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보고서

Spillover in den Südkaukasus?

Was eine weitere Eskalation im Iran-Krieg für Armenien und Aserbaidschan bedeuten könnte

Der US‑israelische Angriff auf den Iran verschärft auch für den Südkaukasus (geo-)politische Risiken. Aserbaidschan ist bislang durch Drohnenangriffe besonders exponiert, doch auch Armenien drohen indirekte Folgen wie Flüchtlingsbewegungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und Bedrohungen für Energieinfrastruktur. Europa ist gefordert, da eine Eskalation Rivalitäten verstärken, Partner bedrohen und unsere Energie- sowie Sicherheitsinteressen unmittelbar berühren würde.

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Die Auswirkungen des US-israelischen Angriffs auf den Iran sowie dessen Vergeltungsschläge erhöhen die strategischen Risiken für die Länder des Südkaukasus. Direkt betroffen ist bislang vor allem Aserbaidschan durch einen – mutmaßlichen – iranischen Drohnenangriff. Auch aufgrund seiner engen sicherheits- und energiepolitischen Beziehungen zu Israel sowie geografischen Nähe zu Iran ist das Land exponiert. Doch auch Armenien und indirekt Georgien könnten Folgen schnell zu spüren bekommen, etwa durch potenzielle Flüchtlingsbewegungen, humanitäre Belastungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und erhöhte Risiken für die Energieinfrastruktur. Eine Destabilisierung Armeniens im Vorfeld der Richtungswahl im Sommer könnte die aktuelle Entwicklungstendenz des Landes stark herausfordern. Eine Ausweitung der Eskalation in die Region Südkaukasus könnte aber auch unmittelbare Auswirkungen auf europäische Energiesicherheit und Lieferketten haben. Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit für Deutschland und die EU, den Südkaukasus stärker als sicherheitspolitische Schlüsselregion zu behandeln – nicht nur zwischen Europa und Zentralasien, sondern auch zum Nahen Osten. Insbesondere mit Blick auf Armenien könnte bei einer Eskalation schnelle wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung einen wichtigen Unterschied machen.

 

Regionale Ausgangslage

Der Südkaukasus bildet eine geopolitische Schnittstelle zwischen Russland, der Türkei, Iran und Europa und besitzt für Europa hohe strategische Bedeutung. Durch die Region verlaufen zentrale Energie-, Transport- und Handelsrouten (Stichwort Middle Corridor), darunter die Baku-Tbilisi-Ceyhan-Ölpipeline (BTC) und die Südkaukasus-Gaspipeline (Teil des Southern Gas Corridor). Die Energieinfrastruktur des Südkaukasus transportiert derzeit primär aserbaidschanische Ressourcen nach Europa und stellt eine zentrale Säule der europäischen Diversifizierungsstrategie gegenüber russischen Energielieferungen dar. Gleichzeitig bildet die Region einen zentralen Teil des sogenannten Transkaspischen Korridors, der langfristig verbesserte Energie- und Handelsverbindungen zwischen Europa und Zentralasien ermöglichen soll.[i] Der Krieg zwischen Israel/USA und Iran erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Infrastruktur indirekt Ziel geopolitischer oder militärischer Druckmittel wird.

 

Kurz- und mittelfristige Szenarien

Sollte der militärische Konflikt weitgehend auf direkte Auseinandersetzungen zwischen Israel/USA und den Iran sowie einzelne Vergeltungsschläge in der Golfregion begrenzt bleiben, bekäme der Südkaukasus vor allem indirekte Auswirkungen zu spüren. Die Sicherheitslage rund um Energie- und Transportinfrastruktur würde sich verschärfen, da Pipelines und logistische Korridore potenziell strategische Ziele für Angriffe blieben. Dies würde zu höheren Sicherheitskosten für Betreiber und Staaten entlang der Infrastruktur führen. Gleichzeitig könnten steigende Energiepreise die wirtschaftliche Bedeutung des Südkaukasus kurzfristig erhöhen. Humanitäre Auswirkungen wären in diesem Szenario begrenzt, könnten sich jedoch in moderaten Flüchtlingsbewegungen aus dem Nordwesten Irans in Richtung Armenien und Georgien äußern.

Bei einer weiteren Regionalisierung des Konflikts könnte Iran hingegen versuchen, politischen oder militärischen Druck auf regionale Partner Israels auszuüben, insbesondere auf Aserbaidschan. Dies könnte sich in begrenzten militärischen Zwischenfällen, Drohnenangriffen oder Cyberoperationen gegen kritische Infrastruktur äußern (wie mutmaßlich bereits am 5. März auf den Flughafen Nachitschewan)[ii], etwa gegen Energieanlagen oder Transportkorridore. Eine solche Dynamik würde auch die Türkei stärker auf den Plan rufen, da Ankara als engster strategischer Partner Aserbaidschans fungiert. Zwar wäre eine großflächige militärische Eskalation weiterhin unwahrscheinlich, doch könnte eine solche Entwicklung die ohnehin fragile Sicherheitslage im Südkaukasus deutlich verschärfen.

