Veranstaltungsberichte

"Die Frau vom Checkpoint Charlie": Der Kampf einer Mutter um ihre Töchter

von Christine Leuchtenmüller

Lesung mit Jutta Fleck und Ines Veith

"Richtig weh tut eine Diktatur, wenn man selbst betroffen ist." Wer eine solche Erfahrung macht, hat viel zu erzählen. So wie Jutta Fleck, die in den achtziger Jahren als "Die Frau vom Checkpoint Charlie" bekannt wurde. Während einer Lesung im Rahmen des Darmstädter Gesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung schilderte sie den rund 80 Teilnehmern anhand ihrer persönlichen Geschichte die Mechanismen der Unterdrückung des SED-Staates, etwa die Schikanen, die sie während ihrer Inhaftierung im Frauengefängnis Burg Hoheneck erfuhr. Zur Last gelegt wurde ihr "versuchte Republikflucht".

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Jutta Fleck (Foto: Christine Leuchtenmüller)

Jutta Fleck ist ein Beispiel für Zivilcourage. Mit persönlichem Engagement machte sie auf die Menschenrechtsverletzungen in der DDR aufmerksam: "Es lohnt sich, für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Deshalb bin ich auch heute hier, um meine Geschichte zu erzählen. Das Unrecht, das vielen Menschen durch die DDR Behörden widerfuhr, darf nicht einfach vergessen werden", sagte sie.

Jutta Fleck berichtete, wie sie 1982 versuchte, mit ihren beiden damals elf und neun Jahre alten Töchtern aus der DDR in die Bundesrepublik zu fliehen. Der Versuch scheiterte. Sie wurde festgenommen. Bereits auf dem Rückflug in die DDR wurde sie von ihren Kindern getrennt. Nach langen folterähnlichen Verhören wurde Jutta Fleck zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1984 wurde sie von der Bundesrepublik freigekauft, durfte aber ihre Töchter nicht mitnehmen. Im Oktober 1984 begann sie, am Berliner Grenzübergang "Checkpoint Charlie" für die Ausreise ihrer Kinder zu demonstrieren.

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Jutta Fleck und Ines Veith während der Lesung "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (Foto: Christine Leuchtenmüller)

Erst im August 1988 konnten ihre Töchter die DDR verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Jutta Fleck nur die Möglichkeit, durch Briefe, die sie an Deckadressen schreiben musste, die Verbindung aufrechtzuerhalten. Ein Großteil der Briefe, so Fleck, wurde durch die DDR Behörden abgefangen. Jutta Fleck fand sie – akribisch geordnet –, als sie ihre Akten, die die Stasi über sie angefertigt hatte, einsehen darf. Für ihren Kampf für Freiheit und Menschenrechte erhielt Jutta Fleck 2007 die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen.

Die bewegende Geschichte Jutta Flecks hat die Autorin Ines Veith aufgeschrieben. Mit großem persönlichen Engagement befasst sich die Autorin, selbst in Mecklenburg geboren, seit Jahren insbesondere mit den Schicksalen politischer Flüchtlinge aus der DDR.

Auf dem Buch von Ines Veith basiert der 2006 für die ARD produzierte Zweiteiler "Die Frau vom Checkpoint Charlie" mit

Veronica Ferres in der Hauptrolle.