Veranstaltungsberichte

E-lection Bridge Workshop in Dakar, Senegal

„Das Potential des Internets in Afrika“

Eine politische Botschaft erreicht erst dann ihre volle Wirkung, wenn sie gut kommuniziert wird. Am 17. Und 18. November fand bei der KAS Senegal ein weiterer E-lection Bridge Workshop statt. Diskutiert wurde vor allem, was Digitalisierung für die politische Kommunikation und den Wahlkampf bedeutet. 22 Teilnehmer, darunter Kommunikationsexperten von insgesamt 14 senegalesischen Parteien, nahmen am zweitägigen Workshop teil. Geleitet wurde er von Nathalie Yamb, ehemalige Regionalleiterin West- und Zentralafrika für den Mobilfunkkonzern MTN, sowie dem Web 2.0 Experten Aboubacar Sadikh Ndiaye.

Vor dem Hintergrund der politischen Landschaft Senegals versuchte man während der zwei Tage Antworten auf eine Reihe von Fragen zu finden: Wie präsentiert man sich der Wählerschaft am besten? Was will der „homme politique“ und wie spricht man ihn am besten an? Und vor allem: Wie macht man aus einem „chef traditionel“ einen „leader moderne“?

Nathalie Yamb, die viel Arbeitserfahrung im Kommunikationssektor in Afrika hat, weiß, wie komplex die Lage hier ist. Daher ihr Rat: „Man muss alle Kommunikationsmittel verwenden, die einem zur Verfügung stehen“. Die neuen Medien sollen die alten Kommunikationsformen deswegen auch nicht komplett ersetzen, sondern nur ergänzen. Bei der Kommunikation ist es wie mit politischen Ansichten selbst - man muss sich ständig an neue Rahmenbedingungen und Entwicklungen anpassen.

Vor allem eine klare Differenzierung der verschieden Parteien, ihrer Ansichten und Zielsetzungen, sei wichtig, damit die Wählerschaft informierte Entscheidungen treffen kann. Daher gilt in der politischen Kommunikation das Motto: Abgrenzen und abheben! Aboubacar Sadikh Ndiaye warf zudem die Frage auf, warum man bei politischer Kommunikation nie von „Marketing“ spricht. Ähnlich wie bei kommerzieller Werbung, verkaufen auch Parteien Produkte – nämlich ihre politischen Ansichten und Kandidaten.

Ndiaye erläuterte zu Beginn des Workshops daher insbesondere die neuen Möglichkeiten, die das Web 2.0 und die Verbreitung von Sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Co. mit sich bringen. Zwar ist Medienfreiheit im Senegal formal gegeben, jedoch ermöglichen Soziale Medien einen direkten Draht zur Wählerschaft und verringern somit die Abhängigkeit der Parteien von selektiver Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien. Während das überholte Web 1.0 eine Einbahnstraße ist und nur einseitige Kommunikation zulässt, ist die „zweite Generation“ des Webs zudem interaktiv und sozial und ermöglicht so direktes Feedback und Input des Wählers. Somit fördert es die Zusammenarbeit mit denen, die von der Politik direkt betroffen sind. Facebook-Statistiken, beispielsweise zu Seitenaufrufen, sind zudem nützliche Indikatoren und ermöglichen eine schnelle Evaluierung der Frage: Wie kommen wir bei der Bevölkerung an?

Ebenfalls von Nutzen für kleine Parteien sind Web-TV oder Web-Radio. Diese Kommunikationsmittel kosten wenig, da man lediglich eine Kamera oder Mikrofon und Internet benötigt. Die neuen Medien können auch zur Parteifinanzierung beitragen, beispielsweise durch Crowdfunding oder Online-Banking über das Handy.

Allerdings bedürfen diese neuen Formen der Kommunikation auch einer neuen Logik und innovativer Strategien für ihre optimale Einsetzung. Nathalie Yamb beunruhigt es, dass die politische Kommunikation in vielen Afrikanischen Ländern nach den Wahlen oftmals stark abschwächt oder sogar komplett abbricht. Viele Politiker sind zwar während des Wahlkampfs auf Twitter aktiv aber lassen danach plötzlich nichts mehr von sich hören. Kommunikation muss jedoch auch zwischen den Wahlen stattfinden.

Wichtig ist auch, dass die Art und Weise der politischen Kommunikation niemanden ausschließt. Zwar ist Französisch die offizielle Amtssprache des Senegals, jedoch ist Wolof die einzige Sprache, die die ganze Bevölkerung beherrscht. Auch das Problem Analphabetismus muss beachtet werden, um keine potentiellen Wähler auszuschließen.