Wenngleich verschiedene Unterszenarien zu einer breiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten führen könnten, hätten sie allesamt erhebliche regionale Folgewirkungen für die Südkaukasusländer. Blutige Unruhen, (Bürger-)krieg oder gar Staatszerfall im Iran könnten größere Flüchtlingsbewegungen aus dem Land in Gang setzen, die insbesondere Armenien und indirekt auch Georgien erreichen würden. Direkte iranische Angriffe auf südkaukasische Energie- und Transportkorridore hätten direkte Auswirkungen auf die europäische Energieversorgung und Handelsrouten. Innenpolitisch könnte dies insbesondere für Armenien in der momentanen Lage große Risiken der Destabilisierung bedeuten und die bisherigen Erfolge im Friedensprozess mit Aserbaidschan und der Türkei zunichtemachen.

 

Auswirkungen auf die Länder des Südkaukasus

Aserbaidschan ist derzeit das Land mit dem größten direkten Eskalationsrisiko in der Region. Einerseits unterhält Baku enge strategische Beziehungen zu Israel. Während Israel Schätzungen zufolge über die BTC-Pipeline mehr als die Hälfte seiner Rohölimporte von Aserbaidschan bezieht, liefert es im Gegenzug Militärgerät und Technologie.[iii] Andererseits erhöhen Faktoren wie die lange gemeinsame (wenngleich geschlossene) aserbaidschanisch-iranische Grenze das Eskalationspotenzial. Im Iran lebt eine große aserbaidschanische Minderheit (ca. 15 Mio. Menschen) und das Verhältnis beider Regime ist trotz stellenweiser pragmatischer Kooperation von tiefem Misstrauen geprägt. Zwar dementierte Teheran mehrfach die Verantwortung für einen Drohnenangriff in der Exklave Nachitschewan am 5. März, doch berichtete der aserbaidschanische Staatssicherheitsdienst am Folgetag auch von weiteren vereitelten iranischen Terroranschlägen auf Energieinfrastruktur und jüdisch-israelische Einrichtungen.[iv] Präsident Alijew ließ das Botschaftspersonal aus Teheran abziehen und das aserbaidschanische Militär in höchste Alarmbereitschaft versetzen, forderte eine Entschuldigung und drohte mit Vergeltung. Zwar gratulierte Baku nach einem Telefonat beider Präsidenten dem neuem obersten Führer Irans Modschtaba Chamenei zur „Wahl“ und sandte sogar humanitäre Hilfe in das Nachbarland.[v]Doch eine weitere Eskalation zwischen Iran und Aserbaidschan (etwa ein Angriff auf die BTC-Pipeline) kann nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Mit Blick auf Europas Energiebedarf schätzen Experten, dass Aserbaidschan angesichts der Lieferausfälle aus den Golfstaaten (und Russland) nur sehr begrenzt zusätzliche europäische Nachfrage bedienen könnte, aufgrund bestehender Kapazitätsgrenzen.

