse diese unter Umständen verteidigen. Dafür ist aus Sicht von Thomas Kossendey nicht nur eine gute Ausrüstung und Ausstattung der Bundeswehr erforderlich, sondern vor allem intensive Rückendeckung durch die Bevölkerung. Soldaten wünschen sich mehr Anerkennung An der mangele es momentan noch, stellte Susanne Bruns fest. Sie leitet den Psychologischen Dienst der Bundeswehr. Studien zeigten, dass die Soldatinnen und Soldaten Verständnis und Anerkennung der Gesellschaft schmerzlich vermissten. Doch einen wichtigen Einfluss auf die Motivation habe auch die Qualität des verwendeten Materials, so Susanne Bruns. Durch das 100-Milliarden-Euro-Paket wird sich die materielle Situation für die Bundeswehr verbessern. Darin waren sich die Diskutanten einig – obwohl Markus Wedemeyer die Befürchtung äußerte, die Bundespolitik könnte sich "mit einer plakativen Summe freikaufen" und die Diskussion nach dem Motto "Paket erhalten und nun ruhig sein!" schnell zum Erliegen kommen. Nach Auffassung Björn Thümlers ist das Investitionsvolumen von 100 Milliarden Euro notwendig, aber unzureichend. Vielmehr müssten inflationsbereinigt zusätzlich 25 Milliarden Euro pro Haushaltsjahr in die Verteidigung gesteckt werden.

Nur auf diese Weise seien die NATO-Verpflichtungen künftig erfüllbar. "Die Zeiten der Friedensdividende, in der Einsparungen bei der Verteidigung finanzielle Spielräume in anderen Politikbereichen ermöglichten, sind vorbei", betonte er. Gegenwärtig bleibt der von Bundeskanzler Olaf Scholz geprägte Begriff der Zeitenwende nach dem Eindruck Björn Thümlers inhaltsleer: "Außer neuen Schulden gibt es bis jetzt keine konkreten politischen Schritte, die die Bundesregierung mit diesem Wort verbunden hat." Breiten Raum nahm auch die Frage ein, ob in Deutschland ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr eingeführt werden sollte und das Aussetzen der Wehrpflicht eine richtige Entscheidung war. Die Diskutanten waren sich einig, dass die Rückkehr zur Wehrpflicht zurzeit nicht erstrebenswert wäre. Hinter ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr setzten sie ebenfalls Fragezeichen. Eines der Argumente trug Susanne Bruns vor: "Ich möchte mich später als womöglich pflegebedürftiger Mensch nicht von Personen pflegen lassen, die dazu quasi gezwungen werden." Jedoch, formulierte Björn Thümler, könnte Deutschland durch eine Diskussion über Pflichten gegenüber der Gesellschaft sowie über die Identifikationsbereitschaft gegenüber Staat und Wertegemeinschaft bereichert werden. Im Anschluss konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch Fragen stellen und mit den Referenten rege diskutieren.

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Manuel Ley

Manuel Ley

Leiter des Hermann-Ehlers-Bildungsforums Weser-Ems

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