Veranstaltungsberichte

Gebete, Wahlkampf-Songs und viel Beifall

von Markus Brauckmann

Die E-lection Bridge Africa West in Ghana

Am Anfang ein stilles Gebet, in der Mitte feurige Wahlkampf-Songs zum Mitmachen und gegen Ende fröhlicher Beifall für die Referentin: Der Workshop von KAS Medien Afrika mit dem Titel „Medientraining und Strategie: Wie man den Wähler erreicht“ spiegelte die bunte Vielfalt von politischer Kommunikation im westafrikanischen Ghana wider. Das Seminar für Mitglieder der demokratischen Opposition fand unter dem Dach der „E-lection Bridge Africa“ am 6. und 7. Februar 2012 in Accra statt - in enger Zusammenarbeit dem örtlichen KAS-Länderprogramm.

Mit der Veranstaltung setzten KAS Ghana und KAS Medien Afrika ihre erfolgreiche Zusammenarbeit aus dem Vorjahr nahtlos fort. Um auch im Wahljahr 2012 exakt auf die Bedürfnisse der nationalen Partnerpartei „New Patriotic Party“ (NPP) einzugehen, hatte Country Representative Dr. Gregor Ryssel nach vielen Gesprächen vor Ort die passende Zielgruppe der regional verankerten Politischen Kommunikatoren identifiziert. Folglich ergingen Einladungen an rund 20 sorgfältig ausgewählte Teilnehmer aus der Region „Central“. KAS Medien Afrika gestaltete zusammen mit der US-amerikanischen Wahlkampfexpertin Heather Thuynsma das Programm. Thuynsma, die in etlichen amerikanischen und internationalen Kampagnen erstrangige Erfahrung sammelte, wollte demonstrieren, wie politische Akteure sowohl die Bürger als auch die Medien erreichen. In einem Zeitalter, in dem Kommunikation die Botschaften und Strategien der Politik immer nachhaltiger prägt, erwiesen sich diese Zielsetzung und dieser Ansatz als äußerst nützlich für die Teilnehmer.

Die Trainerin hatte den Workshop in einem effizienten Baukastenprinzip strukturiert. Nach grundsätzlichen Einführungen zum Sujet unter den Überschriften „Wie erreichen wir andere Menschen?“ und „Was wollen wir eigentlich sagen?“ behandelte sie folgende Schlüsselthemen im Detail: Zielgruppe, Präzision der Ansprache und folglich der gewünschte maximale Effekt von medialen Auftritten. „Lasst mich ein Beispiel geben“, führte das ehemalige Team-Mitglied der Kampagne von Hillary Clinton aus, „wenn Ihr in einer Hafenstadt die Zielgruppe der Fischerleute erreichen wollt, solltet Ihr einen anderen Ansatz wählen als bei jungen Erstwählern in einer urbanen Gegend. Denn diese Menschen verfolgen unterschiedliche Interessen.“

Als Hausaufgabe sollten die Teilnehmer dann eine kurze „Stump Speech“ entwickeln. Diese kurze Wahlkampfansprache dient Kandidaten und Politikern als Blaupause für ihre öffentlichen Auftritte, die abhängig von Ort und Zielgruppe leicht variiert wird. Thuynsma: „Wir können uns das als robuste Grundlage für viele Formen der politischen Kommunikation vorstellen.“ Am nächsten Tag fanden sich die regionalen Experten vor einer kompakten Videokamera wider. Jeder Vortrag wurde detailliert von den anderen Seminarteilnehmern sowie Heather Thuynsma und Markus Brauckmann (KAS Medien Afrika) reflektiert und kritisiert. Brauckmann lobte: „Das Engagement und die Motivation der gesamten Gruppe hat uns sehr beeindruckt.“ Die größten Herausforderungen, die sich im Laufe dieser Praxis-Übung herauskristallisierten: Länge der Ansprache, Schwerpunkte setzen und „stay on message“, also: die Botschaft jederzeit im Blick behalten.

In der abschließenden Evaluierungsrunde betonten die Teilnehmer schließlich die Relevanz des Seminars. Ab sofort werde man das Erlernte umsetzen, „ob an der Straßenecke oder bei der Wahlkampfveranstaltung“. Insbesondere habe man erkannt, dass es nicht auf die Worte allein ankomme, sondern auch die sog. „Verpackung der Botschaft“ mit persönlichen und visuellen Elementen von großer Bedeutung sei. Nach dem Erfolg der Veranstaltung denken KAS-Länderprogramm Ghana und das regionale Medienprogramm Subsahara-Afrika nun über eine Fortsetzung noch in diesem Jahr nach. „Ich bin optimistisch, dass wir diesen Weg weitergehen“, sagte Dr. Gregor Ryssel.

Kontakt

Christoph Plate

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Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

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Participants from Ghana's NPP Party at the Voter Communication Workshop v_2