Armeniens Regierung versucht derzeit, eine strikt neutrale diplomatische Position einzunehmen, denn das Land befindet sich in einer besonders sensiblen Position – geografisch wie politisch. Der Iran ist für Jerewan trotz großer politischer und gesellschaftlicher Unterschiede ein zentraler wirtschaftlicher und logistischer Partner. So gratulierte auch Premierminister Paschinjan Modschtaba Chamenei zur „Wahl“.[vi] Trotz des laufenden Friedensprozesses mit Aserbaidschan und der Türkei halten jene Länder weiter die Grenzen nach Armenien geschlossen - die etwa 44 km lange Grenze zum Iran ist damit neben Georgien der einzige offene Landübergang für den Binnenstaat Armenien. Im Falle einer weiteren Eskalation im Iran – auch etwa in den angrenzenden „kurdischen“ Gebieten – könnte Armenien mit großen Flüchtlingsbewegungen konfrontiert werden. Dies wäre besonders sensibel, da auf iranischer Seite im Grenzgebiet vor allem ethnische Aserbaidschaner leben und Armeniens Grenzregion zum Iran (die Sjunik-Region) wiederum das aserbaidschanische Kernland von dessen Exklave Nachitschewan trennt. Aserbaidschanische Rhetorik, die in den vergangenen Jahren armenisches Territorium teils als „historisches West-Aserbaidschan“[vii] und gerade die Sjunik-Region unter Verwendung eines aserbaidschanischen Begriffs als „Sangesur-Korridor“ bezeichnete, wurde armenischerseits als indirekte Annexionsdrohung gewertet. Im August 2025 schien es, dass im Weißen Haus eine Lösung dieser Frage gefunden wurde, durch die gemeinsam beschlossene transnationale „Trump Route for International Peace and Prosperity“ (TRIPP). Dieses Konzept soll durch die Beteiligung der Amerikaner und potenziell Dritter Investoren, die verschiedenen Länder, Gebiete und Exklaven durch Infrastruktur verbinden, ohne die staatliche Souveränität Armeniens in Frage zu stellen. Sollte sich eine Destabilisierung des Irans nun auch auf diese Region auswirken, könnte das fragile Gleichgewicht zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder ins Wanken geraten. Gerade vor den im Sommer anstehenden Parlamentswahlen in Armenien steht die Regierung, die sich insbesondere dem Friedensprozess verschrieben hat, unter Druck zu liefern, etwa bei den versprochenen Grenzöffnungen. Sollte dies, wie auch das von längerer Hand angebahnte TRIPP-Projekt, durch den Iran-Krieg platzen, wäre nicht auszuschließen, dass es zu einer neuen Eskalation zwischen Aserbaidschan und Armenien kommt.

Die Regierung Georgiens gratulierte, ähnlich wie Baku und Jerewan, dem neuen Obersten Führer Irans zur „Wahl“. Dies reiht sich ein in eine schrittweise Annäherung zwischen Tiflis und Teheran in den vergangenen Jahren, zu der Staatsbesuche und diplomatische Schritte gehörten.[viii] Öffentlich rief die georgische Regierung im Iran-Krieg zur Deeskalation auf, stellte sich aber nach dem mutmaßlichen iranischen Drohnenangriff auf Nachitschewan an die Seite Bakus.[ix] Eine Ausweitung des Krieges könnte Georgien zumindest indirekt treffen: Einerseits ebenfalls durch potenzielle Flüchtlingsströme, andererseits verläuft die o.g. BTC-Pipeline auch durch georgisches Territorium und ein Angriff auf die Transitinfrastruktur würde der georgischen Wirtschaft schaden. Sollten sich hingegen die in Armenien und Aserbaidschan derzeit in Planung befindlichen Infrastrukturprojekte wie TRIPP durch Spillover-Effekte des Krieges verzögern oder gar aufgegeben werden müssen, könnte Georgien theoretisch wirtschaftlich profitieren, weil es seine bisherige Monopolstellung als Transitland des Südkaukasus erhalten würde.

 

Geopolitische Dynamiken

Je nach Entwicklung und Dauer könnte der US-israelische Angriff auf den Iran die ohnehin komplexe geopolitische Konkurrenz externer Mächte im Südkaukasus verschärfen.

Russland verfügt trotz des geschwächten Einflusses, sowohl durch Ressourcenbindung in der Ukraine als auch sein Versagen als „Schutzmacht“ im Bergkarabachkrieg 2020 und 2023, weiterhin über strukturelle Hebel in der Region. In Armenien unterhält Moskau militärische Präsenz, etwa auf dem Stützpunkt Gjumri, und kontrolliert weiterhin Teile der armenischen Grenzsicherung. Gleichzeitig hat Moskau in der armenischen Gesellschaft und Politik massiv an Zuspruch verloren und wird zunehmend als Gefahr gesehen. Dies hat zur spürbaren außenpolitischen Neuorientierung des Landes geführt, einschließlich einer stärkeren Öffnung gegenüber EU und USA. Auch zwischen Baku und Moskau haben sich die Beziehungen merklich verschlechtert. So ist Russlands erwartbares Mindestziel, den Verlust seines Einflusses zu begrenzen und westliche (inkl. türkischer) Präsenz in der Region einzudämmen. Chaos und Anspannung, etwa durch Flüchtlingsströme in Armenien, könnte Moskau zusätzlich verschärfen und über Desinformation Einfluss auf die Wahlen nehmen, um den „Westkurs“ des Landes zu verhindern. Auch fortbestehende wirtschaftliche und energiepolitische Abhängigkeiten wird Moskau weiter einsetzen, um seinen Handlungsspielraum zu erhalten.

