Veranstaltungsberichte

20 Jahre Corporate Social Responsibility (CSR) in China

von Dr. Peter Hefele

Forum in Kooperation mit ECO-NOMY

Die KAS Shanghai veranstaltete am 30. Mai 2013 zusammen mit dem Shanghaier Umwelt- und Wirtschaftsmagazin ECO-NOMY ein Forum zum Thema „20 Jahre Corporate Social Responsibility (CSR) in China." In den letzten Jahrzehnten ist das Thema nachhaltige Entwicklung in China immer wichtiger geworden. Corporate Social Responsibility (CSR) ist dabei ein wichtiger Baustein für die Durchsetzung dieses Ziels, weil sich dadurch die Kompetenzen und Ressourcen von Unternehmen für die Allgemeinheit einsetzen lassen.

Auf Einladung des Shanghaier ECO-NOMY Magazins und der KAS|Shanghai diskutierten Unternehmensvertreter, Mitarbeiter von chinesischen NGOs und Experten im Chinesisch-Finnischen Zentrum der Tongji-Universität in mehreren Panels die Erfahrungen, Heraus-forderungen und neueste Entwicklungen zum Thema CSR in China.

Die Herausgebering des ECO-NOMY-Magazins, Frau SUN Haiyan bemerkte in ihrer Begrüßungsrede, dass Nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz Themen seien, für die jeder, sei es als Unternehmer, politisch Verantwortlicher oder Bürger, Verantwortung zu übernehmen habe. Daher sei es das Ziel des Forums, Verantwortungsträger zu einem Wissens- und Erfahrungsaustausch zusammenzubringen. Dr. Peter HEFELE, Leiter des KAS-Büros Shanghai, stellte kurz die Aktivitäten der KAS im Bereich von CSR dar und drückte seinen Wunsch aus, dass die Teilnehmer durch die Vorstellungen von verschiedenen CSR-Projekten ihr Verständnis von CSR und ihre nationalen und internationa-len Netzwerke vertiefen können.

Im ersten Panel stellte Professor William VALENTINO (China Institute for Social Responsibility, Beijing Normal University), der schon seit 26 Jahren in China tätig ist, aus der Sicht eines ehemaligen Unternehmensmitarbeiters und späteren CSR-Aktivisten die Entwicklung von CSR-Projekten in China dar. Er zeigte sich überzeugt, dass CSR die Interessen von Individuen, gesellschaftlichen Organisationen und Firmen vereinen könne und daher ein geeignetes Konzept für die Zusammenarbeit dieser drei Gruppen bei den Bemühungen um nachhaltige Entwicklung sei. Professor Christoph ZABE-BRECHTEL (International Business School, Xi'an Jiaotong Liverpool University, Suzhou) stellte in seinem Vortrag erste Ergebnisse einer Überblickstudie zur Situation von CSR in der Volksrepublik vor, die gegenwärtig mit Unterstützung der KAS|Shanghai erstellt wird. Dabei lag sein Schwerpunkt auf der öffentlichen Wahrnehmung von CSR. Er berichtete, dass der chinesischen Bevölkerung der Begriff 'CSR' zwar bekannt sei, die meisten Bürger sich allerdings vor den Herausforderungen eines aktiven Engagements scheuen und nur wenige die Gelegenheiten zu CSR-Aktivitäten tatsächlich nutzen. Er wies darauf hin, dass CSR mit der Erziehung der Kinder beginnen müsse und es sehr wichtig sei, die Bürger zu mehr Einsatz zu motivieren.

Es folgten Erfahrungsberichte von CSR-Projekten der Firmen Fuji Film und Ford Motor Company. Frau XU Ruifu (Vice President, FUJI Film (China) Investment Co., Ltd.) stellte ein Wiederaufforstungsprojekt in der Inneren Mongolei vor. Dieses wird von Fuji Film schon seit 15 Jahren jährlich durchgeführt. Die Organisation und Durchführung sei deshalb mittlerweile sehr professionell. Frau XU bemerkte, dass CSR-Arbeit ein wichtiger Hauptpfeiler der Arbeit einer jeden Firma sein sollte. Anschließend berichtete Frau ZHANG Langxuan (Ford Motor (China) Ltd.) von der CSR-Arbeit der Ford Motor Company in China. Ford sei stets bemüht, umweltfreundliche Materialien zu verwenden und habe außerdem einen „Ford-Umwelt-Preis“ (Ford CEGC Award) ins Leben gerufen, der zusammen mit der Non-Profit Organisation Incubator (NPI) jedes Jahr an Umwelt-NGOs vergeben wird, um Grassroot-NGOs in China finanziell und ideell zu unterstützen.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde darauf hingewiesen, dass sich Firmen und NGOs bei der Zusammenarbeit darüber klar werden sollten, wo die eigenen Interessen und Kernkompentenzen liegen. Denn CSR-Projekte sollten Vorteile für beide beteiligten Seiten bringen, beispielsweise, indem sie sich positiv auf das Image einer Firma auswirken sollten. Es bestand die einheilige Meinung, dass es für CSR in China noch viele Entwicklungsspielräume gebe, diese aber wesentlich von den Entfaltungsmöglichkeiten der NGOs in China abhingen.

Am Nachmittag stellte Frau SUN Yang die neue Publikation des Magazins „Eco-Nomy“ mit dem Titel „The Third Drive“ vor. Darin berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Eco-Nomy“ über 31 CSR-Projekte in China. Als Beispiel präsentierte Frau CAO Xiaoxia, Executive Director des Shanghai City Symphony Orchestra, das Wohl-tätigkeits-Projekt ihres Orchesters vor, welches autistischen Kindern die Möglichkeit gibt, mit Musik zu experimentieren und Musik als Kommunikationskanal zu entdecken. Herr ZHANG Junda (Vice Chairman der Xinhua Compassion Education Foundation) stellte das Projekt „Hope for Pearl“ vor, das hervorragenden Schülern aus armen Verhältnissen erlaubt, in sogenannten „Perlen-Klassen“ mit finanzieller Unterstützung für die Hoch-schulprüfung zu lernen und anschließend ein Studium zu beginnen.

Frau LUO Ying (Junior Achievement China), Herr ZHANG Ning (Charyou Volunteer Service Center) sowie Frau WANG Yongchen (Green Earth Volunteers) präsentierten ebenfalls ihre Hauptprojekte. Frau HAN Yan referierte über die Herausforderungen für NGOs in China und bemerkte, dass fast die Hälfte der NGOs in China nur drei oder noch weniger feste Mitarbeiter hat. In der abschließenden Diskussionsrunde betonte Frau SUN Haiyan, dass viele Probleme bei der CSR-Arbeit „menschliche" Probleme seien, etwa im Bereich 'Human Ressources' oder der Kommunikation.

Zum Abschluss des Forums wurde ein Kurzfilm über die „Health Poverty Action“ gezeigt. Durch die Stationierung von chinesischen Mitarbeitern in einem kleinen Dorf in Myanmar und die Schulung von ortsansässigen Frauen zu Krankenschwestern konnte im Rahmen dieses Projektes die medizinische Versorgung der lokalen Bevölkerung erfolgreich verbessert werden.

Kontakt

Tim Wenniges