Veranstaltungsberichte

Die Entstehung eines europäischen Schulbuchs – Ein Bericht von Prof. Hahn

von Denny Rosenthal
Die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen lud in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen am 16. April 2015 zu einem Vortrag mit dem Thema „deutsch-polnische Geschichte(n). Über ein gemeinsames Schulbuchprojekt“ in Ihren Räumlichkeiten ein. Über die Arbeit an diesem Projekt sowie über die mit ihm verbundenen Schwierigkeiten und Chancen berichtete Prof. Hans Henning Hahn, Osteuropahistoriker und langjähriges Präsidiumsmitglied der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Einleitende Worte sprach Andreas Bösche, der Tagungsleiter an diesem Abend. Die gemeinsame deutsch-polnische Schulbuchkommission wurde nach nicht einmal 30 Jahren Kriegsende im Jahre 1972 gegründet. „Eine positive Errungenschaft“, meinte Bösche.

In seiner sehr offenen und emotionalen Rede berichtete Prof. Hahn über persönliche Eindrücke in der Zusammenarbeit der deutsch-polnischen Schulbuchkommission. Zunächst informierte Prof. Hahn die Zuschauer darüber, was der Begriff Geschichte bedeutet. Der Begriff Geschichte kann in die drei Dimensionen das Geschehen als Tatsache und Vorkommnis, die Kunde des Geschehens und zuletzt in die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte bzw. des Geschehens mit der allgemein verbindlichen Einhaltung von wissenschaftlichen Standards unterteilt werden. „Die Geschichte“ eines Landes ist Prof. Hahn zufolge national bestimmt sowie mit unterschiedlichen Empfindungen der Gesellschaft behaftet und kann daher zumeist sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Deswegen ist die Arbeit an einem Schulbuch so schwierig und gleichzeitig wichtig, weil man sich in ihm am besten über die Geschichte eines Landes oder einer Gesellschaft informieren kann. „Aber moderne Geschichts- und Schulbücher dürfen keine Schlachtfelder mehr sein“, so Prof. Hahn. „Die Zeiten, in denen Geschichtsbücher Stereotypen und nationale Überlegenheit propagieren, sind vorbei“, denn sie dienen heute der Aufklärung und dürfen durchaus auch mehrere Ansichten über ein Geschehen neutral darstellen, so Prof. Hahn.

2008 bekam die Kommission von den Außenministern Polens und Deutschlands den Auftrag, ein Schulbuch zur gesamteuropäischen Geschichte zu entwickeln, das im regulären Schulunterricht eingesetzt werden kann. Im Rahmen dieses Projekts arbeiten Prof. Hahn und sein Team derzeit an einem fünfbändigen Schulbuch, welches im Jahre 2020 erscheinen soll. Schließlich stellte Uwe Metschke die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e.V. vor, welche er vorsitzt. Der Vortrag wurde abschließend mit einer lebhaften und interessanten Fragerunde geführt, in der Zuschauer viele Fragen an Prof. Hahn stellten. In diesem Zusammenhang wurde nochmal der Einfluss von Politik auf die Wissenschaft analysiert und das Fazit von Prof. Hahn gezogen, „dass erwachsene Menschen akzeptieren müssen, dass die Welt und vor allem der Blick auf die Geschichtsschreibung nicht schwarz-weiß ist.“

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

ralf.altenhof@kas.de +49 421 163009-0 +49 421 163009-9