Die Türkei ist heute der wichtigste sicherheitspolitische Partner Aserbaidschans. Seit dem Bergkarabachkrieg 2020 hat sich die Kooperation zu einer institutionalisierten strategischen Allianz entwickelt, die regelmäßige Militärübungen, militärtechnische Zusammenarbeit und teilweise gegenseitige Sicherheitsgarantien umfasst. Ankara verfolgt eine Strategie, die sowohl energie- als auch geopolitische Ziele verbindet, etwa mit Blick auf die stärkere Anbindung an Zentralasien und die turksprachigen Staaten. Im aktuellen Konflikt bot sich die Regierung wiederholt als neutraler Mediator an und verurteilte sowohl den Angriff als auch iranische Gegenschläge, und sendete Beileidsbekundungen zum Tod Chameneis.[x]

Eine Eskalation rund um Iran, gerade im Falle einer direkten Konfrontation zwischen Baku und Teheran, könnte Ankara dazu veranlassen, seine sicherheitspolitische Kooperation mit Aserbaidschan weiter zu intensivieren, auch zur Sicherung regionaler Energieinfrastruktur. Gleichzeitig hätte die Türkei momentan ein Interesse daran, eine direkte militärische Konfrontation mit Iran zu vermeiden, da beide Länder in mehreren regionalen Konflikten bereits in indirekter Konkurrenz stehen. Sollte es zu einer großen Eskalation kommen, die ein Eingreifen fremder Bodentruppen im Iran beinhaltet, könnte ein Augenmerk der Türkei auf die von ethnischen Kurden und Aserbaidschanern bewohnte türkisch-iranische Grenzregion fallen. Jene Gruppen machen im Iran mehr als ein Viertel der Bevölkerung aus.

Für die Europäische Union gewinnt der Südkaukasus derzeit sowohl energie- und handels-, als auch geopolitisch an Bedeutung, nicht nur wegen der Rolle der Region für den Southern Gas Corridor und den Middle Corridor. Zuletzt rückte insbesondere Armenien stärker in den Fokus europäischer Politik. Im Dezember 2025 vereinbarten Armenien und die EU eine vertiefte strategische Partnerschaft, die konkrete wirtschaftliche Integration, politische Kooperation und Reformunterstützung ausbauen soll; zugleich signalisiert die armenische Regierung eine klare europäische Orientierung. Diese Entwicklung unterstreichen etwa der geplante EU-Armenien-Gipfel sowie das am 4. Mai anstehende Treffen der European Political Community (EPC) in Jerewan. Parallel dazu bleibt die EU über ihre zivile Beobachtermission an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze diplomatisch präsent. Dennoch sind die europäischen Handlungsmöglichkeiten weiterhin vor allem diplomatisch und wirtschaftlich geprägt, da die EU in der Region kaum über sicherheitspolitische oder militärische Instrumente verfügt. Sollte Armenien durch die Folgen des Krieges vor den Wahlen destabilisiert werden, könnte für die EU eine wichtige Chance darin bestehen, durch wirtschaftliche Unterstützung die Wahrnehmung eines verlässlichen, substanziellen Partners zu festigen.

Die USA verfolgen im Südkaukasus traditionell mehrere strategische Ziele: die Sicherung alternativer Energie- und Transportkorridore nach Europa, die Begrenzung russischen und iranischen, sowie perspektivisch auch chinesischen Einflusses, sowie die Stabilisierung der Region. Zuletzt unterstrich der Besuch von Vizepräsident JD Vance in Armenien und Aserbaidschan das Commitment für Investitionen in Zukunftstechnologien und Infrastruktur.[xi] Vor dem Hintergrund eines möglichen regionalen Spillovers des Iran-Kriegs könnte Washington seine sicherheitspolitische Kooperation mit Aserbaidschan als engem Partner Israels ausbauen, etwa durch militärische Trainingsprogramme, Verkauf von Militärtechnik oder Geheimdienstkooperation. Entgegen bisherigen Plänen könnten die USA auch eine stärkere Rolle beim Schutz kritischer Infrastruktur übernehmen, etwa im Kontext von TRIPP. 

 

Schlussfolgerungen

Insgesamt zeigt sich, dass der Krieg im Iran die geopolitische Konkurrenz externer Mächte im Südkaukasus intensivieren könnte. Eine weitere Eskalation würde absehbar besonders Aserbaidschan treffen und könnte in Armenien im Vorfeld der Parlamentswahlen zu Chaos führen, welches im schlimmsten Fall die Friedensagenda und Westöffnung der letzten Jahre in Frage stellen könnte. Während Russland versucht sein dürfte, verlorenen Einfluss zurückzugewinnen und Chaos zu nutzen, um den „Westkurs“ der armenischen Regierung zu untergraben, würden die Türkei, USA und EU eher auf Stabilisierung und Sicherung strategischer Infrastruktur setzen. Sollte der Iran in ein Bürgerkriegs- und Zerfall-Szenario schlittern, könnte sich diese Dynamik deutlich verschärfen.

