Veranstaltungsberichte

Von „Möwen auf Mülltonnen“ und der Nachfrage hochwertiger Immobilien

von Thomas Wille
Dem sommerlichen Wetter trotzend diskutierten Fachleute und Bremerhavener Bürger im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Talk am Meer“ der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Bremerhavener „Quartiersentwicklung in Lehe und Geestemünde“ im t.i.m.e.Port II.

In Anbetracht des schönen Sommertages in Bremerhaven begrüßte Veranstaltungsmoderator Günter Dieckhöner die anwesenden Bremerhavenerinnen und Bremerhavener im t.i.m.e.Port II ausnahmsweise zu einer „Schattenveranstaltung“, auf der über die städtische Quartiersentwicklung in Lehe und Geestemünde diskutiert wurde, die – um beim Bilde zu bleiben – gelegentlich ähnlich „schattenreich“ assoziierbar ist.

In einem Impulsreferat umriss Dipl.-Ing. Volker Holm (Stadtrat und Baudezernent der Stadt Bremerhaven) die historischen Herausforderungen, die insbesondere mit dem Synonym der „Werftenkrise“ verbunden waren. Doch auch in Zukunft stünde Bremerhaven durch den demographischen Wandel (und dem damit einhergehenden Einwohnerrückgang) ein gewaltiges Problem ins Haus. So wird sich die Einwohnerzahl im Jahre 2015 auf etwa 100.000 reduzieren. Für Holm ist der Ausgang jenes Prozesses, im Hinblick auf die Stadtentwicklung, voraussagbar: Einleitend mit einem Einwohnerrückgang, folgt der Leerstand, der schließlich in einer Verwahrlosung endet – enden könnte. Denn: In Bremerhaven habe man in dieser Hinsicht gelernt, so zumindest lassen sich die kritischen Ausführungen von Volker Holm bewerten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion kamen weitere Positionen zum Ausdruck: Hans Richard Wenzel (1. Vorsitzender Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe) warnte beispielsweise davor, Eigentümer von Wohnungen und Häusern im Stadtteil Lehe alleine zu lassen. Durch fehlende Unterstützung der Stadt gegenüber Eigentümern würden diese regelrecht aus Lehe „flüchten“. In manchen Straßen sei ein Zustand der Verwahrlosung erreicht, bei dem Mülltonnen nicht einmal mehr Deckel hätten und Möwen darin nach Nahrung suchten.

Angesichts solcher Szenarien sieht Dr. Ing. Olaf Voßhans, Vorsitzender Haus und Grund Bremerhaven, die Stadt in der Pflicht. Zwar seien enorme Anstrengungen zur Sanierung von Bremerhaven unternommen worden, die auch Voßhans würdigt, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass hierbei die Sanierung der Quartiere Geestemünde und Lehe vernachlässigt wurde.

Mit einem bisschen mehr Optimismus versuchte es dagegen der CDU-Fraktionsvorsitzende in Bremerhaven Paul Bödeker. Er habe nicht an den bereits vollzogenen Wandel „hin zum Guten“ geglaubt. Seiner Meinung nach bestünden in kritischen Zeiten wie diesen zugleich auch immer Chancen. So könne man bereits mit Kleinigkeiten eine positive Grundstimmung erzeugen, die zu einer Verbesserung der Lebenssituation in der gesamten Stadt führe.

Standortmanager in Geestemünde, Dipl.-Ing. Thomas Ventzke, wies vor allem auf einen Verdrängungswettbewerb des kleinen Einzelhandels vor Ort hin. Kleine Läden könnten sich nur schwer gegen die größeren Einkaufsketten durchsetzen. Zudem verstärke der Konsument diese Entwicklung durch sein persönliches Kaufverhalten, indem er z. B. vermehrt in Einkaufszentren oder ins Internet ausweicht.

In der offenen Diskussion kamen sowohl Ängste als auch Möglichkeiten der Stadt und seiner Quartiere zum Ausdruck: Eigentümer berichteten über ihre Erfahrungen mit sogenannten „Mietnomaden“. Andere wiederum sahen durch ein Interesse an hochwertigeren Immobilien und einem entsprechenden Bewohnerzuzug ein Zeichen, dass sich Bremerhaven in einigen Jahren positiver darstellen würde. Einigkeit konnte darin erzielt werden, dass Gespräche zwischen allen betroffenen Parteien weiter intensiviert werden müssen, um Konflikte zu lösen und Fortschritte voranzutreiben.