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Zum 95. Geburtstag des ehemaligen polnischen Außenministers Władysław Bartoszewski ist ein Sammelband über das bewegte Leben des Europa-Befürworters erschienen. In dem Buch erinnern 17 Zeitzeugen aus Polen, Österreich, Frankreich und Deutschland an den im April 2015 verstorbenen Staatsmann.

Bei der Buchvorstellung in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung präsentierte die Autorin und Herausgeberin, Bettina Schaefer, Passagen aus dem Band, der unter dem Titel „Für Freiheit kämpfen – selbstbestimmt leben“ erschienen ist. Im Leben von Bartoszewski habe es drei Schlüsselerlebnisse gegeben: Auf dem Appellplatz im Konzentrationslager Auschwitz, in dessen Krankenblock und kurz darauf bei einer Beichte in einer Warschauer Kirche. Diese Momente haben sein weiteres Leben geprägt. „Bis zu seinem Tod war es das wichtigste für ihn, wahres Zeugnis abzulegen und als Holocaustüberlebender über die Gräueltaten im KZ zu berichten“, sagte Schaefer. Er habe sich immer schuldig gefühlt, dass er das große Glück hatte zu überleben. Dies sei noch mehr Ansporn für ihn gewesen, unentwegt zu kämpfen, stetig an die Geschehnisse zu erinnern und etwas in seinem Leben zu bewegen.

In der Diskussionsrunde lobte Dr. Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bartoszewski als heroische Person. Das Buch zeichne ein Bild eines Mannes, dessen Maxime immer „gegen das Vergessen, für das Erinnern“ lautete. Er rang kraftvoll und streitbar für seine Überzeugungen. „Sowohl als Häftling in Auschwitz als auch in stalinistischen Gefängnissen hat er sich nie angepasst, sondern stand für seine Überzeugungen ein“, sagte Pöttering. Alles Leid, alle Erniedrigungen, die ihm widerfahren seien, hätten ihn die Notwendigkeit der Aussöhnung vor Augen geführt, damit sich derartiges niemals wiederhole. Gerade in Zeiten, in denen Europa und insbesondere das deutsch-polnische Verhältnis vor einigen Herausforderungen stehe, vermisse er die Stimme von Bartoszewski. Er hätte die Europäer zum Dialog aufgerufen, ist sich Pöttering sicher. „In der Politik ist es wichtig, immer miteinander zu sprechen und niemanden auszugrenzen“, sagte der Vorsitzende.

Als Patriotisch, europäisch leidenschaftlich und ein unermüdlicher Mahner erinnerte sich Wolfgang Schüssel, ehemaliger Bundeskanzler Österreichs, an Bartoszewski. Der Europabefürworter habe nicht nur immer wieder geschickt seine Themen in Diskussionen einfließen lassen, sondern ihn habe stets die Gegenwart und die Zukunft interessiert. „Für Bartoszewski war Europa ein zivilisatorisches Projekt, das durch Wertvorstellungen verbunden ist“. Sein langjähriger Referent und Begleiter Marcin Basci betonte ebenfalls, dass sich die EU ihrer Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit mehr bewusst machen solle. Er berichtete von mehreren Initiativen, die das Andenken Bartoszewskis hoch hielten. Es würden nicht nur ideelle Denkmäler geschaffen, sondern auch physische Tafeln und steinerne Andenken in verschiedenen polnischen Städten errichtet.

An seinem letzten Arbeitstag habe Bartoszewski beim Verlassen seines Büros gesagt: „Tschüss, ich verschwinde“, erinnerte sich sein ehemaliger, persönlicher Referent. „Aber viele wollen nicht, dass er verschwindet“, wie dieses neu erschienene Buch in Andenken an den Freiheitskämpfer, Auschwitzhäftling und polnischen Außenminister beweise.

Mehr Bilder der Veranstaltung finden Sie auf unserem Flickr Kanal.

Bartoszewski - Buchvorstellung

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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