"Das Kongolesische Nationalgefühl exisitiert."

60 Jahre Unabhängigkeit des Kongo - Interview mit Prof. Dr. Mabiala Mantuba, Historiker und Ethnologe an der Universität von Kinshasa

Die DR Kongo feiert am 30. Juni 2020 zum 60. Mal ihre Unabhängigkeit. Im Rahmen seiner Podcast-Reihe hat das KAS-Auslandsbüro in Kinshasa den Historiker und Ethnologen, Prof. Dr. Mabiala Mantuba, an der Universität von Kinshasa interviewt, einer der besten Kenner der Landesgeschichte und über 20 Jahre der Nationale Koordinator des Auslandsbüros. Im Interview spricht er über den Zustand des Kongo heute, die Stunden der Unabhängigkeitswerdung und über die heutigen politischen Führer. Er plädiert für eine Neuschreibung der Geschichte und für mehr Bildungsprogramme. Dass das Jahr 1960 bis heute "Afrikanisches Jahr" genannt wird, weil damals zehn Staaten Afrikas unabhängig wurden, hält er für nicht korrekt. Hören Sie das Interview unter diesem Link nach.

 

 

KAS DRK: Guten Tag, Herr Professor.

Prof. Mabiala Mantuba: Guten Tag. 

 

KAS DRK: Wie erleben Sie die Gegenwart mit den Augen eines Historikers? Eine Zeit, erschüttert durch Pandemien und wachsende internationale Spannungen. Besorgt Sie das?

 

Prof. Mabiala : Zunächst muss gesagt werden, dass es in der Geschichte seit der Antike immer Epidemien gegeben hat. Im alten Ägypten, die Antoninische Pest in Rom, während Perikles in Griechenland, immer wieder gab es Menschen, die durch Epidemien starben. Die Epidemien in der Geschichte kehren also zurück. Es nicht klar, wann sie beginnen und wann sie enden. Die Schwarze Pest im Mittelalter im Jahr 1348, in Florenz, Mailand, in den Hafenstädten. Es kommt zu Epidemien. Während des Ersten Weltkriegs. Die Spanische Grippe war auch im Bas-Congo. Unter den Soldaten, die in Tansania waren, gab es 100.000 Todesfälle durch die Spanische Grippe. Epidemien treten also immer wieder auf. Sie kommen und sie gehen, wann und wie sie wollen.

 

Das Problem ist, dass jedes Mal, wenn es zu Epidemien kommt, es politische Umwälzungen gibt, wirtschaftliche Umwälzungen. Es werden Maßnahmen ergriffen, um sich vor den Krankheiten zu schützen. Bereits im Mittelalter gab es einige, die unter Quarantäne gestellt wurden und während des Ersten Weltkriegs haben wir ganze Schlafsäle für die Isolation der Kranken eingerichtet. Alles, was wir jetzt tun, ist nicht neu. Oft gibt es Reformen, es gibt Bemühungen, das Gesundheitssystem zu verbessern, Bemühungen, der Bevölkerung zu helfen, für eine bessere medizinische Versorgung. Und das sind Dinge, die seit der Antike passiert sind.

 

KAS DRK: Sie sagen, dass Epidemien und Pandemien wiederkehren, wie ein Element der Geschichte. Lassen Sie uns über die DR Kongo sprechen, da sie in diesem Jahr ihre 60 Jahre Unabhängigkeit feiern wird. Ist der Kongo heute derselbe wie damals?

