Vortrag

Die Euro-Krise und die Zukunft der Europäischen Union

Am 19. März 2012 hielt der Leiter der KAS|Shanghai, Dr. Peter Hefele, einen Vortrag vor Studierenden der Xi'an-Jiaotong-Liverpool Universität in Suzhou zur derzeitigen Eurokrise und den Entwicklungsperspektiven der EU.

Details

Dr. Peter Hefele skizziert einleitend die wichtigsten Entwicklungsschritte auf dem Weg zu einer politisch und wirtschaftlich immer stärker integrierten Europäischen Union. Ein Meilenstein für die Einführung einer gemeinsamen Währung wurde 1992 mit dem Vertrag von Maastricht gesetzt. Dr. Hefele stellte dabei heraus, dass unter strikter Einhaltung dieser „Konvergenzkriterien“ die jetzige Eurokrise vermutlich hätte vermieden werden können. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten der EU in den Bereichen Inflation, Zinsraten und Resistenz gegen Spekulation waren vor dem Beitritt zu einem gemeinsamen Währungsraum sehr groß. Als 1999 der Euro als gemeinschaftliche Währung eingeführt wurde, sollte zur Schaffung von Stabilität und zur Verringerung der Disparitäten eingeführt. Ein stabiler Außenwert des Euro und reduzierte Transaktionskosten bei grenzübeschreitendem Handel haben zunächst eine gute wirtschaftliche Entwicklung begünstigt. Gleichzeitig hat die Einführung des Euro aber auch dazu geführt, dass einige Staaten sich günstig Geld leihen konnten, welches dann häufig ineffizient investiert wurde. Rückblickend, legte Dr. Hefele in seinem Vortrag dar, haben sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte eher noch verstärkt.

Dr. Hefele kam daraufhin auf die aktuelle wirtschaftliche Situation in der EU zu sprechen. Aufgrund der Eurokrise besteht die Gefahr, dass die Region in eine lang anhaltende Rezession verfällt. Durch die auferlegte Sparpolitik kann es zu Wachstumseinbrüchen kommen. Die Umstrukturierung der nationalen Wirtschaften, insbesondere im mediterranen Raum, hin zu einem nachhalten Wachstaum wird lange dauern. Erschwert wird diese Anpassung u.a. durch eine stetig alternden Bevölkerung.

Dr. Hefele stellte eine Reihe von Instrumenten zur Rettung der hochverschuldeten Staaten vor. Dabei ging er besonders auf den Europäischen Finanzstabilitätsmechanismus (EFSM) ein, welcher 2010 eingeführt wurde. Er soll in den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) überführt werden, der im Falle weiterer Zahlungsunfähigkeiten in Zusammenarbeit mit der EZB und dem IWF Kredite in Höhe von bis zu 700 Mrd. Euro zur Verfügung stellen kann.

Anschließend stellte er kurz die Haltung zur Zukunft des Euro aus deutscher, us-amerikanischer und chinesischer Sicht dar. Alle drei Länder seien sehr am Fortbestehen des Euro interessiert. Zum Abschluss seines Vortrages gab Dr. Hefele noch einen optimistischen Ausblick. Er sieht in Frankreich und Deutschland den starken politischen Willen den Euro zu erhalten. Denn der Schaden für alle Volkswirtschaften der EU sei zu gravierend, um ein Auseinanderfallen zu riskieren.

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Veranstaltungsort

Xi'an-Jiaotong-Liverpool Universität, Suzhou

Referenten

  • Dr. Peter Hefele
    Vortrag Eurokrise I KAS Shanghai
    Vortrag Eurokrise II KAS Shanghai

    Bereitgestellt von

    Auslandsbüro China