Johanna Frank

Veranstaltungsberichte

Berlin braucht eine Bildungsreform

von Johanna Frank

Stadtteilgespräch Pankow

Das Politische Bildungsforum Berlin der Konrad-Adenauer-Stiftung lud zum Stadtteilgespräch der Veranstaltungsreihe „Bildung für die Zukunft“ nach Pankow ein. Akteure aus vielen Bereichen der Bildung diskutierten über fehlende Strukturen im Bildungssystem, Lehrermangel und unzureichende Lehrmittel im Unterricht.

„Wir müssen erstmal die Grundprobleme lösen“

Denise Bittner, Mitglied der BVV Pankow, kritisierte die strukturellen Grundlagen des Berliner Bildungssystems. „Wir brauchen Rechtsgrundlagen, Geld und Personal“, sagte die Politikwissenschaftlerin zu den Voraussetzungen für eine Reformierung der Bildung. Sie kritisierte, dass schon vor einigen Jahren versäumt wurde, ausreichend Lehrer einzustellen. „Was auf der Strecke bleibt […], ist die Lehre“. Sie forderte eine Lösung für die Grundprobleme. Dem schloss sich auch die Lehrerin Gabriele Kasigkeit an, vor allem die Standardsenkung an Schulen sei problematisch. Hildegard Bentele, Mitglied des Abgeordnetenhauses und Spitzenkandidatin der CDU für das Europaparlament, sah die Probleme ebenfalls bei den Rahmenbedingungen. „Am Geld allein kann es nicht mehr liegen“, meinte Bentele.

„Man vermittelt mehr Kompetenzen als Inhalte“

Nicht nur die strukturellen Voraussetzungen würden fehlen. Unterrichtsinhalte stünden immer mehr im Hintergrund, es bestehe ein Mangel im Bereich der Lehrmittel. Die vorhandenen Gelder könnten nicht gezielt dort eingesetzt werden, wo Schulen sie benötigen. „Es gibt so viele Rechtsgrundlagen in Berlin, dass sie sich teilweise widersprechen“, kritisierte Stadtrat Torsten Kühne. Lehrer könnten oft nicht effizient arbeiten, weil es zum Beispiel nicht genug technische Hilfsmittel gebe, fügte Gabriele Kasigkeit vom Deutschen Philologenverband hinzu. Die Versäumnisse bei der Vermittlung von Inhalten führen dazu, dass Abschlüsse an Bedeutung verlören, stellte Bentele fest. Die Politikerin forderte Vergleichsprüfungen ab der vierten Klasse, um einheitliche Unterrichtsstandards zu schaffen und ein Schulplatzvergabesystem nach Leistung. Jedoch gäbe es auch einige positive Aspekte an den Pankower Schulen, wie der Stadtrat Kühne berichtete. Viele Schüler würden an Roboter-Wettbewerben und NASA-Projekten teilnehmen.

Berlin fehlt die Verbeamtung

Der Lehrermangel ist ein allgegenwärtiges Thema an den Berliner Schulen. „Nur ein Drittel der Lehrer in Berlin hat ein Lehramtsstudium“ stellte Bittner fest. Bei dem Einstellen von Quereinsteigern handle es sich um ein „Laborversuch auf Kosten der Lehrer“. In Berlin würden vermehrt Quereinsteiger eingestellt werden, da nicht genug Lehrer mit abgeschlossenem Studium zur Verfügung stehen würden. Der Schulleiter Markus Stang erklärte, dass er ausgebildete Lehrer nicht halten könne, da diese lieber in ein Bundesland gehen, wo sie sich verbeamten lassen können und somit einen sicheren Job hätten. Es gebe große Unterschiede beim Gehalt zwischen Angestellten und Lehrern. Um das Problem des Lehrermangels zu beheben, forderte Bentele eine duale Lehrerausbildung, um mehr pädagogische Inhalte zu vermitteln und die Wiedereinführung der Verbeamtung sowie mehr Investitionen in die Lehrerausbildung.

Ansprechpartner

Christoph Korneli

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