Der Nachmittag des ersten Workshop-Tages widmete sich dann ganz der Frage: Wie genau läuft das denn in den einzelnen Parteien ab? Die Teilnehmer gaben einen Einblick in die gegenwärtige Lage ihrer politischen Kommunikation und berichteten vor welchen Herausforderungen sie stehen. Zwar verwendet ein Großteil der Senegalesischen Parteien Facebook und Co., allerdings haben mache Parteien noch nicht einmal eine eigene Website. Die Verwendung von Sozialen Medien ist in diesem Fall noch wichtiger.

Ein weiteres Problem im Senegal ist, dass die Mehrheit der Wählerschaft zwar sehr jung ist, sich dies jedoch nicht im Wahlkampf widerspiegelt. Doch wenn man die Jugend erreichen möchte, dann muss man auch ihre Sprache sprechen. Notwendig ist daher ein neues Verständnis von Kommunikation, die auch unter der Jugend Anklang findet. Das Wahlverhalten der älteren Generation wird meist von geographischen Faktoren, wie beispielsweise Stammeszugehörigkeit, motiviert oder die Unterstützung für etablierte politische Persönlichkeiten beibehalten. Bei der Jugend ist dies jedoch anders. Um glaubwürdig die Probleme und Sorgen der Jugend vertreten zu können, muss ein besonderes Augenmerk auf ein dynamisches Bild der Partei in der Öffentlichkeit gelegt werden. Der Eindruck, den der Kandidat bei der Bevölkerung erweckt, ist dabei nicht zwingend eine Frage des Alters, sondern des Charismas. Auch nonverbale Kommunikation ist daher wichtig. Oftmals wird der Wahlkampf im Senegal von Fotos der Parteiführer dominiert. Anstatt die Arme zu verschränken, muss jedoch auf eine offene Körperhaltung geachtet werden – denn wie man weiß, sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Nathalie Yamb zeigte den Teilnehmern zudem, wie beispielsweise ein CDU-Plakat der letzten Bundestagswahl aus Fotos aller Wahlkampfmitarbeiter bestand und dadurch ihren Schwerpunkt auf Inklusion betonte.

Unabhängig von Größe und politischer Orientierung ihrer Partei, teilten alle Teilnehmer das Problem starker Hierarchien in der parteiinternen Organisation. Der Parteiführer trägt oftmals die Verantwortung für alle Kommunikationsbereiche, obwohl er selbst meist kein Experte in diesem Feld ist. Kapazitätsdefizite führen zudem oftmals dazu, dass es nur einen einzigen Administrator für die Website gibt oder Aufgaben nicht genau verteilt werden.

Es ist daher wichtig Wege zu finden, wie Innovation in die veralteten Kommunikationsstrategien der Parteien gebracht werden kann. Am zweiten Tag kam der Workshop daher zum praktischen Teil. In Gruppen entwickelten die Teilnehmer selbständig Ansätze für neue und innovative Strategien einer hypothetischen Partei X– sowohl für den Wahlkampf als auch darüber hinaus. Ziel war es, diese Ideen zurück zu ihren Parteien bringen und dort praktisch umsetzen. Die Leitfragen für diese Übung waren zum Beispiel: Welchen Eindruck wollen wir unter der Wählerschaft erwecken? Und: Wie erreichen wir das?

Die verschiedenen Gruppen erwiesen sich hierbei als sehr kreativ. Neben der Durchführung von Sozialprojekten, die das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungsfähigkeit der Partei stärken sollen, wurde überlegt, wie man einen 80-jaehrigen Parteiführer so darstellt, dass er auch die Jugend anspricht.

Wichtig ist letztendlich vor allem, dass es nicht nur einen einzigen Zuständigen für die Parteikommunikation gibt, sondern die ganze Parteiführung mit einbezogen wird. Damit das volle Potential der neuen Medien ausgeschöpft wird, sollten die Politiker selbst ein Verständnis hierfür aufbauen und diese auch verwenden, um mit den Wählern in Kontakt zu treten.

Am Ende des Workshops haben die Teilnehmer zwar weiterhin unterschiedliche politische Ansichten, doch in Bezug auf Kommunikation waren sich alle einig: Die weitreichende Präsenz der Partei und des Kandidaten ist das Grundelement eines jeden Wahlkampfs. Doch zusätzlich zu Plakaten, Presse und Rundfunk kann man dank der neuen Medien jetzt auch im Netz sichtbar sein. Dabei ist es egal, ob man zur Regierungspartei oder zur Opposition gehört – in der digitalen Welt stehen alle noch vor dem gleichen Lernprozess.

Die Autorin Jenny Ohme war von Oktober bis November 2014 Praktikantin beim Medienprogramm Subsahara-Afrika

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