Dialog mit Polen

Die Politische Meinung, (9/2009) 478

Zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen am 1. September 1939, mit dem der Zweite Weltkrieg begann, ist die schwierige, aber immer wieder geglückte Versöhnung und Verständigung zwischen Deutschland und Polen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Dazu haben vor allem die in Polen hochgeschätzte Rede Angela Merkels bei der Gedenkfeier auf der Westernplatte sowie die gemeinsame Erklärung der deutschen und polnischen Bischöfe beigetragen (Auszüge hier). In der Septemberausgabe der „Politischen Meinung“ treten nun auch die Parlamentspräsidenten beider Staaten Norbert Lammert und Bronislaw Maria Karol Komorowski in Dialog miteinander: In ausführlichen Beiträgen erörtern sie die Frage, auf welche Weise die schmerzliche und tragische Geschichte Erinnerung und Ausdruck erfahren kann, ohne der gemeinsamen europäischen Zukunft eine Hürde zu sein, sondern im Gegenteil als aktiver und vorbildlicher Versöhnungsprozess gerade zum Fundament einer soliden Freundschaft zu werden. Dabei ist es ein Zeichen der fortgeschrittenen Verständigung, dass Unstimmigkeiten, wie sie um das Zentrum gegen Vertreibung in den vergangenen Monaten laut wurden, nicht verschwiegen werden: Dialog dient dazu – so auch hier – Missverständnisse auszuräumen, Verständnis zu erweitern aber auch Verletzbarkeiten kennenzulernen und Differenzen zu tolerieren. Wladyslaw Bartoszewski, den der Herausgeber Bernhard Vogel in seinem Editorial als „streitbaren Brückenbauer“ charakterisiert, weist in seinem Beitrag darauf hin, dass ausgerechnet Deutschland für Polen der wichtigste Partner auf seinem Weg in die Europäische Union und die NATO war. Der so begründete Optimismus im Blick auf die deutsch-polnische Partnerschaft wird durch den neuen Vorsitzenden des Europaparlamentes Jerzy Buzek unterstrichen: Hubert Wohlan beschreibt in einem Porträt das legendäre Vermittlungsgeschick, das den polnischen Beziehungen zum europäischen Ausland grundsätzlich großen Gewinn verspricht. Eckart von Klaeden macht deutlich, inwiefern die Politik im deutsch-polnischen Verhältnis quasi heilkundlicher Methoden und empathischer Fähigkeiten bedarf. Die Intensität und Vielfältigkeit aber auch die Mängel des Dialoges mit Polen wird auch auf den Ebenen der Unterrichtsvermittlung (Jörg-Dieter Gauger), des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes (Pawel Moras), der Arbeit des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Warschau (Stephan Raabe), der deutschsprachigen Literatur von Polen (Arthur Becker), der kulturellen Projekte in der polnischen Peripherie (Basil Kerski) und dem bürgerschaftlichen Engagement allgemein (Burkard Steppacher) deutlich. Das Septemberheft ist die letzte Ausgabe der „Politischen Meinung“ vor der Bundestagswahl; anknüpfend an die Augustausgabe „Vor der Entscheidung“ skizziert Ronald Pofalla die Unterschiede zwischen Union und SPD, die im Rahmen der Großen Koalition in den Hintergrund getreten sind. Die Rubik „Begegnungen“ erinnert an Bruno Heck anlässlich seines 20. Todestages und stellt Bischof Josef Homeyer und seine Kontakte zur Ostkirche vor.

Editorial

Bernhard Vogel mehr...

Polen und Deutschland: Erinnerung und Zukunft in Europa

Schmerz wurde zu schöpferischer Energie
Ein Europa, in dem jedes Volk sich nur auf das Leid der eigenen Opfer konzentrierte, wäre ein grauenvoller Kontinent. Die Vergangenheit soll dazu verpflichten, eine gemeinsame Zukunft zu planen. Bronislaw Maria Karol Komorowski mehr...

Versöhnung braucht Erinnerung

Polen wie Deutschland benötigen eine Sprache der Trauer
Die gemeinsame Geschichte, die Polen und Deutsche verbindet, hat viele Wunden hinterlassen, die sich wechselseitig nicht relativieren. Ohne eine Sprache der Trauer können innere Fremdheit und Misstrauen nicht in eine Versöhnung münden, die für die europäische Zukunft entscheidend ist. Norbert Lammert mehr...

Optimismus bewahren

Polen und Deutschland in der Europäischen Union
Auf dem Weg in die Europäische Union und die NATO war Deutschland der wichtigste Partner an Polens Seite. Weder Differenzen noch populistische Verkürzungen sollten einer dynamischen Fortführung dieser Partnerschaft entgegenstehen. Władysław Bartoszewski mehr...

Der geborene Vermittler

Jerzy Buzek als neuer Vorsitzender des Europaparlaments
Der Chemieprofessor und Solidarnosc-Mitbegründer Jerzy Buzek verspricht als neuer Vorsitzender des Europaparlaments mit seinem legendären Vermittlungsgeschick der europäischen Sache einen großen Dienst zu erweisen. Wegmarken einer politischen Karriere. Hubert Wohlan mehr...

