In einer Zeit, in der Europa mit multiplen, sich überschneidenden Krisen konfrontiert ist – Russlands großangelegter Invasion in der Ukraine, Instabilität im Nahen Osten und einer wachsenden Bandbreite hybrider Bedrohungen –, lassen sich Fragen nach der Verteidigungsbereitschaft Europas und seiner Eigenverantwortung für die Sicherheit kaum noch umgehen. Vor diesem Hintergrund brachte die Podiumsdiskussion „Friends in a Storm: A Frank Dialogue on Europe’s Uncertain Future“ in Riga politische Entscheidungsträger und junge Teilnehmende für einen gezielten und offenen Austausch zusammen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Visvaldis Bērziņš (KAS) und in Kooperation mit The German-Baltic Future Foundation, „Club ‘The House’“ sowie YATA Latvia organisiert.
An der Diskussion nahmen Jürgen Hardt teil, langjähriges Mitglied des Bundestages und außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion mit umfassender Erfahrung in den transatlantischen Beziehungen, sowie Egils Levits, der ehemalige Präsident Lettlands und Rechtsgelehrte, der die verfassungsrechtliche Entwicklung seines Landes maßgeblich geprägt hat. Das Format ermöglichte einen direkten Dialog, bei dem sich die Teilnehmenden aktiv einbrachten, anstatt lediglich vorbereiteten Reden zuzuhören.
Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Frage, ob Europa tatsächlich dazu übergeht, mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen, oder ob weiterhin signifikante externe Abhängigkeiten bestehen. Dies führte zwangsläufig zu Diskussionen über die Verteidigungsausgaben – einschließlich der jüngsten Erhöhungen in Lettland und Deutschland – und der Frage, ob diese einen langfristigen strukturellen Wandel oder lediglich eine Reaktion auf die aktuelle Sicherheitslage darstellen. Zudem wurde die übergeordnete Problematik der regelbasierten internationalen Ordnung thematisiert: Es wurde debattiert, ob diese in der Praxis noch Bestand hat oder ob Europa in ein zunehmend unsicheres und fragmentiertes Umfeld eintritt.
Insgesamt verdeutlichte die Diskussion, dass Europas Wehrhaftigkeit nicht allein an militärischen Kapazitäten gemessen werden kann. Politische Beständigkeit, eine klare strategische Ausrichtung und gesellschaftliche Resilienz wurden immer wieder als ebenso entscheidende Faktoren hervorgehoben. Auch wenn die Schwerpunkte in den Ansichten variierten, herrschte Einigkeit darüber, dass die heute getroffenen Entscheidungen die Rolle und Sicherheit Europas auf Jahre hinaus prägen werden.