Veranstaltungsberichte

Interkulturelle Auseinandersetzung mit Asien

Bericht über den Vortrag von Herrn Thomas Awe, Leiter des Auslandsbüros Shanghai, zum Thema "Interkulturelle Auseinandersetzung mit Asien"von Christel Ellerich, OStR'i.K.
In sehr eloquenter und anschaulicher Weise schilderte uns Herr Awe seine vielfältigen Erfahrungen aus den verschiedenen asiatischen Ländern, in denen er für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig war.

Schwerpunkt seines Vortrags war, passend zu unserem Schüleraustausch mit einer chinesischen Schule in Ningbo, die Volksrepublik China. Dabei sprach er verschiedene Aspekte an:

1. Darlegung des Selbstverständnisses der Konrad-Adenauer-Stiftung in China: Herr Awe betonte vor allem die Funktion der Stiftung, als Gesprächsforum für verschiedenste Interessenvertreter zu dienen, etwa für Vertreter der chinesischen Presse, der Politik, Wissenschaft oder auch Wirtschaft. So sei es im Rahmen der Stiftung möglich, Gespräche außerhalb eines offiziellen chinesischen Protokolls zu führen, sodass ein Raum der Meinungs- und Gedankenfreiheit geschaffen werden könne, der Veränderungsprozesse anstoßen könne.

2. Presse in China: Herr Awe erläuterte seinen Zuhörern, nach welchen Kriterien über Nachrichten in China entschieden wird. Generell könnten durchaus unterschiedliche Standpunkte auch in der Presse vertreten werden. Jedoch dürften diese nicht das politische System der Kommunistischen Partei Chinas destabilisieren oder angreifen. Nachrichten, hinter denen man solche Absichten vermutet, würden zensiert und „ausgemustert“. Auch ausländische Berichterstattung würde dahin gehend kontrolliert. Eine wachsende Unkontrollierbarkeit ergäbe sich jedoch zunehmend durch das Internet, wenn auch hier die so genannten „Firewalls“ immer noch eine beachtliche Filterfunktion hätten. Auch ausländische Radio- und Fernsehsender wie CNN oder die Deutsche Welle könne jeder Chinese in China empfangen, jedoch würde auch hier der Empfang mitunter durch Frequenzstörungen unterbrochen.

3. Die Bewertung der Entwicklung Chinas seit der Öffnungspolitik der 80er Jahre: Herr Awe belegte durch Pressematerial wie auch Statistiken, dass die Berichterstattung über China seitens deutscher (und anderer) Journalisten in den meisten Fällen der gigantischen sozialpolitischen Leistung des Landes nicht gerecht würden. Man müsse durchaus positiv hervorheben dass, China – im Gegensatz zur größten Demokratie der Welt, Indien, - in etwa drei Jahrzehnten immerhin 400 Millionen Menschen aus größter Armut befreit habe. Ebenfalls würden auch auf politischer Ebene Veränderungen beigebracht, wie etwa das neue chinesische Arbeitsrecht – eines der „schärfsten“ der Welt -, die zu wenig öffentliche Beachtung außerhalb Chinas fänden. Stattdessen ließe sich die deutsche Öffentlichkeit durch veraltetes Filmmaterial aus den 80er Jahren, das westliche Fernsehsender einsetzten, über die Tibetkrise kurz vor den Olympischen Spielen informieren, was dazu führe, eine objektive Auseinandersetzung mit der Tibet-Frage zu verhindern.

4. Junge Leute und die Auseinandersetzung mit China: Herr Awe hob hervor, dass eine zunehmende Annäherung Chinas an westliche Gepflogenheiten wie aber auch umgekehrt ein Verständnis der chinesischen Mentalität und Denkungsart vor allem von den jungen Leuten getragen werden müsse. Gerade in der Unvorgenommenheit der Begegnung von jungen Menschen läge die Chance, zunehmende Akzeptanz und Verständnis für einander zu entwickeln. Ein ganz wesentliches Mittel hierzu sei aber auch der Zugang über die Sprache. Chinesisch zu verstehen bedeute, ein Mittler der Kulturen sein zu können. Hier müsse Deutschland auch eine Anstrengung unternehmen.

Selbstverständlich waren Herrn Awes Äußerungen bei weitem umfassender, als sie hier dargelegt werden können. Zu nennen wären hier noch Erläuterungen des Harmonie-Konzepts, das den Kern des politischen Programms in China bildet, oder auch der Gesellschaftsumbildung wie sie etwa an Städten wie Shanghai ablesbar ist.

Insgesamt hat der Vortrag von Herrn Awe großes Interessen an China bei unseren jungen Zuhörern wie auch ihren Eltern wecken können. Gerne würden wir wieder einmal einen China-Experten der Konrad-Adenauer-Stiftung bei uns in Aachen begrüßen. Sofern ein solcher Vortrag etwas längerfristig von meiner Seite vorbereitet werden könnte, würde ich gerne eine durch Schüler gehaltene Pro- und Kontra-Debatte zu einem China betreffenden politischen Thema voranschicken, das im Anschluss durch eine Expertenrunde noch umfassender beleuchtet und erweitert werden könnte.

An dieser Stelle sei der Konrad-Adenauer-Stiftung und Herrn Awe für die Unterstützung unseres China-Austauschs mit unserer Partnerstadt Ningbo herzlich Dank gesagt. Es war uns eine Große Freude, Herrn Awe bei uns begrüßen zu können.

Christel Ellerich, OStR’ i.K.

Projektleitung China-Austausch

Bischöfliches Pius-Gymnasium Aachen