Gemeinsame Zukunft in historischer Gewissheit

Die deutsch-polnischen Beziehungen tragen Früchte
Im deutsch-polnischen Verhältnis muss sich die Politik nach Karl Dedecius im Sinne der Heilkunde betätigen. Dies wird möglich durch intensiven Dialog und die Bereitschaft beider Seiten zur Empathie mit der jeweils anderen. Eckart von Klaeden mehr...

Ein höchst rudimentäres Bild

Deutsche Schulen erzeugen ostkundliche Analphabeten
Deutsche Schulabgänger sind ostkundliche Analphabeten. Lehrpläne und Schulbücher weisen massive Lücken in der deutsch-polnischen Geschichte auf. Hinzu kommen tendenziöse Darstellungen. Jörg-Dieter Gauger mehr...

Impulsgeber für die deutsch-polnische Sache

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk fördert seit 1991 Projekte für junge Menschen
Das Deutsch-Polnische Jugendwerk fördert seit 1991 Projekte für junge Menschen und ist mittlerweile selbst schon Pate bei der Gründung neuer internationaler Fördereinrichtungen. Aussöhnung durch kulturellen Austausch und Sprachvermittlung stehen dabei im Mittelpunkt. Pawel Moras mehr...

Ein partnerschaftlicher Weg

20 Jahre Konrad-Adenauer-Stiftung in Polen
Vor zwanzig Jahren wurde das erste Büro der Adenauer-Stiftung in Polen eröffnet. Seither berät und begleitet sie geduldig den polnischen Demokratieaufbau und lässt so Vertrauen wachsen. Stephan Georg Raabe mehr...

Heimat zwischen Polen und Deutschland

Im Gespräch mit dem polnischen Schriftsteller Artur Becker
„Längst habe ich aufgehört, die Deutschen als Deutsche zu betrachten, sondern sehe sie als meine Landsleute wie die Polen,“ so der Schriftsteller. Ann-Christin Müller, Artur Becker mehr...

"Lebendige Sorge um den Frieden"

Auszüge aus der Deutsch-Polnischen Erklärung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zum 1. September 1939 mehr...

Erneuerung aus der Peripherie heraus

Kulturelle Protagonisten reanimieren das multikulturelle Polen
Kulturelle Projekte knüpfen an die multikulturelle Geschichte Polens an. Damit haben sie in den letzten zwanzig Jahren einen wirksamen Humus gegen Nationalismus und für den polnisch-europäischen sowie auch für den polnisch-deutschen Dialog geschaffen. Basil Kerski mehr...

Ohne Bürger geht es nicht

Zur Qualität der gesellschaftlichen Beziehungen
Die deutsch-polnischen Beziehungen beruhen auf einem jahrhundertealten Fundament, auf dem die Schrecknisse des Nationalismus überwunden werden können. Das bürgerschaftliche Engagement ist dabei einer der stabilsten Pfeiler. Burkard Steppacher mehr...

Fundament für den Aufschwung

Die Union zielt auf eine gemeinsame Kraftanstrengung
Die Erfolge der unionsgeführten Großen Koalition können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es erhebliche inhaltliche Unterschiede zwischen CDU und SPD gibt. Das Wahlvolk steht vor der Frage: Wer hat die Kraft zu den richtigen Entscheidungen in der Krise und zur Sicherung der Stabilität? Ronald Pofalla mehr...

"Gläubig tätig auf festem Grund"

Vor zwanzig Jahren starb Bruno Heck
Er war Bundesminister für Familie und Jugend unter Adenauer, Generalsekretär der CDU und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Vor zwanzig Jahren starb Bruno Heck, der Geist und Politik auf tatkräftige Weise verband. Jürgen Aretz mehr...

"Wir müssen das Östliche wiederentdecken"

Im Gespräch mit Bischof Josef Homeyer
Bischof Josef Homeyer traf beim Seminar „Brücken zur Verständigung“ in Bulgarien auf Vertreter der orthodoxen Kirche. Christen in den Ost- und Westkirchen müssen gemeinsam handeln, um Geschichte aufzuarbeiten. Josef Homeyer, Elmar Bordfeld mehr...

Menschheitsverbrechen Völkermord

- gelesen -
Wolfgang Benz: Völkermord im 20. Jahrhundert. Wiener Vorlesungen / Jacques Sémelin: Säubern und Vernichten. Die politische Dimension von Massakern und Völkermorden / Roméo Dallaire: Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda. Aschot Manutscharjan mehr...

Aktuelles intern

Aktionen, Programme und Publikationen der Konrad-Adenauer-Stiftung
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Kontakt

Die Politische Meinung / Redaktion
Rita Anna Tüpper-Fotiadis
Tel. +49 2241 246-2522
Fax +49 2241 246-2610
Rita.Tuepper-Fotiadis[at]kas . de

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