Deutschlands Zeitenwende-Verteidigungspivot und Frankreichs strategische Neuausrichtung gestalten die Sicherheitsarchitektur Ostafrikas im Zuge eines globalen Wandels hin zur Machtpolitik neu. Ausgelöst durch systemische Umwälzungen wie Russlands Krieg in der Ukraine und Chinas Aufstieg bewegt sich Deutschland von einer traditionellen "zivilen Macht" hin zu hochintensiver Kampfbereitschaft, was ein normatives Dilemma schafft, da es die militärische Modernisierung mit dem Erbe des Multilateralismus in Einklang bringt. Gleichzeitig verfolgt Frankreich in Kenia eine Strategie des defensiven Realismus und verbindet harte militärische Einsätze in Mombasa mit erheblichen geoökonomischen Investitionen, um regionale Rivalen wie der Türkei und China entgegenzuwirken. Auch wenn die Schnittstelle dieser beiden Strategien sich ergänzen könnte, droht das Fehlen eines einheitlichen europäischen Rahmens, die EU-Außenpolitik in einen wettbewerbsorientierten Bilateralismus zu fragmentieren – eine Herausforderung, die durch die Einbettung beider Politiken in die Global Gateway Agenda der EU gemildert werden könnte. Entscheidend ist, dass ostafrikanische Akteure, insbesondere Kenia und die Ostafrikanische Gemeinschaft, keine passiven Arenen für diesen westlichen Wettbewerb sind, sondern aktive diplomatische Akteure, die ihre strategische Position nutzen, um gerechte Partnerschaften auszuhandeln und dabei ihre eigene Souveränität energisch zu schützen.