 

Prof. Mabiala: Der Kongo von 1960 ist heute nicht mehr derselbe. Vieles ist anders, oder nicht? Und diese Veränderungen sind spürbar. Zunächst muss gesagt werden, dass wir 60 Jahre Unabhängigkeit feiern. Aber warum eigentlich? Weil der Kongo seit Donnerstag, dem 30. Juni 1960, unabhängig ist. Wie Sie wissen, wurde das Jahr 1960 das "Jahr Afrikas" genannt, weil gesagt wurde, dass die meisten afrikanischen Länder damals unabhängig wurden. Allerdings ist das nicht unbedingt wahr. Vor 1960 gab es nur drei unabhängige Länder, Sudan 1956, Ghana 1957, Guinea 1958. 1960 waren es zehn Länder: Kamerun, Kongo-Brazzaville, Demokratische Republik Kongo, Gabun, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Somalia, Tanganjika usw. Aber die anderen 26 verbleibenden afrikanischen Länder wurden nach 1960 unabhängig. 1960, also ein Jahr Afrikas, aber tatsächlich ist es nicht ganz richtig, weil, wenn man Länder wie Angola sieht, das 1975 unabhängig wird und auch Südafrika. Alle portugiesischen Kolonien werden später unabhängig.

Aber im Jahr 1960 geschah es im Kongo, dass wir die Unabhängigkeit bekamen. Und gleichzeitig begann die Krise. Am 27. Juni, einen Tag vor der Proklamation, wollten wir bereits die Unabhängigkeit verhindern, weil Moïse Tshombé, der Chef der Konföderation der Eingeborenen von Katanga, sagte, dass Lumumba, der seine Regierung gebildet hatte, die Menschen aus Katanga bei der Vergabe von Posten benachteiligte. Er wollte das verhindern und so haben wir am 29. Juni die Unabhängigkeit fast verhindert. Aber die Unabhängigkeit wurde dennoch verkündet. Während der Zeremonie gab es die Rede des ersten Präsidenten KasaVubu, die Rede des Königs der Belgier und die Rede von Lumumba, die historisch wurde, weil er das Kolonialsystem scharf angriff. Es kostete ihn später das Leben. Am 17. Januar 1961 wurde er ermordet. Wie auch immer, elf Tage nach der Unabhängigkeit, fünf Tage nach der Unabhängigkeit, gab es eine Sezession, eine Meuterei. Nachts begehren die Soldaten auf, weil sie sich an der Unabhängigkeit nicht beteiligt fühlen. Und am 11. Juli 1960 trennt sich Katanga mit Unterstützung der Belgier - also jene Bergbauprovinz, die 60 Prozent des Budgets des unabhängigen Staates produzierte.

 

Am 8. August 1960 trennt sich dann noch Süd-Kasai, wo es Diamanten gibt, die auch viel Geld einbrachten. Die neue Zentralregierung steht also ohne Mittel dar. Lumumba wird liquidiert. Wir geraten in eine Krise mit Aufständen und zeitweiligen Kriegen. Dieses System der intermittierenden Kriege setzt sich fort. Wir drehen uns beinah im Kreis, wie ein Musiker in Kinshasa sang: "toza koronpoint". Ein Politiker hat einmal gesagt, wir befinden uns wie auf einem Wagenheber, wie ein Auto auf einem Wagenheber. Wir können jederzeit umfallen. Ja, die Entwicklung ist schwierig.

Positiv ist aber, wenn man sich an das Kolonialsystem erinnert, welches ja auf dem System basierte - "Keine Elite, keine Probleme" -, dass die Grundschulbildung und das Grundgesundheitssystem, und auch die Infrastruktur, sich sehr verbessert haben.

 

KAS DRK: Sie haben gemischte Gefühle zum Ausdruck gebracht. Wenn Sie nach 60 Jahren Unabhängigkeit Bilanz ziehen sollten, was sind da Ihre Gefühle? Manche Personen sprechen gar davon, dass die DR Kongo gar nicht unabhängig sei, so sehr wie sie unter der Armut leide. Ist die DR Kongo wirklich unabhängig?

 

Prof. Mabiala: Ob dieses Land unabhängig ist? Gut, am 30. Juni 1960 wurde die politische Unabhängigkeit proklamiert. Aber wenn Sie sich in Kinshasa umsehen, werden Sie feststellen, dass das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) in gewisser Weise über die Regierung wacht, damit ihre Institutionen gut funktionieren. Es gibt oft politische Entscheidungen, die von der Troika beeinflusst werden: USA, Frankreich und Belgien. Belgische Politiker wie Louis Michel, richtig? Er kommt, um dem einen oder anderen zu sagen, was getan werden soll, sonst wird es solche und solche Sanktionen geben. Politische Unabhängigkeit ist also eher symbolisch, weil die Treuhänder der Troika allgegenwärtig sind. Die Europäische Union ist allgegenwärtig.

