Veranstaltungsberichte

Perspektiven sino-deutscher Zusammenarbeit

Am 29. Mai 2015 fand in Peking ein von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften und der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiertes internationales Seminar zum Thema „Perspektiven sino-deutscher Zusammenarbeit“ statt.

An der eintägigen Veranstaltung nahmen viele namhafte chinesische und deutsche Wissenschaftler sowie ehemalige und aktive Regierungsvertreter teil. So hielt zum Beispiel der chinesische Botschafter a.D. in Deutschland, Mei Zhaorong, zu Beginn des Symposiums eine Grundsatzrede zu seinen langjährigen persönlichen Erfahrungen im Bereich der chinesisch-deutschen Kooperation. Als ehemaliger Diplomat, der sowohl den Bau der Berliner Mauer als auch die deutsche Wiedervereinigung aktiv in Deutschland miterlebt hatte, stellte er zum wiederholten Male sein Verständnis für die Kulturen und Beziehungen beider Länder unter Beweis.

Eröffnet wurde das Seminar durch Professor Zhou Hong, Vorsitzende der Chinesischen Gesellschaft für Europa-Studien (CAES) und stellvertretende Direktorin der Abteilung für Internationale Studien der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS). Sie gratulierte der Zweiggesellschaft für Deutschland-Studien der CAES zum 30-jährigen Bestehen und lobte die sehr gute deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Auch auf höchster politischer Ebene habe die Kommunikation zwischen beiden Ländern eine Vorbildfunktion für Europa und den Rest der Welt.

Frank Priess, Stv. Leiter Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit der KAS Berlin, hob in seinem Grußwort die Rolle der politischen Stiftungen in Deutschland hervor, die durch ihre Nähe zu den deutschen Parteien ein hervorragendes Bindeglied zu heimischen Unternehmen und Akademien darstellen. Von dem Seminar und der damit einhergehenden Möglichkeit zum Austausch sprach er als „Win-win-Situation“, da beide Länder voneinander lernen können.

Auch der amtierende deutsche Botschafter in China, Michael Clauß sowie Dr. Sebastian Paust, Beauftragter des Vorstandes der GIZ, zeigten sich angesichts der guten chinesisch-deutschen Zusammenarbeit positiv gestimmt. Vor allem im Bereich der Wirtschaftskooperation sei das Verhältnis beider Länder seit vielen Jahren ausgezeichnet. Allerdings seien auch die diplomatischen Beziehungen, welche seit 1972 gepflegt werden, momentan auf einem Höchststand, was sich anhand der gemeinsamen Kabinettssitzungen und reger Staatsbesuche abzeichne.

Im Laufe des Tages wurde durch zahlreiche Vorträge deutlich, dass die sino-deutsche Kooperation in vielerlei Hinsicht zwar sehr gut und stabil, aber auch nicht ganz frei von nur schwer zu überwindbaren Divergenzen sei. Besonders im Bereich der Menschenrechte, Umweltfragen sowie der Außen- und Sicherheitspolitik lasse sich zunehmend der unterschiedliche Standpunkt beider Regierungen erkennen.

Wie Thomas Awe, Landesbeauftragter der KAS Peking, in seinen Ausführungen bemerkte, gehöre das „Ganze“ zu einer guten Beziehung und nicht nur das Positive. Denn gegenseitiges Verständnis bedeute nicht zwangsläufig Einverständnis.

Einig waren sich alle Teilnehmer darüber, dass die Veranstaltung eine hervorragende Plattform zum Austausch zwischen chinesischen und deutschen Experten bot und dazu beigetragen habe, die bilateralen Beziehungen sowie die zwischenmenschliche Kooperation weiter voranzutreiben.