Im Falle eines (friedlichen) Machtwechsels in Teheran und einer Entwicklung des Irans zu einem kooperativen und international konstruktiven Akteur könnte dies aber auch zu neuen positiven Entwicklungsperspektiven für den Südkaukasus führen.

 

Handlungsempfehlungen für Deutschland und die EU

Unterstützung für Armenien vorbereiten

Die EU und Deutschland sollten, etwa durch einen Stabilisierungsfonds, kurzfristig verfügbare humanitäre und wirtschaftliche Hilfsprogramme für Armenien vorbereiten, um etwa die Folgen von Flüchtlingsbewegungen aus dem Iran oder wirtschaftliche Schocks bewältigen zu können. Auch eine stärkere Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich sollte ins Auge gefasst werden, inklusive der Lieferung notwendiger (Aus-)Rüstungsgüter. Die wichtige Signalwirkung an die armenische Bevölkerung wäre: auf Deutschland und die EU ist im Krisenfall Verlass.

Strategische Kommunikation und Resilienz gegen Desinformation stärken

Im Falle einer Destabilisierung Armeniens durch die Kriegsfolgen stiege auch die Wahrscheinlichkeit russischer Einflussoperationen – insbesondere im Vorfeld der Parlamentswahlen. Neben der o.g. Wirtschaftshilfe sollten Deutschland und die EU in dem Fall auch Programme zur Stärkung demokratischer Resilienz und zur Bekämpfung von Desinformation ausweiten, etwa durch Unterstützung unabhängiger Medien, Medienkompetenzprogramme, Kooperation mit lokalen Behörden bei der Analyse hybrider Bedrohungen oder Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Unterstützung zum Schutz kritischer Energie- und Transportinfrastruktur

In Zusammenarbeit mit Aserbaidschan und der Türkei könnten Maßnahmen zur Stärkung der (Cyber-)Sicherheit von Pipeline- und Logistiksystemen ergriffen werden. Mittelfristig könnten Frühwarnsysteme für hybride Angriffe auf solche Infrastruktur eingerichtet werden.

Flagge zeigen im Südkaukasus

Der aktuelle Krieg erhöht das Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung und lässt die Menschen Ausschau halten nach verlässlichen, starken Partnern. Die EU sollte daher Präsenz und Sichtbarkeit in der Region ausbauen, etwa durch eine Verstärkung der EU-Beobachtermission (EUMA), eine engere politische Begleitung des Friedensprozesses zwischen Armenien und Aserbaidschan und die Nutzung des European Political Community-Formats zur sicherheitspolitischen Abstimmung mit den Ländern der Region.

 


 

[i] Germany Trade and Invest (2024): https://www.gtai.de/de/trade/georgien/specials/der-suedkaukasus-wandelt-sich-zu-zentralem-transport-hub-1794106, abgerufen am 11. März 2026.

[ii] Aljazeera (2026): https://www.aljazeera.com/video/newsfeed/2026/3/5/iran-drone-attack-at-azerbaijan-airport, abgerufen am 11. März 2026.

[iii] OC Media (2025): https://oc-media.org/azerbaijan-supplied-israel-with-40-of-its-petrol-during-gaza-war-report-finds/, abgerufen am 11. März 2026.

[iv] Euronews (2026): https://www.euronews.com/2026/03/06/azerbaijan-says-it-stopped-iranian-terror-attacks-dismantled-terror-cells, abgerufen am 11. März 2026.

[v] https://eurasianet.org/armenia-azerbaijan-offer-congratulations-to-new-iranian-supreme-leader

[vi] Azutuyun (2026): https://www.azatutyun.am/a/33699582.html, Abgerufen am 11. März 2026.

[vii] Präsidialadministration Aserbaidschan (2026): Ilham Aliyev viewed conditions created at administrative building of Western Azerbaijan Community » Official web-site of President of Azerbaijan Republic, 11. März 2026.

[viii] Amwaj Media (2025): https://amwaj.media/en/article/iran-s-quiet-comeback-in-georgia

[ix] Civil Georgia (2026): https://civil.ge/archives/723777, abgerufen am 11. März 2026.

[x] KAS Nahost (2026): https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/krieg-im-nahen-osten, abgerufen am 12. März 2026.

[xi] OC Media Explainer (2026): https://oc-media.org/explainer-what-you-need-to-know-about-jd-vances-historic-visit-to-armenia-and-azerbaijan/, abgerufen am 11. März 2026.

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Jakob Wöllenstein
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