 

Dies ist der Grund, warum der Unabhängigkeitstag bei uns oft in Traurigkeit und meditierend begangen wird. Es ist, als ob wir nicht wirklich glücklich wären, unabhängig zu sein. Und es gibt viele Leute der sozial schwächeren Gesellschaftsteile, die sagen, dass sie die Früchte der Unabhängigkeit nicht sähen. Es wäre also besser, dass unsere lieben Kolonial-Onkel zurückkehrten. Diese Nostalgie geht bedauerlicherweise auf die schlechte Führung zurück, mit der das Land regiert wird.

Auf wirtschaftlicher Ebene gibt es das Diktat der Bretton Woods-Institutionen, der Weltbank, des Währungsfonds und der multinationalen Unternehmen, die um die strategischen Ressourcen des Kongo konkurrieren und das Haushaltsgesetz, die Rückzahlung von Schulden und das Bergbaugesetz und die Forstwirtschaft bestimmen. Die Regierungen werden hin und her geschupst. So finden sie nicht die notwendige Balance. Auch die Chinesen, Inder, Libanesen und Pakistaner, die hierher kommen, respektieren nicht die Gesetze ihres Gastlandes.

 

KAS DRK: Wenn man heute über die Entwicklung des Landes spricht, stehen oftmals die politischen Führungskräfte in der Kritik. Aus Sicht des Historikers, der das Land gut kennt, waren die Führer zurzeit der Unabhängigkeitswerdung anders? Es gab nicht nur Lumumba und KasaVubu, auch andere. Gab es etwas, was sie von der heutigen politischen Klasse unterscheidet, etwa in ihrer Vision, der Art ihrer Gestik und ihres Verhaltens?

 

Prof. Mabiala: Hören Sie, es gibt keine kongolesische politische Klasse. Das ist eine Kompradoren-Bourgeoisie. Eine politische Klasse, die fließend ist, sie verändert sich jederzeit. Es gibt niemanden, der dauerhaft bleibt, außer ein paar Leute, die es schaffen, von einer Regierung in die nächste zu wechseln.

 

KasaVabu aber hatte nach der Unabhängigkeit sogar gegen diejenigen gewettert, die eines Tages Führer der Demokratischen Republik Kongo sein sollten. Er führte eine strenge Sparpolitik ein, die es Mobutu an der Macht ermöglichen sollte, bis in die 1970er Jahre viel Geld zu besitzen. Die kongolesische politische Klasse betrachtet Menschen als eine Geldkuh. Es geht darum, das Land so viel wie möglich zu melken.

 

Die Führer der Unabhängigkeit haben die Sparmaßnahmen von Präsident KasaVubu nicht eingehalten. Zum Beispiel sagte KasaVubu auf der Konferenz der Organisation der Afrikanischen Einheit in Addis Abeba: „Wir wurden auf Kosten der Regierung von Kaiser Haile Selassie eingeladen. Geben Sie Ihre Reisekosten, die Sie erhalten haben, zurück." Man hieß ihn einen Idiot. Kongolesische Politiker verstehen ihr Amt als Weg zu so vielen Privilegien wie eben möglich. Das ist die aktuelle Debatte in der Demokratischen Republik Kongo. Fast 65 Prozent, gut, ich weiß nicht, ob es so viele Prozent sind, aber es sind die hochrangigen Regierungsbeamte, an die fast 95 Prozent des Staatshaushaltes abfließen. Ich weiß nicht genau, ob die Zahl korrekt ist. Aber die herrschende, nicht demokratische Klasse bereichert sich an den öffentlichen Gütern. Es ist eine undemokratische herrschende Klasse, egoistisch und korrupt, die eine "Politik des Bauches“ führt und jeder weiß das. Das ist die aktuelle Debatte in der Demokratischen Republik Kongo.

