Workshop

Chinas wirtschaftliche Beziehungen zu seinen Nachbarn in Südost-Asien

Am 6./7. Juli 2011 organisierte die KAS|Shanghai in Kunming einen Workshop, um mit chinesischen und internationalen Experten aktuelle Entwicklungen der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der VR China und Süd(ost)-Asien zu analysieren.

Details

Südost-Asien spielt für die Volksrepublik China wirtschaftlich als Quelle von Rohstoffen und als Absatzmarkt eine zunehmende Bedeutung. Das Handelsvolumen zwischen China und den ASEAN-Staaten liegt mittlerweile bei über 300 Mrd. USD. Davon profitieren besonders die chinesischen Provinzen an der Grenze zu Myanmar, Laos und Vietnam. Durch die seit Januar 2010 existierende Freihandelszone zwischen China und den ASEAN-Staaten hat sich die wirtschaftliche Integration weiter intensiviert. Aber auch politisch nimmt der Einfluss auf die Nachbarstaaten deutlich zu.

Im ersten Panel des Workshops erläuterte zunächst Prof. Dr. Ma Yong, Stellvertretender Direktor des Instituts für Wirtschaft an der Yunnan Akademie für Sozialwissenschaften, Chinas Strategien zum Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit Südost-Asien. Die Provinz Yunnan, in deren Hauptstadt Kunming der Workshop stattfand, wird hierbei als „Brückenkopf“ für die Integration gesehen. Um diese weiter voranzutreiben, wird vor allem die Transportinfrastruktur massiv ausgebaut.

Dr. Le Dang Doangh, unabhängiger Wirtschaftsberater aus Hanoi, und Dr. Sompop Manarungsan, Direktor des Panyapiwat Institutes für Management in Bangkok, gaben den Teilnehmern einen Überblick über die ökonomische Bedeutung Chinas für Vietnam und Thailand. Vietnam hat ein gewaltiges Handelsdefizit gegenüber China und die Handelsstruktur ist bislang einseitig: China importiert hauptsächlich Rohstoffe und exportiert im Wesentlichen industrielle Produkte. Zudem ist die Beschäftigungswirkung chinesischer Investitionen im Land noch recht gering. In Laos, Kambodscha und Myanmar lassen sich ähnliche Trends erkennen. Im Gegensatz dazu scheint die thailändische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu sein. Thailand hat nur ein geringes Handeldefizit mit China und exportiert auch einen hohen Anteil verarbeiteter Produkte.

Im zweiten Panel erhielten internationale Experten die Gelegenheit, die Interessen ihrer jeweiligen Länder in Südost-Asien darzulegen. Eitan M. Plasse, Beamter für Wirtschaft und Politik am Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Chengdu, erläuterte die Intensivierung des Engagements der USA in Südwest-China vor dem Hintergrund der amerikanischen Strategie für die gesamte Asien-Pazifik-Region. Hans Mondorf, Deutscher Generalkonsul in Chengdu, erklärte, warum die Region auch für Deutschland und die EU eine wichtige Rolle spielen sollte. Die gewaltigen Infrastrukturprojekte in Südost-Asien bergen großes Potential für europäische Unternehmen. Zudem sollte Europa an der Stabilität und Entwicklung der Region gelegen sein. Hier besteht ein enger Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessen, da europäische Unternehmen bei einer Durchführung von Projekten Maßstäbe für deren Nachhaltigkeit und Umweltstandards setzen könnten. Dr. Pankaj Kumar Jah, Associate Fellow am Institute for Defense Studies and Analyses (IDSA) in Neu Delhi, stellte die Strategie Indiens in Südost-Asien vor dem Hintergrund der indischen “Look East Policy“ vor. Während Indien bis zum Jahr 2000 kaum über Handelsbeziehungen mit Südost-Asien verfügte, sind diese seitdem rapide angestiegen, befördert durch eine Reihe von Handelsabkommen mit ASEAN sowie einzelnen Mitgliedsländern. Der Transport zwischen Indien und den südostasiatischen Staaten gestaltet sich allerdings noch schwierig, weshalb auch die Infrastruktur noch stark ausgebaut werden muss.

Im letzen Panel wurden die Perspektiven für die Entwicklung in Südost-Asien durch die verstärkte Integration mit China diskutiert. Dr. Peter Hefele, Leiter der KAS|Shanghai, präsentierte die Veränderungen in der europäischen Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel des Engagements in der Region und stellte Möglichkeiten für eine engere Kooperation mit China heraus. Der Fokus liegt mittlerweile nicht mehr bei einer reinen Armutsbekämpfung, sondern vielmehr beim Aufbau von Institutionen als Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung. Chinas Investitionen in der Region haben zur Öffnung von Staaten wie Laos und Myanmar beigetragen. Er sieht eine wichtige Aufgabe für die internationale Gebergemeinschaft, stabile und leistungsfähige staatliche und zivile Institutionen zu schaffen, um Handel und Investitionen besser für die Entwicklung dieser Länder und ihrer Gesellschaften nutzen zu können.

Chen Lebo, ein seit Jahrzehnten in der Region tätiger chinesischer Unternehmer, erläuterte, warum die Region für chinesische Unternehmen interessant ist und welchen Beitrag sie zur Entwicklung in Südost-Asien leisten können. China wird schon bald nicht mehr über genügend günstige Arbeitskräfte verfügen, weshalb die Verlagerung von Produktionsstätten in die Nachbarstaaten bereits jetzt attraktiv erscheint. Diese Staaten profitieren seiner Meinung nach sowohl vom Handel mit China, da chinesische Unternehmen günstige Produkte liefern, die den Bedürfnissen in diesen Ländern entsprechen, als auch von den Investitionen, da sie zur lokalen Beschäftigung beitragen.

In der Diskussion wurde herausgestellt, dass viele Staaten in Südost-Asien noch einen weiten Weg vor sich haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu China zu erhöhen. Es muss verstärkt in Ausbildung investiert werden, damit lokale Kräfte für chinesische Unternehmen noch attraktiver werden. Auch die Zehntausenden von chinesischen Studenten in Südost-Asien sowie von südostasiatischen Studenten in China können bei der weiteren Verflechtung eine wichtige Rolle spielen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung Shanghai wird sich in den nächsten Monaten mit verschiedenen Aspekten des Verhältnisses der Volksrepublik China und seinen südostasiatischen Nachbarländern beschäftigen.

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Veranstaltungsort

Kunming / Provinz Yunnan

Referenten

  • Hans Mondorf
    • Eitan M. Plasse
      • Prof. Dr. Ma Yong
        • Dr. Peter Hefele
          • Dr. Le Dang Doangh
            • Dr. Sompop Manarungsan
              • Dr. Pankaj Jah
                • Chen Lebo
                  • Prof. Zhu Zhenming
                    • Prof. Cai Penghong
                      China and South East Asia IV KAS Shanghai
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                      China and South East Asia I KAS Shanghai