 

KAS DRK: Das Gebiet der DR Kongo, der Kongo, ist seit der Unabhängigkeit das gleiche geblieben, wenn ich das sagen darf. Der Name wechselte jedoch mehrere Male. Hatten diese häufigen Namenswechsel Auswirkungen auf die kongolesische Identität? Wie steht es heute um die kongolesische Identität?

 

Prof. Mabiala: Eine nationale Identität ist immer eine Identität im Aufbau. Unser Land hat die Namen aus verschiedenen Gründen mehrmals geändert. Denken Sie an das Konzept der „Authentizität“. Mobutu wollte, dass das Land Zaïre heißt. Er holte den amerikanischen Boxer Cassius Clay Mohamed Ali ins Land, um den Namen bekannt zu machen. Es waren ja der Name des Flusses, der Name des Landes und der Name der Währung geändert worden.

Jeder Führer, der kam, wollte den Namen des Landes verändern. Und jeder fragte: Gibt es eine kongolesische Identität? Was muss getan werden, um sie zu stärken?

 

Die kongolesische Identität existiert, weil eine Nation nicht über Nacht aufgebaut werden kann. Eine Nation wird allmählich im Lauf der Geschichte aufgebaut. Das Nationalgefühl existiert, um sie zu stärken.

 

Man hat den Kongo „balkanisieren“ wollen. Das funktionierte nicht, weil sich die Kongolesen als Nation begreifen, auch wenn sie noch im Aufbau ist, mit ihren Problemen, ihren Straßen und Flüssen. Das kongolesische Nationalgefühl existiert aber, sonst wäre das Land schon lange in Stücke gerissen worden. Es ist nicht gelungen, es zu balkanisieren, selbst mit militärischen Truppen nicht, die von unterschiedlicher Seite ihren Sold erhielten. Es hat nicht funktioniert.

 

Was müssen wir also tun, um diese Identität zu festigen? Den Kongolesen müssen Gründe gegeben werden, ihre Heimat zu lieben. Man muss sich für den Frieden einsetzen. Denn wenn es in einer Ecke des Landes immer noch Krieg gibt, dann heißt es, dass dieses Land doch kein gutes ist. Wir müssen also den Frieden durch eine gute Führung erreichen, die auf das Zusammenleben der vielen unterschiedlichen Völker gründet. Wir sind eine Art Regenbogen, ein kulturelles Mosaik, ein Volk mit vielen Kulturen. Wir brauchen öffentliche Kulturpolitik und Bildungsmaßnahmen für Inklusion und nationale Integration, zum Beispiel wie in Ländern wie der Schweiz. Es gibt Regierungsprogramme zur nationalen Inklusion und zur Bekämpfung der Ausgrenzung. Formale Bildung an Universitäten, Schulen sowie staatsbürgerliche und politische Bildung. Wir brauchen Bildungsprogramme für Inklusion und nationale Integration.

 

Wie kann man zusammen leben? Was braucht es, um zusammen zu leben? Damit eine Minderheit die Mehrheit nicht ausnutzt, und die Mehrheiten die Minderheiten nicht vernichten. Jeder muss für sich im Land Gründe zum Leben finden.

 

Grundfreiheiten und die Achtung der Menschenwürde müssen unbedingt gewährleistet sein, denn wenn es keine Freiheit gibt, gibt es Gewalt in der Gesellschaft. Darüber hinaus müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Grundbedürfnisse und die Verbesserung der Lebensqualität zu fördern. In der Bibel heißt es für Christen: Ist einer unter Euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet? Den Menschen müssen Brot und Säfte wie in Rom gegeben werden, damit die Menschen Gründe haben, das Land zu lieben.

 

KAS DRK: Meine letzte Frage, Herr Professor. Jeder Wissenschaftler, jeder Intellektuelle empfindet eine gewisse Hingabe zu seinem Forschungsgestand, zu der Materie, die er untersucht. Gibt es eine Zeit in der Kongolesischen Geschichte, die Ihnen besonders am Herzen liegt, und an die Sie die Zuhörerschaft zur Stunde der Unabhängigkeit erinnern möchten?

 

Prof. Mabiala: Was für die Geschichte des Kongo wichtig ist, ist der Hinweis, das die neue Verfassung besagt, dass sie dazu ist, um wiederkehrende politische Krisen zu beenden und demokratische Normen im Land wiederherzustellen. Die Armee, die Polizei, sind dazu da, das Land zu schützen. Es geht um den Schutz der Bürgerrechte, um nachhaltige Entwicklung. In unserer Verfassung sind drei Generationen von Rechten verwirklicht. Wenn Sie die Verfassung lesen, glauben Sie, Sie sind im Himmel:  Sie lesen über die bürgerlichen und politischen Rechte, das Wirtschafts- und Sozialrecht, das kulturelle und wirtschaftliche Recht, all das. Die Gleichstellung der Geschlechter.

 

Ich finde, wir müssen die Geschichte neu schreiben und dabei mit den „Trusts“ beginnen. Das heißt, mit den multinationalen Unternehmen. Bereits am Vorabend der Unabhängigkeit haben belgische Gesellschaften Stiftungen gegründet, wie Rockefeller. Es gab eine große Debatte, um die Frage, dass wenn man dem Kongo die Unabhängigkeit gebe, das Land dem Kommunismus verfallen werde.

 

Jeder, auch der Vatikan sagte, seid vorsichtig, gib es nicht so leicht auf. Die Vereinigten Staaten sagten: "OK, wenn die Belgier gehen, ersetzen wir sie eben." Im Januar oder Februar 1960 sandte der Quai d'Orsay zum Politischen Runden Tisch einen Boten mit der Nachricht, dass sie das Land übernehmen würden, sollte es nicht gut verwaltet werden. 'Wenn Sie müde sind, übernehmen wir, der Quai d'Orsay, das Land'.

 

Diese Geschichte der „Trusts“, der außenwirtschaftlichen Interessengruppen. Die gesamte Finanzierung des Staates Leopold II. verlief über außenwirtschaftliche Gruppen. Ja, der Kongo war sein Privatbesitz, aber die Finanziers waren die Briten, die Südafrikaner, die Amerikaner und so weiter. Diese Geschichte verfolgt uns. Das berücksichtigen wir nicht stark genug.

 

Die „Trusts“ haben viel über die Wirtschaft des Kongo zu sagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die sogenannten "Uranverhandlungen“. Der wichtigste Teilnehmer, die Vereinigten Staaten, sagte: "Das Uran des Kongo darf an niemanden ohne unsere Erlaubnis verkauft werden." Diese Wirtschaftspolitik der verdeckten, multinationalen Unternehmen. Ich denke, diese Privatisierung des Staates dominiert uns bis heute. Unser Schiff wird nach wie vor im Schatten der multinationalen Firmen gelenkt.

 

Ich glaube, dass es die Geschichte verdient, neu geschrieben und gut geschrieben zu werden, weil dieses Kapitel uns bis heute verfolgt und die Institutionen der Republik destabilisiert.

 

Und es sollte angemerkt werden, dass die kongolesische Bevölkerung zunimmt. Schauen Sie sich eine Gemeinde wie Kinshasa oder N'sele an, die 1960 ein Dorf waren. Die gesamte Stadt Kinshasa hatte damals nur 400.000 Einwohner. Heute hat die Gemeinde N‘Sele 400.000 Einwohner. Die Stadt Kinshasa aber, wie manche sagen, 10 Millionen und mehr. Diese demografische Entwicklung. Die jungen Menschen haben viele Erwartungen. Wir müssen die demografische Entwicklung durch öffentliche Maßnahmen begleiten, Arbeitsplätze schaffen, Lebensmittel produzieren, die Gesundheit fördern, Lebensmittel, Grundschulbildung, die berufliche Bildung. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Land vollständig explodiert.

 

KAS DRK: Herr Prof. Mabiala, ich danke Ihnen für dieses interessante Interview.

Prof. Mabiala: Vielen Dank.